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Museum für Ostasiatische Kunst: Geisha-Ausstellung zur Wiedereröffnung

Der Steg, der am Museum für Ostasiatische Kunst über den Aachener Weiher führt, steht kurz vor der Vollendung.

Der Steg, der am Museum für Ostasiatische Kunst über den Aachener Weiher führt, steht kurz vor der Vollendung.

Foto:

Schmülgen

Köln -

Der erzwungene Dornröschenschlaf ist vorbei, eines der schönsten Museen Kölns darf wieder strahlen: Das Museum für Ostasiatische Kunst öffnet an diesem Wochenende nach mehr als einem Jahr Sanierungspause. Man hat die Schätze aus China, Japan und Korea schmerzlich vermisst. Und auch das Personal hat gelitten: "Für ein Museum ist es, wie lebendig begraben zu sein", sagte Direktorin Adele Schlombs gestern vor Energie sprühend und voller Vorfreude auf die Neueröffnung. "Wir haben kaum etwas verändert", räumte sie ein.

Immerhin: Eine neu arrangierte Abteilung über den Mahayana Buddhismus empfängt nun die Besucher. Die durch Bodhisattva-Skulpturen verkörperte Sphäre des Mitleids trifft auf die in Gestalt von Mönchen thematisierte Meditation. Auf einem altarähnlichen Podest treffen Erleuchtete aus gleich mehreren Jahrhunderten aufeinander.

Vor einem Jahrhundert hatte Museumsgründer Adolf Fischer im Sinne einer "Weltkunstgeschichte" angeregt, buddhistische Kunst auf eine Stufe mit der christlichen zu sehen. In Köln und andernorts blieb das ein frommer Wunsch. Ein anderes Projekt von Fischer kommt nun aber zu Ehren: Jahrzehnte schlummerten 1000 Fotografien unsortiert im Depot.

Carmen Pérez González hat ein Jahr lang das Konvolut von Reisefotografien des 19. Jahrhunderts gesichtet, Inhalte gedeutet, nach Fotografen recherchiert und präsentiert unter dem Titel "Von Istanbul bis Yokohama" eine wirklich spektakuläre Ausstellung.

Zeitreise ins 19. Jahrhundert

Die Jubiläumsschau des Museums verknüpft den Reiz einer Expedition zu den Sehenswürdigkeiten der östlichen Welt mit einer Zeitreise ins 19. Jahrhundert. 40 Tage waren Touristen damals auf dem Seeweg von Liverpool nach Yokohama unterwegs. Die Route führte über Istanbul nach Port Said und Aden nach Bombay, Colombo und Madras, dann ging es über Kalkutta und Singapur nach Hong Kong und Yokohama. Das war der Expressweg nach Eröffnung des Suez-Kanals im Jahr 1869. Vorher war man Monate unterwegs, um den Seeweg über die Südspitze Afrikas zu bewältigen. In jeder Hafenstadt präsentierten von einheimischen oder westlichen Fotografen geführte Studios Souvenirfotos von Architektur, Natur und Menschen an. Reiseführer jener Zeit vermerkten die einschlägigen Adressen der Foto-Studios.

Die Kölner Ausstellung folgt mit Bildern und Texten dem Reiseweg von Istanbul nach Yokohama. Hier und da vertiefen Exponate aus der Sammlung die Eindrücke. Man sieht die vor Port Said liegenden Schiffe, die von Guillaume Berggren fotografierten Istanbul-Panoramen und Sadic Beys Mekka-Foto, erlebt die in Ceylon vom Studio Skeen & Co. fotografierten Baumriesen und die von Skowen & Co in Szene gesetzten Stammesfürsten. Und man bewundert die weiblichen Schönheiten von Bombay. Adolf Fischer hat sich auf seinen Reisen gerade auch für das ethnologische Fach interessiert. Und er hatte ein feines Gespür für Qualität: Komposition, fotografische Akkuratesse und ein Blick für interessante Motive und Perspektiven kennzeichnet die von ihm erworbenen Profi-Aufnahmen.

Junge Damen beim Müßiggang

Herausragend sind dabei die in Japan entstandenen, sanft handkolorierten Abzüge. Hier gelingt es der Ausstellung, über das rein touristische Souvenir hinaus künstlerische Wurzeln offenzulegen. Der sehr flächige, fast schematische, auch im Westen hochbeliebte japanische Farbholzschnitt des Ukiyo-e hat hier seine Spuren hinterlassen. Sogar der in Japan tätige venezianische Fotograf Felice Beato griff diese Ästhetik auf. Ein Farbholzschnitt von Ando Hiroshige (Mitte 19. Jahrhundert) liegt neben einer etwas späteren kolorierten Fotografie vom Studio Genrokukan mit einer Darstellung der Trommelbrücke vor dem Kameido-Schrein in Tokyo. Verblüffende Parallelen tun sich auf. Der Japantourist jener Zeit war aber nicht nur auf Andenken von Schreinen und Pagoden aus. Begehrt war auch das Genre der "Bijinga". Das sind meist von Geishas verkörperte schöne junge Damen beim Müßiggang oder den Tätigkeiten des Alltags. Nicht nur Herrn Fischer gefiel das.

Museum für Ostasiatische Kunst Köln. Di-So 11-17 Uhr. Katalog 34 Euro