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Neus Album „Blackstar“ erscheint: David Bowie macht die beste Musik seit 30 Jahren

Musiker David Bowie

Musiker David Bowie

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dpa

Am heutigen Freitag wird David Bowie 69 Jahre alt. Und gleichzeitg erscheint sein neues Album, das eine Flut an Melancholie verströmt. Wird man so, wenn man in sein 70. Lebensjahr eintritt? Ist es Müdigkeit? Oder ein Gag? Bei Bowie weiß man nie genau, woran man ist.

Der Musiker, Sänger, Entertainer, Schauspieler, Maler und Magier der Verhüllungen, dessen Songs auf 140 Millionen Tonträgern verkauft worden sind, hat sein 28. Studioalbum herausgebracht. Es ist eine seltsame Musik, aber auch die beste seit 30 Jahren von Bowie. Insgesamt ist er seit über 50 Jahren im Geschäft.

"I'm not a popstar", stellt der Popgott klar, "Heroes" und "Life on Mars" werden aber noch unsere Urenkel hören. Vielleicht auch "Lazarus", den Song, der als Single ausgekoppelt wurde und auch einzig Hit-tauglich ist von dieser Platte. Eine Ode an New York. Dort lebt Bowie seit vielen Jahren mit seiner Frau Iman. So wie er einst in den 1970er Jahren West-Berlin besang, schaut er nun auf Manhattan. Die Stadt habe ihm Freiheit gebracht, heißt es. "I was living like a king", singt er. Aber das ist vorbei. New York duldet keine Könige, es ist sein eigenes Königtum. Der Brite kann in seiner Wahlheimat in legerer Kleidung herumlaufen, nur von einer Schiebermütze etwas verdeckt - und die Menschen und ihr Sound ziehen an ihm vorüber. In "Lazarus" unterstreichen das synthetische Bläserriffs, zurückgenommene Drums und ein Saxofon-Solo.

Der Prophet wird zum schwarzen Stern

Der Titelsong "Blackstar" ist 9,57 Minuten lang, dazu wurde Bowie von iTunes gezwungen, das für Songs nur zehn Minuten erlaubt. Ursprünglich war das Stück über elf Minuten lang. Mit düsterer Stimme wird ein Religionsführer besungen, der eine negative Energie aussendet. "Something happened on the day he died", heißt es, der Tag, an dem der Fundamentalist seinen Atem aufgibt, indem er ihn in einem wüsten Gestammel aushaucht. "I am the great I am" ist sein letztes Wort. Der Text ist verquer, der Prophet stirbt und wird zum "schwarzen Stern". Auch der Größte hat eine begrenzte Zeit, wie Bowie als Magier der Massen.

Er jault und nuschelt, man weiß nicht immer genau, was er sagen will, auch Tempo und Struktur des Songs führen nirgendwo hin, es rumpelt nur. "It's nothing to me" sprechsingt er wieder und wieder. Vielleicht geht es um die Ratlosigkeit des Alternden. 2004 erlebte Bowie einen drastischen Zusammenbruch, musste operiert werden, war lange verschwunden und die Fans trauerten, dass er nie wieder in den Konzertarenen der Welt auftreten würde. Das scheint so zu sein, Bowies Stimme wirkt nach wie vor brüchig, die Jahre nagen an ihr, zumal sein Produzent Tony Visconti die Stimme noch im künstlichen Hallraum ertönen lässt.

Das Album ist eine kalte Mischung. Jazzsaxofonist Donny McCaslin und dessen Band haben die sieben Stücke mit eingespielt. Elektrischer Jazzgroove, in dem das übliche Muster von Intro, Strophe und Refrain ohne Bedeutung sind. Bowie liefert keine gängigen Melodien, er ist melancholiegeplagt. "I Can't Give Everything Away", das letzte Stück, ist die Frage nach dem Wert des Lebens. Es ist etwas Neues, Endgültiges da, zwar verrätselt, aber es schnell wird klar, es ist ein Alterswerk. Bowie ist ein Aussteiger, er gibt keine Konzerte mehr und keine Interviews, twittert nicht und gibt auf Facebook nichts Privates preis. Er will nur noch Musik. David Bowie ist bei den Balladen angelangt. Dem Mainstream, dem er einst Trends lieferte, hat er nichts mehr zu bieten. Es bleiben Breakbeat-Jazz und ein bisschen Radiohead, inspiriert von den 1980er Jahren. Das ist ehrlich, das hört man gern. Hin und wieder.

David Bowie:"Blackstar", Sony