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Oper: „Anna Bolena“ im Kölner Palladium

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Makelloses Belcanto: Olesya Golovneva als Anna Bolena. Foto: Klaus Lefebvre) 
Imogen Kogge und Tobias Hoheisel inszenieren Donizettis "Anna Bolena" im Kölner Palladium. Auch wenn manche Details in dieser Inszenierung überzeugen, wirkt sie insgesamt doch blass und beliebig.  Von
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Köln

Im Vergleich zu Heinrich VIII. nehmen sich die heutigen britischen Royals mit ihren Skandälchen doch recht brav aus. Der Tudor-Herrscher war sechsmal verheiratet, zwei seiner Frauen ließ er gar hinrichten. Anne Boleyn, die Nummer zwei und Mutter der späteren Königin Elisabeth I., musste solch ein Schicksal erleiden, nachdem Heinrich Ehekandidatin Nummer drei, Jane Seymour, kennengelernt hatte.

In Gaetano Donizettis 1830 uraufgeführter, heute eher selten gespielter Belcanto-Oper "Anna Bolena", die am Wochenende im Palladium, einem der vorübergehenden Kölner Opernquartiere, Premiere hatte, heißt die Nebenbuhlerin Giovanna Seymour. Sie fühlt sich zerrissen zwischen der Liebe zu König Enrico VIII. und dem nicht weniger tief empfundenen Mitleid zu Anna.

Das Kölner Regie-Duo Imogen Kogge und Tobias Hoheisel arbeitet in seiner Inszenierung die tragische Größe dieser Frau besonders hervor, indem sie Giovanna selbst dann ins Rampenlicht stellt, wenn sie schweigt. Ihr rotes Kleid wirkt auf der Bühne immer so auffallend wie ein Leuchtfeuer.

Interessant ist es auch, Enrico zu beobachten. Man wird den Eindruck nicht los, dass er irgendwann selbst Opfer seiner eigenen Intrige gegen Anna wird. Um die Trennung von ihr einzufädeln, hatte er ihren früheren Verehrer Percy aus dem Exil an den Hof geholt. Doch mehr und mehr scheint sich ein unbekanntes Gefühl in seinem Herzen einzubrennen: Nicht mehr, weil sie ihm lästig ist, scheint er sie loswerden zu wollen, er will ihren Tod aus rasender Eifersucht. Der Bassbariton Gidon Sakks spielt und singt diese Figur mit nahezu beängstigender Intensität, seine hünenhafte Präsenz und die gewaltige Durchschlagskraft seiner Stimme lassen den Raum jedes Mal, wenn er ihn betritt, erbeben.

Auch wenn manche Details in dieser Inszenierung überzeugen, wirkt sie insgesamt doch blass und beliebig. Es wird nicht so ganz klar, in welcher Zeit das Drama angesiedelt ist. Enrico lebt in einem britischen Herrenhaus, das Treppenhaus schmücken alte Bilder, darunter Hans Holbeins d.J. berühmtes Standporträt Heinrichs VIII. Auch die Rot tragenden Jäger mit ihren Windhunden, die sie an der Leine führen, erfüllen typische England-Klischees. Uniformen, Anzüge und Kleider deuten überwiegend auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts hin. Schlüssig ist das Sammelsurium nicht.

Auffälligstes Bühnenmerkmal bleibt Annas Raum: Ein kubusartiges möbelloses Zimmer, weiß, kalt und aseptisch. Tobias Hoheisel hat es brutal ins Herrenhaus implantiert. Ein nicht einmal goldener Käfig für die traurige Königin. Erst in der Wahnsinnsszene zum Schluss verlässt sie diesen Raum und irrt durchs Herrenhaus.

Man muss Olesya Golovneva hier für ihre Darstellung und für den makellosen Belcanto-Gesang mit den virtuosen Koloraturen bewundern. Und Ausdruck besitzt ihr Gesang auch. Annas Nebenbuhlerin Giovanna findet in Regine Richter ihre Meisterin: Sie lässt ihre Mezzo-Stimme regelrecht aufglühen. Den Percy sang der Tenor Luciano Botelho, dessen Stimme in der mittleren Lage berückend schön klingt, aber in der Höhe an Kraft und Glanz verliert. Die kleineren Rollen waren mit Matias Tosi (Rocheford), Katrin Wundsam (Smeton) und Alexander Fedin (Hervey) bestens besetzt. Der von der Regie etwas stiefmütterlich behandelte Chor überzeugte gesanglich ebenfalls (Einstudierung: Jens Olaf Buhrow).

Mit dem Barockexperten Alexander De Marchi am Pult spielte das Gürzenich-Orchester ebenso konzentriert und stilsicher wie inspiriert. Vor allem die vielen zauberhaften Bläserpassagen beeindruckten nachhaltig. Das Publikum spendete viel Applaus.

Die nächsten Termine: 22., 24. und 28. Februar, 3., 6., 8. und 10. März. Dauer: 3 1/2 Stunden. Kartentelefon: (0221) 22 12 84 00.

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