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Wirtschaftsprüfer schlagen Alarm: Museum Morsbroich droht das Aus

Museum Morsbroich

Das Museum Morsbroich in Leverkusen

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dpa

Leverkusen -

Einem der renommiertesten Häuser für Gegenwartskunst in Nordrhein-Westfalen droht das Aus: Wirtschaftsprüfer schlagen in einem Gutachten die Schließung des Museums Morsbroich vor, damit die verschuldete Stadt Leverkusen ihre Sparvorgaben erfüllen könne.

Durch Schließung des Museums und Auflösung des Depots könnten 778 450 Euro pro Jahr gespart werden, heißt es in dem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Bericht der Prüfungsgesellschaft KPMG zu „Optimierungspotenzialen“ des städtischen Kulturbetriebs KulturStadtLev. Auch wenn die Maßnahme einen „harten Einschnitt“ für das kulturelle Profil Leverkusens bedeute, könne damit ein „wesentlicher Beitrag zur Erreichung der Konsolidierungsziele geleistet werden“. In Museumskreisen wurde mit Empörung auf die Vorschläge reagiert. Die Schließungspläne seien „skandalös“, hieß es.

Der städtische Kulturbetrieb ist seit seiner Gründung 2001 unterfinanziert und macht pro Jahr rund eine Million Euro Verlust. Leverkusen gehört zu den mehr als 60 armen Kommunen im Hilfsprogramm des Landes „Stärkungspakt Stadtfinanzen“. Damit hat sich die Kommune zu rigorosen Sparauflagen und einem ausgeglichenen Haushalt verpflichtet.
Nach Angaben einer Sprecherin der Stadt ist der Vorschlag zur Schließung von Morsbroich „einer unter mehreren“. Bis zum 27. Juni soll die Verwaltung einen Umsetzungsvorschlag für die empfohlenen Sparmaßnahmen vorlegen. Über das Gutachten berichtete am Dienstag zuerst die „Rheinische Post“.

Insgesamt stellen die Prüfer elf Sparmaßnahmen im Kulturbereich zur Diskussion, wobei sie die Museumsschließung favorisieren. „Es ist davon auszugehen, dass eine Schließung des Museums von Protesten begleitet sein wird“, heißt es in dem Gutachten. Aber aus der Schließung ergäben sich „enorme Einsparpotenziale“.

Alternativ empfehlen die Prüfer den Verkauf von Werken der Sammlung, was als Tabubruch in der Kunstszene gilt. Auch die Gutachter räumen ein: Es sei damit zu rechnen, dass durch jeden einzelnen Verkauf „eine erneute Diskussion“ über die Veräußerung von Kunst aus öffentlichem Besitz in NRW entbrennen werde. Ein drittes Szenario sieht die Privatisierung des Museums vor.

Morsbroich macht immer wieder durch hochkarätige und anschaulich aufbereitete Ausstellungen auch überregional von sich reden. Auch Kunstgrößen wie Gerhard Richter oder Rosemarie Trockel stellen ihre Werke in dem Schloss aus.

Die Gutachter argumentierten auch, dass die Besucherzahl in Morsbroich zwar im vergangenen Jahr auf rund 16 500 gestiegen sei, aber die Zahl der zahlenden Besucher zurückgehe und bei nur knapp 3000 liege. Außerdem befänden sich „in unmittelbarer geografischer Nähe“ in Düsseldorf und Leverkusen weitere etablierte Häuser für zeitgenössische Kunst, die in Konkurrenz zueinander stünden. Die „Nachfrage“ nach ähnlichen Angeboten sei zudem „im Umkreis wesentlich höher als im Museum Morsbroich“.