
Am Ende gab es sogar Tränen der Freude oder vielleicht auch der Erleichterung. Sichtlich gerührt nahm Bernd Petelkau die ersten Glückwünsche entgegen, als gegen 16 Uhr endlich feststand, dass er neuer Vorsitzender der Kölner CDU ist.
Der Parteitagsmarathon hatte für über 700 von 5200 Kölner CDU-Mitgliedern, die am Samstag in den Congress-Saal der Messe gekommen waren, bereits um neun Uhr begonnen. Sie nominierten zunächst die Kandidaten für die Landtagswahl (siehe Kasten). Weil es zu Verzögerungen kam, musste sich auch der Landesvorsitzende Dr. Norbert Röttgen gedulden, der sich dann aber umso schneller warm geredet hatte. Nach einem Lob für den scheidenden Kölner Parteichef Jürgen Hollstein („feiner Kerl, guter Vorsitzender“) gab es Breitseiten gegen die Landesregierung und deren Schuldenpolitik – „Gift für die Zukunft unseres Landes“. Und Röttgens persönliche Zukunft? „Du gehst genau so wie ich von Berlin nach Düsseldorf. Wir werden dieses Land gut regieren“, rief er Ursula Heinen-Esser, der Europaministerin in seinem Schattenkabinett, zu. Mehr aber auch nicht.
Den Dreikampf um seine Nachfolge eröffnete dann der aus beruflichen Gründen ausscheidende Parteichef Jürgen Hollstein. Er habe „alte Gräben zugeschüttet und überwunden“, zog er Bilanz. „Die sollen heute nicht wieder aufreißen“. Hollstein hatte Verpoorten als Nachfolgerin auserkoren und empfahl sie nun auch – teils mit unfreiwillig komischen Argumenten („Sie spielt auf dem Klavier der Medien“), später auch „bewusst polemisch: Besser eine Frau als ein Banker“.
Das zielte gegen Petelkau, der Manager bei der Commerzbank in Frankfurt ist. Der 47-Jährige hatte die dynamischste Vorstellungsrede gehalten. „Wir wollen wieder an die Zeiten von Harry Blum und Fritz Schramma anknüpfen. Köln wird unter Wert regiert. Wir müssen den Menschen klar sagen, es geht so nicht weiter, wir müssen sparen“. Für solche Sätze gab es deutlich mehr Beifall als bei den Statements seiner Konkurrentinnen Gisela Manderla und Andrea Verpoorten. Die Landtagsabgeordnete hielt aber auch eine kämpferische Ansprache: „Ich bin der Stachel im Fleisch von Rot-Grün, ich bin die Stimme, die Frau Kraft zur Mehrheit fehlt“, sagte sie mit Bezug auf ihren 2010 direkt gewonnenen Wahlkreis.
In der kurzen Aussprache ging es fair zu. Interessant die unterschiedliche Zustandsbeurteilung zweier Partei-Vizes: Anton Bausinger (Petelkau-Anhänger) hält die Kölner CDU „nach wie vor für tief gespalten“, Karsten Möring (Verpoorten-Anhänger) widersprach, das mit den Lagern sei „ein antiquiertes Thema“.
Dann wurde abgestimmt – und lange gezählt. Eine gute Stunde lang kämpfte die Zählkommission mit tückischen Fragen wie der Berücksichtigung von Nein-Stimmen. Dann stand fest: Manderla hatte 134 Stimmen erhalten, Verpoorten 228, Petelkau 351 – mit 49,16 Prozent knapp weniger als die benötigte absolute Mehrheit. Vor der zweiten Abstimmung zog Gisela Manderla ihre Kandidatur zurück – ohne Wahlempfehlung.
Während der Auszählung des zweiten Wahlgangs debattierten alte Parteistrategen in den Fluren schon fleißig über die Zukunft der Kölner CDU. Etwa Richard Blömer, der selbstironisch spottete: „Ich bin das Blömer-Lager“ oder Rolf Bietmann: „Die CDU muss endlich wieder Machtpolitik betreiben“.
Dann hatte Petelkau es erwartungsgemäß geschafft: 374 Stimmen (rund 60 Prozent) für ihn, 252 für Andrea Verpoorten, die ebenso wie Jürgen Hollstein dem neuen Parteichef gratulierte. „Wir werden jetzt gemeinsam kämpfen, damit die CDU wieder stärkste Kraft in der Stadt wird“ versprach der, nachdem er die Wahl angenommen hatte. Dabei werden ihn als Stellvertreter Christian Möbius (360 Stimmen), Florian Braun (Junge Union, 357), Gisela Manderla (337) und Andrea Verpoorten (272) unterstützen. Karsten Möring, Engelbert Rummel und Uwe Kaven konnten sich nicht durchsetzen.