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Robert Schlappal: In der Wikipedia ganz oben

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Robert Schlappal hat eine der wichtigsten Aufgaben im deutschen Teil des Internet-Lexikons. Schlappal ist "Oversighter". Nur er und vier weitere deutschsprachige Kollegen dürfen Informationen endgültig aus der Wikipedia entfernen. Von
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Robert Schlappal
Nur er und vier weitere Ehrenamtliche dürfen Artikel aus der Wikipedia löschen: Robert Schlappal arbeitet in der Freizeit für das Internet-Lexikon. Sein Geld verdient er als Sozialarbeiter. (Bild: Gauger)
Köln

Es ist ein seltener Erfolg der Anarchie: Die Wikipedia ist ohne Chefs zur größten Wissenssammlung der Geschichte gewachsen. Noch immer darf jeder das Internet-Lexikon erweitern und korrigieren. Eine Grafik auf dem Schreibtisch von Robert Schlappal aber zeigt: Längst ist die Anarchie hierarchisch organisiert. An der Spitze der Wikipedia stehen wenige: Schlappal etwa ist einer von nur fünf Wikipedia-Nutzern, die deutsche Artikel des Internet-Lexikons völlig unsichtbar machen dürfen.

Der Mann, der zu den wichtigsten Ehrenamtlichen der mittlerweile wohl weltweit wichtigsten Wissenssammlung gehört, sitzt in einem Büro des Sozialpsychiatrischen Diensts in der Kölner Südstadt. Er ist Sozialarbeiter und Chef der Caritas-Einrichtung. In den Internet-Diskussionen der Wikipedia aber fragt ihn niemand nach seinem Beruf. Dort spielt nicht einmal der Name von Robert Schlappal eine Rolle. Die Wikipedianer sammeln das Wissen der Welt unter Pseudonymen, ohne Lohn und nach eigenen Regeln - Regeln, über die Schlappal wacht.

In der Grafik, die der 41-Jährige ausgedruckt hat, steht seine Funktion ganz oben, auf einer Ebene etwa mit dem Wikipedia-Schiedsgericht: Schlappal ist "Oversighter". Nur er und vier weitere deutschsprachige Kollegen dürfen Informationen endgültig aus der Wikipedia entfernen. In der Anarchie sind sie so etwas wie Zensoren. Sie braucht es, weil die Wissenssammlung sich selbst auferlegt hat, nicht alles zu wissen: Allzu Persönliches zum Beispiel, sagt Schlappal, gehöre nicht in die Wikipedia.

Allzu persönlich, das kann im Fall einer Opernsängerin selbst deren Alter sein. Schlappal erzählt von der Beschwerde der Dame mit Schmunzeln: Dass ihr Alter einem Wikipedia-Artikel zu entnehmen sei, könne sie die Karriere kosten, behauptete sie. "Ihre Wut", sagt Schlappal, "sprang einem aus den E-Mails entgegen." Das Geburtsdatum der Sängerin hatte der Autor des Artikels einem uralten Adelsverzeichnis entnommen. Es stimmte - und steht dennoch nicht mehr in der Wikipedia. Schlappal sagt: "Es war ein Grenzfall." Nach langer Diskussion aber hätten sich die Wikipedia-Ehrenamtlichen entschieden, das Datum zu löschen.

Auf die Löschen-Schaltfläche aber klickt Schlappal nur selten: Vielleicht zwei, drei Mal im Monat werde er als "Oversighter" tätig, sagt er. Die Arbeit, seine Frau und zwei Kinder hielten ihn davon ab, ganze Tage auf den Wikipedia-Seiten zu verbringen. "Andere tun das", sagt Schlappal. Auf seinen Zeitmangel hatte er schon bei seiner Wahl zum "Oversighter" vor rund anderthalb Jahren hingewiesen. Die stimmberechtigen Wikipedia-Nutzer - solche, die mindestens zwei Monate auf der Plattform aktiv sind und schon mindestens 200 Mal Artikel bearbeitet haben - gaben Schlappal dennoch "Oversight"-Rechte. In den nächsten Monaten soll sich der Kölner Sozialarbeiter zur Wiederwahl stellen: Es herrscht außer Anarchie auch Demokratie in der Wikipedia-Gemeinschaft.

Ob er sich noch einmal zum "Oversighter" wählen lässt, das hat Schlappal für sich noch nicht entschieden. Wichtiger an seiner Arbeit für die Wikipedia nämlich sei ihm anderes: Artikel zu schreiben und Fehler zu korrigieren. Noch immer gebe es Themen, die in dem Online-Lexikon zu kurz kämen. Und noch immer versteckten sich Fehler in den Texten. Selbst der Mann, der einer der Wichtigsten bei Wikipedia in Deutschland ist, sagt deshalb: Man soll nicht einfach glauben, was in der Wikipedia steht.

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