Magazin
Trends, Interviews und Bilder zu den Themen Leben, Essen

Vorlesen
0 Kommentare

Kinderbetreuung in Deutschland: Über das Glück, einen Kita-Platz zu haben

Erstellt
Ole Asher und seine Eltern haben es geschafft: Ole wird in einer netten Kita betreut.Foto: Neumann
In Deutschland ist es nicht leicht, einen Platz in einer Kindertagesstätte zu ergattern. Vor allem für Kinder unter drei Jahren ist das Betreuungsangebot unzureichend. Wir haben uns mit Familien in Spanien und Belgien unterhalten: Ein Vergleich. Von
Drucken per Mail

"Hallo, ich heiße Ole und suche zum Sommer 2011 eine Kita mit netten Spielgefährten und einer Atmosphäre zum Wohlfühlen." Mit diesem Satz in verspielter Computerschrift, außerdem einem Babyfoto und einem Porträt der Eltern, gedruckt auf ein Din-A4-Papier, beginnt die Kita-Karriere von Ole Asher. Im Oktober 2010 war das. Ole ist gerade mal zwei Monate alt. "Wir haben eine richtige Bewerbung geschrieben, in der wir unser Kind vorstellen und sagen, wie wir uns als Eltern mit einbringen wollen", erinnert sich sein Vater Matthias (39).

In zehn Tagesstätten beworben

Heute, zwei Jahre später, könnte Ole den Satz aus seiner Bewerbung vermutlich schon selbst sprechen. Ihr Sohn sei sprachlich erfreulich weit, sagt seine Mutter Kerstin (38), auch gehe er "offen auf andere Kinder zu". Für die Geografin auch eine Folge davon, dass der Zweijährige viel Zeit mit Gleichaltrigen verbringt. Ole besucht seit einem Jahr die U3-Gruppe einer Kita in Köln-Deutz.

In zehn Tagesstätten hatten sich die Ashers zuvor persönlich vorgestellt. Bewerbungsgespräche mit einem Neugeborenen auf dem Schoß, die oft eine Stunde lang dauerten und in denen oft der Satz fiel: "Machen Sie sich nicht allzu große Hoffnungen." Den Platz in der katholischen Krippe bekamen die Ashers schließlich, weil dort zufällig gerade eine U3-Gruppe neu aufgebaut wurde. "Das war unser Glück", sagt Kerstin Asher.

Kinderbetreuung in Deutschland

Die Betreuung von unter Dreijährigen ist in Deutschland ein Politikum. Für Zwist zwischen den Parteien sorgt vor allem das sogenannte Betreuungsgeld: Von August 2013 an erhalten Mütter oder Väter, die ihr Kleinkind zu Hause betreuen, monatlich 150 Euro vom Staat. Diesen Beschluss der schwarz-gelben Mehrheit würde die Opposition im Fall eines Regierungswechsels kippen. So ist es zumindest von Rot-Grün angekündigt.

Streit gibt es auch um den Rechtsanspruch auf einen U3-Betreuungsplatz, der Eltern von August 2013 an zusteht. Nach Berechnung des Bundesfamilienministeriums wird sich dieses Ziel in Ländern wie NRW kaum verwirklichen lassen.

Die Stadt Köln etwa schafft zwar nach eigenen Angaben bis 2013 die verabredete Quote von 32 Prozent U3-Plätzen. Aktuelle Studien des Deutschen Jugendinstituts schätzen den Bedarf in manchen Großstädten allerdings auf bis zu 60 Prozent. (ma)

Glück ist der Begriff, den man am häufigsten hört, wenn man mit Eltern wie den Ashers über die Kleinkindbetreuung redet. Das Glück, in Zeiten des Kitaplatz-Mangels einen begehrten Betreuungsplatz zu ergattern. Das Glück, ein süßes Kind zu haben und gleichzeitig weiter in dem Beruf arbeiten zu können, für den man jahrelang ausgebildet wurde. Das Glück schließlich, die Wohnungspreise in einer Großstadt bezahlen zu können - was oft nur möglich ist, wenn beide Elternteile Geld verdienen.

"Als der Brief mit der Zusage kam, haben wir erst mal eine Flasche Schampus aufgemacht", sagt Kerstin Asher. Jahrelang nur Windeln zu wechseln habe für sie beide nicht zur Diskussion gestanden, sagt Matthias. Bei den 14 Elterngeld-Monaten - in denen Mütter oder Väter Geld vom Staat erhalten, um sich um ihr Neugeborenes zu kümmern - machten die Ashers halbe-halbe. Seit Ole ein Jahr alt ist, wird er von montags bis freitags in der Kita betreut. Um halb neun am Morgen bringt ihn die Mutter hin, nachmittags um halb vier holt ihn der Vater wieder ab. Matthias Asher arbeitet wieder Vollzeit als Lehrer, seine Frau hat eine 75-Prozent-Stelle in einem Büro für Stadtentwicklung.

Auch das zweite Kind soll in die Kita

Vom Betreuungsgeld, das von August 2013 an Eltern bekommen, die ihr Kleinkind zu Hause betreuen, halten die Ashers wenig. "Das führt nur dazu, dass Familien von Kindern, die von der Betreuung in einer Kita profitieren würden, lieber das Geld nehmen und ihr Kind zu Hause lassen", sagt Matthias Asher. Für seine Frau und ihn ist klar, dass auch ihr zweites Kind in eine Kita gehen soll. Der Geburtstermin ist für März errechnet.

Eine Bewerbung haben sie noch nicht geschrieben.

Auch interessant
Rundschau-Abo zum Sonderpreis
Rundschau auf dem iPad
Rundschau-Webbewerb
Kleinanzeigen
Rundschau-Serie
Wandern

Im Magazin der Rundschau stellen wir Ihnen regelmäßig Wanderungen in der Region vor.

Anzeige

Spielerische Sprachförderung: Englisch bereits in Kindertagesstätten und Vorschulen

FACEBOOK
Anzeige
"Meine Arbeit macht mir Freude" - Dieser Aussagen stimmten 85,4 Prozent der Befragten zu. Foto: Patrick Pleul

Lesen Sie mehr rund um das Thema Ausbildung, Karrieremöglichkeiten und Jobs.

Rundschau-Altenhilfe

Die Rundschau-Altenhilfe unterstützt ältere Menschen mit Spenden und Zuwendung. Helfen Sie mit!

Rundschau-Ratgeber
Rundschau-Service