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Kinderbetreuung in Spanien: Eine stille Revolution

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Die fünfjährige Spanierin Sara Ibánez besucht die Krippe - wie so viele Gleichaltrige. "Wenn es hier einen sozialen Druck auf die Mütter gibt, dann den, dass sie so schnell wie möglich zur Arbeit zurückkehren", sagt ihre Mutter Garcia Ibánez. Von
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Wenn Javier Ibánez seine zweieinhalbjährige Tochter Ana morgens in die neue Krippe bringt, weint sie erbärmlich. Damit ihr der Einstieg nicht so schwer fällt, hat sie noch kein volles Programm: Am ersten Tag ist sie zwei Stunden dort, am zweiten Tag zweieinhalb, am dritten Tag dreieinhalb. Normal sind sieben Stunden, von 9 bis 16 Uhr. Aber wer holt Ana in der Eingewöhnungszeit schon am Vormittag wieder ab? Zum Glück ist Ibánez' Schwiegermutter für eine Woche aus Lérida nach Madrid gekommen. Die Familie hilft - das ist gute spanische Tradition.

Mit anderen Traditionen hat das Land längst gebrochen. Die Frauen bleiben nicht mehr am Herd wie noch zu Franco-Zeiten. Javier Ibánez (41) und seine Frau Sandra García (ebenfalls 41) arbeiten beide, wie das normal ist in ihrer Altersgruppe. Also müssen sie die Betreuung ihrer Töchter organisieren. Sara, die Fünfjährige, geht in den Kindergarten, die kleine Ana neuerdings in die Krippe. Auch das ist normal.

Kinderbetreuung in Spanien

In Spanien hat sich in den vergangenen Jahren eine stille Revolution vollzogen: Für spanische Eltern wird es immer selbstverständlicher, ihre Jüngsten in eine Kinderkrippe zu geben. 30 Prozent der Kinder unter drei Jahren besuchen heute eine Kita; Anfang des Jahrtausends waren es noch keine zehn Prozent. Der Wandel fand ohne große öffentliche Debatten statt. Kritik an dieser Entwicklung gibt es nicht.

Dabei verwöhnt der spanische Staat Eltern im Allgemeinen nicht. Es gibt kein Kindergeld, und das von der sozialistischen Regierung 2007 eingeführte einmalige Elterngeld in Höhe von 2500 Euro wurde - als eines der ersten Krisenopfer - schon wieder abgeschafft.

"Wenn es hier einen sozialen Druck auf die Mütter gibt, dann den, dass sie so schnell wie möglich zur Arbeit zurückkehren", sagt Ibánez. Ein wenig hat sich Sandra García diesem Druck entzogen. Sie hat ihre Töchter nicht - wie es andere Eltern tun - schon mit vier oder fünf Monaten in die Krippe gegeben, sondern noch ein Jahr gewartet. Sie arbeitet beim Weltkonzern Telefónica. Für den ist es leichter als für einen kleinen Betrieb, die Wünsche der Beschäftigten zu erfüllen. "Die Zeit, die ich nicht bei meinen Töchtern sein kann, bekomme ich nie wieder", sagt García. "Ich bin zu Hause geblieben, weil ich es wollte - und das finanziell möglich war."

In Spanien gibt es fast keine staatliche Unterstützung für Eltern. García und Ibánez sind in der glücklichen Lage, beide ein festes Gehalt zu beziehen und genug zu verdienen, um sich die 280 Euro für Anas Platz in der öffentlichen Krippe leisten zu können. Für Anas ältere Schwester Sara fanden sie nur Platz in einer privaten Kita. "Eine sehr schöne Krippe", sagt Ibánez. Für 480 Euro im Monat.

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