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Mottohochzeit: Die ganz andere Art, „Ja“ zu sagen

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Besonders ist eine Hochzeit immer, aber einige sind geradezu außergewöhnlich. Wir stellen drei Paare vor, die ihre Feier unter ein Motto gestellt haben. Drei wirklich außergewöhnliche Paare.

Caterina und Dennis Feiler

Nur weil es eine Liebesgeschichte ist, heißt das nicht, dass es da nicht eine Enthauptung geben kann oder zwei - dieser Satz auf der Einladungskarte dürfte jedem Gast klar gemacht haben, dass die Hochzeit von Caterina und Dennis keine gewöhnliche werden würde. Dafür eine, die dem Paar wirklich entsprach. Denn als Caterina Feiler beim ersten Date mit Dennis dessen Horrorfilmsammlung sah, wusste sie: Da ist er, der Mann fürs Leben. "Wir hatten beide endlich jemanden gefunden, der die Leidenschaft für Horrorfilme teilt", sagt die 27-Jährige. Was für andere Paare der erste Restaurantbesuch ist, ist für Dennis und Caterina der erste gemeinsam angeschaute Horrorfilm - eine Folge von "Masters of Horror". Über 1000 Filme besitzen die beiden mittlerweile, die in der gemeinsamen Wohnung im Duisburger Stadtteil Rumeln einen ganzen Raum einnehmen.

Nachdem Dennis Caterina nach drei Jahren einen Heiratsantrag gemacht hatte, stand schnell fest, dass sich auch die Hochzeit thematisch um Horrorfilme drehen musste. "Da gab es keine Alternative", sagt Dennis.

Die Feilers sitzen auf dem Sofa, auf dem Couchtisch vor ihnen liegen sorgsam aufgereiht acht Fernbedienungen. Jede steuert ein anderes der vielen Geräte, die zum Heimkino gehören. An einer Wand steht eine riesige Kratzbaumlandschaft für die schwarze Katze Mausi. Keine Spur von Horror. Dass Filme eine große Rolle spielen, ist dagegen nicht zu übersehen. Eine 2,60 Meter breite Leinwand dominiert den Raum. "Wir lieben es, uns Horrorfilme anzuschauen. Das ist ein Teil von uns. Deswegen hätten wir es komisch gefunden, das nicht auch in unsere Hochzeit zu integrieren", sagt Caterina Feiler.

Wer die beiden kennt, muss das ohnehin geahnt haben. "Wir haben nur eingeladen, wen wir wirklich dabei haben wollten. Und diese Menschen kennen uns auch gut genug", sagt Dennis.

Es gab auch Bedenken

Bedenken hatte das Paar dennoch: Was werden Caterinas katholische Eltern, was werden die älteren Verwandten zu einer Horrorfilmhochzeit sagen? Deren Reaktionen bestätigten die Befürchtungen zunächst: "Das könnt ihr doch nicht machen!" war die häufigste Reaktion", sagt Dennis und grinst. Horrorfilm - dieses Thema passt so gar nicht in das Bild, das die meisten Menschen von Hochzeiten haben. "Als meine Eltern das Motto der Hochzeit erfahren haben, dachten sie, das wird wie bei einer Halloween-Show im Moviepark: Da kommt jemand aus der Ecke gesprungen und erschreckt die Leute. Dabei sollte es eben keine Kostümparty werden, auf der mit Kunstblut geworfen wird", sagt Caterina. Sondern eine Hochzeit mit Stil - und Thema.

Die standesamtliche Hochzeit feierte das Paar am Freitag, den 13. August 2010. Ein Jahr darauf folgte die freie Trauung im Event-Schloss "Pulp" in Duisburg mit anschließendem Fest in einem ehemaligen Bauernhof. Caterina und Dennis erschienen nicht als Untote, sondern im weißen Brautkleid und Anzugshemd samt Sakko - mit quietschgelber Fliege am Revers und gelber Schleife am Brautkleid. Doch anstelle des klassischen Buffets gab es, einem typischen Filmabend entsprechend, Pizza aus dem Karton. Als Blumenvasen dienten Colaflaschen und die Platzsets ähnelten Ouija-Boards zum Gläserrücken.

Ein halbes Jahr lang hatten die beiden täglich an der Dekoration und den Spielen gebastelt, denn im Katalog auswählen kann man stilvolle Grusel-Accessoires nicht. Als Gastgeschenke gab es Überlebenspakete: Mit Trillerpfeifen, um sich bemerkbar zu machen; Kreide, um den Rückweg zu markieren und Hustenbonbons, um besser schreien zu können. "Es gibt ja in jedem Horrorfilm klassische Fehler. Zum Beispiel, dass man nach oben ins Haus flüchtet, anstatt rauszurennen", sagt Caterina. "Deshalb war unser roter Faden: Wir machen euch fit dafür, in einem Horrorfilm zu überleben."

Spielestationen dienten als Survival-Training. Darunter auch: Eierlaufen mit Augapfel-Flummis. "Ich dachte, spätestens da würden die Älteren aussteigen", sagt Caterina. "Aber selbst sie sind mitgerannt." Dem Brautpaar war es wichtig, dass sich niemand unwohl fühlt. Eine Kleiderordnung gab es deshalb ebenso wenig wie den Zwang, an den Spielen teilzunehmen. "Wir waren bis zum Schluss skeptisch, ob die Spiele wirklich angenommen werden", sagt Caterina.

Doch alle Befürchtungen stellten sich als unbegründet heraus. "Ich glaube, die älteren Gäste hatten fast am meisten Spaß", sagt Dennis Feiler.

Zum Ausklang der Hochzeitsparty gab es selbstverständlich einen Film: Frankenstein und seine Braut. Caterina und Dennis sind froh, dass sie den Mut zur ganz eigenen Hochzeit hatten. "Es gibt dem Tag mehr Bedeutung", findet Caterina Feiler. (jam)

Vanessa Dobkowitz und Sven Eckoldt

Wie eine Jägerin streifte Vanessa Dobkowitz über Flohmärkte und durch Second Hand Läden. Ihre Beute: Alte Vasen, Sektkühler, ein antiker Vogelkäfig - "Dinge, die eine Geschichte erzählen." Vanessa Dobkowitz und Sven Eckoldt aus Bonn wollten es keinem anderen überlassen, die Dekoration für ihre Vintage-Hochzeit auszuwählen. Und auf keinen Fall wollten sie irgendetwas von der Stange kaufen. Tradition sollte bei ihrer Hochzeit eine Rolle spielen - nur eben nicht im traditionellen Sinne. Antike Möbel, ein Fahrrad aus den 70ern und ein alter Vespa-Roller sind wichtige Details aus dem Leben der beiden. "Alte Sachen sind oft wertiger als neue, und wir haben viel Spaß daran", sagt Eckoldt.

Inspirationen für ihre Feier hat sich das Paar aus den USA geholt, wo Vintage-Hochzeiten schon lange im Trend sind. Auf den Hochzeitsbildern der beiden findet man den amerikanischen Einschlag wieder, zum Beispiel beim Popcorn, das in pastellfarbenen, gepunkteten Pappbechern auf der Candybar steht. Liebevoll sammelte das Paar, was ihm gefiel und machte selbst, was es nicht finden konnte. Die 35-Jährige nähte Wimpelketten und bastelte Pompons aus Papier, alles in hellblau und rosa. "So konnten wir unserer Hochzeit eine viel individuellere Note geben, als wenn jemand anderes das für uns gemacht hätte", sagt Produktmanager Eckoldt, und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: "Die Vorbereitungen haben meiner Frau fast genauso viel Spaß gemacht, wie die Hochzeit selbst."

Freiheit bei den Vorbereitungen

Nach der Trauung im Bonner Standesamt am 14. Juli 2012 fuhr das Paar im alten Mini zum Haus von Sven Eckoldts Eltern. "Dass wir im Garten meiner Eltern gefeiert haben, hat uns die Freiheit gegeben, uns viel Zeit mit den Vorbereitungen zu lassen", sagt Eckoldt.

Und auf diese Weise ist auch die Familiengeschichte Teil der Hochzeit geworden. Für die Gartenparty wurde der Esstisch mit der alten Familientischdecke zur Candybar umfunktioniert, auf der das Paar bunte Cakepops und Gummitiere anbot. Sogar der Vespa-Roller wurde zum Retro-Detail. "Wir wollten, dass die Feier festlich aber ungezwungen wird und das haben wir gut hinbekommen", sagt der 34-jährige Sven Eckoldt. Anstelle eines À la Carte-Menüs gab es ein Barbecue. Zur ungezwungenen Atmosphäre gehörte für die beiden auch, ihren Gästen keine Kleidervorschriften zu machen. Deshalb konnte das Hochzeitspaar dem

Regen mit Gummistiefeln entgegentreten. "Wir haben sehr viel positive Rückmeldung bekommen und würden unsere Hochzeit wieder genauso feiern", sind sich Sven Eckoldt und Vanessa Dobkowitz einig. (jam)

Jasmin und Gjero Krsteski

Ich will 'nen Cowboy als Mann! Freiheitsliebend. Männlich. Rock'n'Roll im Blut. So hatte sich Magazin-Mitarbeiterin Jasmin Krsteski ihren Mann vorgestellt. Am 25. Juli 2009 steht Gjero vor ihr. In der geweihten Kapelle der Forest Ranch bei Krefeld. Filmreif in schwarz-orangefarbenem Wild-West-Outfit. Bereit mit seiner Herzensdame "zu lebenslanger Haft verurteilt zu werden", wie es im Einladungstext heißt. Stilecht erklingt - statt Mendelssohns "Hochzeitsmarsch" auf der Orgel - "The Real Thing" von den Detroit Cobras vom Band. Rock'n'Roll eben. Wild, frei, unkonventionell. So wie sich das Paar seine Hochzeitsfeier gewünscht hat. Und so wie Rock'n'Roll generell das Leben der beiden bestimmt. Keine Wunder also, dass auch ihr Pfarrer Rock'n'Roll zum Leitthema seiner Hochzeitspredigt in der Wild-West-Kapelle macht.

"Musik ist unser Hobby, fester Teil unseres Alltags und über Musik haben wir uns kennengelernt", sagt Musiker Gjero Krsteski. Das war zwei Jahre zuvor. Auf der Internetplattform Myspace entdecken die beiden einander und ihre Vorliebe für die selbe Musik. "Gechattet, geschrieben, getroffen", bringt Gjero ihre Annäherungsphase auf den Punkt. Nur wenige Wochen dauert es, bis er vor ihrer Tür steht. "Wie ein Cowboy", erinnert sich Jasmin.

"Die Ranch kam zu uns"

Dass auch das Motto der Hochzeit schließlich "Wilder Westen" wurde, sei aber eher der Lokalität als der Musik geschuldet, sagt Jasmin Krsteski - "anders gesagt: die Ranch kam zu uns, nicht wir zu ihr." Zufällig haben die beiden - die mehr hören als nur Countrymusik - die Krefelder Ranch entdeckt. "Ein Geheimtipp meiner Mutter, die in ihrem Hundeclub von ihr erfahren hat", sagt Jasmin Krsteski. Und so ist es auch den Beziehungen zu verdanken, dass das Paar die sonst ausschließlich als Vereinsheim genutzte Western-Kulisse, für ihre Hochzeitsfeier mieten konnten. Ein anderes Motto der beiden hätten die 50er Jahre sein können. "Wir lieben diese Zeit. Die Musik, die Filme", sagt Jasmin. Ein flüchtiger Blick entlang der Wohnzimmerwand genügt als Beweis: Hier ein Casablanca-Filmplakat, ein Cadillac-Gemälde, dort ein Schellack-Plattenspieler. 50er-Jahre- oder Wilder-Westen-Motto, egal - "fest stand von Anfang an, dass eine klassische Hochzeitsfeier für uns nicht in Frage kommt", sagt Jasmin. "Wenn schon, dann sollte es krachen." Ohne Raum für Zwänge, Steifheiten, Konventionen. Mit Platz für Freiheit, Ausgelassenheit und Tanz.

Ob alle Gäste diesen Raum letztlich gerne genutzt haben? "Hätten es sich unsere Eltern aussuchen dürfen, hätten sie sich eine klassische Feier gewünscht", sagt Gjero Krsteski und verrät die erste Reaktion seiner Mutter: "Jahrelang bist du mit zerrissenen Jeans herumgelaufen, mit Tattoos und legeren T-Shirts, und jetzt willst du im Cowboy-Hut vor den Altar treten?"

Doch schnell hat sie das Ansinnen von Sohn und Schwiegertochter akzeptiert, alle Bedenken über Bord geworfen und die Ärmel hochgekrempelt für die Vorbereitungen. "Nicht nur meine Schwiegereltern, alle haben ihren Beitrag geleistet, so dass wir auf keine fremde Hilfe angewiesen waren", sagt Jasmin Krsteski. Und ihre Augen verraten, dass sie die Uhr jederzeit zurückdrehen würde. Zurück in jene Zeit, in der der Bruder das Barbecue-Menü vorbereitet, die Schwester die Hochzeitstorte in Kuhfelloptik geplant und die Einladung entworfen, die Mutter die Tischdeko ausgesucht und das künftige Ehepaar Live-Bands und Playlisten ausgetüftelt hat. (jam/kro)