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Rundschau-Wandertag: Auf Bölls Spuren über die Höhen von Much

Im Winter sind die befestigten Sträßchen bei Much für Wanderer bisweilen angenehmer zu gehen als matschige Pfade.

Im Winter sind die befestigten Sträßchen bei Much für Wanderer bisweilen angenehmer zu gehen als matschige Pfade.

Wer den Spuren des Literaturnobelpreisträgers Heinrich Böll folgen möchte, der sollte nicht allein durch Bölls Heimatstadt Köln wandern. In Much im Bergischen Land hat der Schriftsteller eine Zeit verbracht, die ihn zeitlebens auch in seinem literarischen Werk stark beschäftigt hat. „Was ich euch schildern will, ist eine kleine Odyssee“, schrieb Böll später im „Brief an meine Söhne oder vier Fahrräder“.

Diese Tour begleitet uns auf einem der „Streifzüge“ des Bergischen Wanderlandes zu einer Reihe von Orten, die für Heinrich Böll und seine Frau Annemarie zwischen 1944 und 1946 überlebenswichtig waren.

Weit schweift der Blick vom Startpunkt über die Höhen. Am Horizont ist Marienfeld zu sehen. Der Ort bedeutete für Heinrich und Annemarie Böll im November 1944 neue Hoffnung. Keine zwei Monate nachdem die beiden am 6. März 1942 geheiratet hatten, war ihre Wohnung in Köln zerstört worden. Nach einer ersten Zuflucht in Ahrweiler schlug sich Heinrich Böll während eines Fronturlaubs Anfang November 1944 mit seiner Frau nach Marienfeld durch. Der ehemalige Pfarrsaal, in dem auch Heinrich Bölls Bruder Alois mit seiner Familie ein Notquartier erhalten hatte, ist heute ein Geschäft. Der rote Holzbau an der Dorfstraße fällt gleich auf.

Heinrich und Alois Böll waren oft in Lebensgefahr, wenn sie in Marienfeld waren. Denn als Soldaten durften sie nur „auf Urlaub“ bei ihren Familien sein. Zeitweise waren sie aber auch mit gefälschten Papieren in Marienfeld. Wäre das aufgeflogen, hätten sie als Deserteure erschossen werden können.

Oberhalb von Bruchhausen empfängt uns eine Bank neben einem Wegekreuz. Unten im Ort war 1945 eine Wehrmachtsdienststelle. Dort meldete sich Heinrich Böll am 26. März 1945 zur Truppe zurück, um nicht doch noch mit seinen gefälschten Papieren aufzufliegen.Durch Bröl geht es nach Neßhoven, wo Annemarie Böll danach bei einem Bauern eine Unterkunft fand. Im Mucher St.-Josef-Haus brachte sie am 20. Juli Sohn Christoph zur Welt. Weil er an Brechdurchfall litt, musste der Säugling bald ins Siegburger Krankenhaus.

Heinrich Böll war am 9. April im Oberbergischen von amerikanischen Truppen gefangen genommen worden. Als er am 15. September in Bonn entlassen wurde, fuhr er sofort nach Siegburg und besuchte dort den kranken Säugling.

Wir steigen die Straße hinauf, passieren das Bauernhaus, in dem das Ehepaar auf die Heimkehr des Sohnes hoffte. Es kam anders. Auf der Höhe erreichen wir den Friedhof von Marienfeld. Rechts vom Hauptweg finden wir am Ende eines Wegs das Grab von Christoph Böll. Am 14. Oktober war er in Siegburg gestorben. Am 25. Februar 1946 zogen Annemarie und Heinrich Böll zurück nach Köln.

Auf unserem Rückweg passieren wir Berzbach, wo ein Landwirt die Bölls damals mit dem Nötigsten versorgte. Ein Technik- und Bauernmuseum gibt Einblicke in das Leben der Menschen vor über hundert Jahren. Vorbei an einer Kapelle, die der heiligen Germana, der Patronin der Hirten, geweiht ist, führt uns der Böllweg zurück zum Ausgangspunkt – die Einblicke in das Leben des Schriftstellers werden uns sicher noch länger begleiten.

DAS BUCH

Die Tour verläuft auf einem von 24 Themenwegen (Streifzügen) im „Bergischen Wanderland“. Zahlreiche Infos, Karten und Hintergründe stellt das Wanderbuch „Die Bergischen Streifzüge. Auf 24 Themenwegen durch das Bergische Land“ vor. Das Buch von „Wandertag“-Autor Guido Wagner ist erschienen im Bachem-Verlag und für 14,95 Euro auch unter www.rundschau-online.de/shop erhältlich.