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Kölnische Rundschau | Stoffwechsel: Dreimal schlafen pro Tag ist optimal
11. January 2016
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Stoffwechsel: Dreimal schlafen pro Tag ist optimal

Für Körper, Geist und Seele ist Schlaf unentbehrlich.

Für Körper, Geist und Seele ist Schlaf unentbehrlich.

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dpa

Laut Erhebung des Robert-Koch-Instituts leiden 36 Prozent der Deutschen unter Schlafstörungen oder fühlen sich morgens nicht gut erholt. Hinzu kommt, dass 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen zu viel Gewicht auf die Waage bringen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung dokumentiert einen erschreckenden Trend: Die Dicken werden immer dicker. Die Ursache ist meist schnell gefunden, denn entweder sind es "irgendwie die Gene" oder "mit meinem Stoffwechsel und Grundumsatz stimmt was nicht". Korrekt: Mit dem Stoffwechsel und Grundumsatz stimmt in der Tat was nicht. Wenn beide nicht gefordert und gefördert werden, legt sich der Körper in seiner Not Rettungsringe zu. Wer diesen Rettungsringen mit Diäten den Kampf ansagt, der scheitert in 90 Prozent der Fälle grandios, was große Studien beeindruckend belegen. "Menschen essen langfristig das, was ihnen am besten schmeckt", so Professor Andreas Pfeiffer, Leiter der Abteilung für Endokrinologie, Diabetes und Ernährung der Charité in Berlin, denn geschmacklich attraktiv seien für viele Menschen insbesondere fett- und zuckerhaltige Nahrungsmittel. Weil dem so ist, plädieren der Gesundheitsexperte Professor Ingo Froböse und der Schlafmediziner Michael Feld, dass man das Dreigestirn "Grundumsatz, Stoffwechsel, Schlaf" tunlichst in den Griff bekommen sollte, damit Körper und Organismus in Balance bleiben - und ganz nebenbei die Figur davon profitiert.

Stoffwechsel als Reparatursystem

Grundumsatz und Stoffwechsel reagieren nicht sonderlich effektiv auf Pillen und Pülverchen, sondern nur auf Eigeninitiative des Menschen. Daher führt kein Weg vorbei an: Bewegung - aber bitte richtig; qualitativ gutes Essen in ausreichender Menge - ohne dass Kopf und Körper darben müssen; erholsamer Schlaf, weil man sonst langsam, aber stetig rund zwei Kilo pro Jahr zunimmt. Wer das nicht beachtet, bei dem wird nicht nur das Körpergewicht zum Problem, sondern auch der Reparatur-Stoffwechsel in der Nacht. Denn, so Froböse und Feld: "Schlaftabletten, wenn sie jahrelang ohne ärztliche Kontrolle und ohne triftigen Grund eingenommen werden, können das System der Reparatur im Stoffwechsel-Zyklus verändern, da sie in manchen Fällen die wichtigen Tief- und Traumschlafphasen vermindern."

Nicht besser ergeht es Menschen, die Abführmitteln nehmen. Die Hoffnung mag mitschwingen, dass man dem Organismus mit Abführpillen ein Schnippchen schlagen kann, wenn er nicht alle Leckereien, die man sich zugeführt hat, in der ganzen Bandbreite auswerten kann, da die Nahrung im Eiltempo durchs Gedärm rauscht. "Ein Trugschluss mit bedenklichen Folgen, werden den Zellen doch dadurch wertvolle Nährstoffe versagt und sie sind langfristig unterernährt", so Froböse. Denn, so erklärt er weiter, "die Kalorienmenge sagt gar nichts darüber aus, wie viel davon wirklich für die Körperzellen nutzbar ist." Die Zusammensetzung der Darmflora hat das Sagen. "Bis zu 100 Billionen Bakterien aus bis zu 400 verschiedenen Stämmen und Kulturen leben im Darm friedlich nebeneinander und tun ihre Arbeit. Wer aber zum Beispiel viel Zucker konsumiert, dessen zuckerliebende Zellen werden dominant und verdrängen die anderen." Was nichts anderes heißt als: Einseitige Ernährung verändert die Darmkultur und verhindert, dass die Zellen ausgewogen versorgt werden.

Die Aussichten, mit solch unterernährten Zellen leben zu müssen, sind nicht sonderlich rosig: "Das bedeutet vorzeitige Alterung." Begleitet von so gefährlichen "Nebenwirkungen" wie beispielsweise Osteoporose, eine Erkrankung, die die Knochen brüchig werden lässt. Der Gesundheitsexperte: "Osteoporose ist nicht nur hormonell bedingt, sondern wird auch beeinflusst durch den Lebensstil und Nährstoffmangel für den Stoffwechsel in den Knochen. Der klappt nicht, wenn wir ein inaktives und ungesundes Leben führen." Zum einen brauchen Knochen laut Froböse "die vertikale Stoßbelastung", was volkstümlich ausgedrückt nichts anderes bedeutet als springen und hüpfen. Zum anderen mögen Knochen die Übersäuerung des Körpers nicht, die man sich einhandelt, wenn man zu viel des Guten genießt von: Limonaden, süßen Säften, Fastfood, Fleisch und einigen wenigen Milchprodukten. Der PH-Wert verändert sich negativ, was man übrigens beim Urinieren testen kann mit Streifen, die in der Apotheke zu kaufen sind, oder aber man geht zu seinem Hausarzt und lässt es von ihm messen. Froböse: "Wenn wir übersäuert sind, versucht der Körper das zu neutralisieren. Dazu braucht er Calcium, weil es das saure Milieu neutralisiert. Calcium aber zieht sich der Organismus aus den Knochen und schwächt damit deren Festigkeit, was wiederum zu einem massiv veränderten Knochen-Stoffwechsel führt." Ein Teufelskreis.

Diese fein aufeinander abgestimmten unterschiedlichen Stoffwechsel-Rhythmen tagsüber und in der Nacht sind punktgenau aufeinander abgestimmt. Die zähe Natur des Menschen und die große Anpassungsfähigkeit des menschlichen Organismus machen es uns oft leicht, über die Stränge zu schlagen. Körper und Organismus passen sich an - für eine gewisse Zeit. Wer diese Frist überschreitet, muss mit den Konsequenzen leben, weil, so Froböse: "Die 60 Billionen Zellen des Körpers sind stärker als wir und fordern ihr Recht."

Auch in der Nacht. Wer sich bis kurz vor dem Schlafengehen mit Alkohol bei Laune hält, versetzt den Körper samt Stoffwechsel in einen Ausnahmezustand. Michael Feld: "Die Nerven werden erregbarer, die Muskeln können nicht entspannen. Ich kann zwar gut einschlafen, aber nicht durchschlafen, weil ich während des Schlafs einen Mini-Entzug durchleide, der mich, sobald er beendet ist, aufwachen lässt." Nun wäre es ziemlich lebensfremd, das Glas Wein, Sekt oder Kölsch aus dem Alltag zu verbannen, aber man sollte schon ein bis zwei Stunden zwischen dem letzten Schluck und dem Gang ins Bett verstreichen lassen. Schlafmediziner Michael Feld hat jedoch bedingt Verständnis für alle jene, die auf ihre Großmutter verweisen, die sich auf der Bettkante sitzend regelmäßig das Pinnchen Klosterfrau-Melissengeist genehmigte und schnarchend durchschlief. Feld: "Da ist zwar 80 Prozent Alkohol kombiniert mit Kräutern drin, aber es wird ja nur ein Pinnchen getrunken - das ist ritualisiertes Zubettgehen. Die Großmutter würde ja nie eine Kornflasche ansetzen." Wer sich statt des Pinnchens einen heißen Kakao oder ein Stückchen Schokolade mit ans Bett nimmt, der kann sich zumindest einbilden, dass das schlaffördernde Tryptophan, Vorläuferstoff des Schlafhormons Melatonin, ausgeschüttet wird. Feld: "Wenn man ehrlich ist, dann müsste man schon eine Lkw-Ladung Schokolade essen oder einen Container voller Kakao leer trinken, damit das überhaupt wirkt. Es ist nichts anderes als ebenfalls ein Schlafritual, und das ist gut so."

Unter Stoffwechsel- und Schlafproblemen leiden vermehrt Menschen zwischen dem 35. und 60. Lebensjahr. Die beruflichen und familiären Anforderungen rauben den Menschen in dieser Lebensphase den Schlaf und lassen die Achtsamkeit für den eigenen Körper vergessen. Michael Feld: "Die Schlafstörungen in diesen Jahren zeigen heftige Auswirkungen im Alter. Hinzu kommt, dass mit zunehmendem Alter die Schlafqualität sowieso anfälliger wird, weil auch alle anderen Körpersysteme anfälliger sind." Daher sollte man sich, je älter man wird, einen mehrphasigen Schlaf gönnen, "bei dem der Schlafbedarf auf mindestens dreimal schlafen in 24 Stunden verteilt wird". Genau wie die Babys, die nachts und tagsüber Schlaf- und Wachphasen haben, was gelegentlich Eltern um den Verstand bringt. Michael Feld: "Babys müssen den Schlafrhythmus des Menschen erst lernen. Das dauert bis zum dritten Lebensjahr."

Den Rhythmus verinnerlichen

Manche aber scheinen ein Leben lang weder die Prinzipien des guten Schlafs noch die eines ausreichenden Stoffwechsel-Rhythmus verinnerlicht zu haben. Froböse: "Der Schlaf vor Mitternacht ist die optimale Vorbereitungsphase für die Regeneration des Körpers." Wenn dem Organismus guter Schlaf vergönnt wird, dann, so Froböse, "können wir Kopf und Körper tagsüber zwischen 9 und 11 Uhr und 16 bis 19 Uhr Höchstleistungen abverlangen." Dabei sollten, wann immer es möglich ist, beide zum Einsatz kommen. Der Gesundheitsexperte: "Zum Beispiel Vokabeln im Sitzen zu lernen, bringt nicht sonderlich viel. Besser ist es, zu gehen und dabei zu pauken. Dann ist der Stoffwechsel des Körpers aktiv und das Gehirn aufnahmebereiter."

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