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Büttenredner Jörg Runge: „Ich bin nicht der Pausenclown“

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Vor zehn Jahren stand Jörg Runge zum ersten Mal in der Bütt, inzwischen ist er einer der Großen im Kölner Fasteler.   Foto: Meisenberg
Jörg Runge,  „Dä Tuppes vum Land“ hat es  von den Festzelten Oberbergs bis in die großen Karnevalssäle geschafft. Till Homrighausen sprach mit dem Büttenredner.  
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Herr Runge, für Sie ging es als Büttenredner in den vergangenen Jahren eigentlich nur bergauf. Hat das Publikum Sie jemals ausgebuht?

JÖRG RUNGE: Das ist mir glücklicherweise noch nicht passiert. (lacht)

Wie würden Sie reagieren?

RUNGE: Ich darf mich nicht selbst für den Nabel der Welt halten. Ich muss da drüber stehen, wenn ein paar Leute nichts mit mir anfangen können. Wenn aber der größte Teil des Saales sagt, „Hey, geile Nummer“, dann kann ich damit leben.

Das klingt selbstbewusst - hatten Sie immer schon Spaß daran, im Vordergrund zu stehen?

RUNGE: Ich bin an sich ein ganz stiller Typ. Wenn ich irgendwo auf einer Party bin, bin ich nicht derjenige, der als erstes das Wort ergreift, sondern stehe in der Küche und futtere Frikadellen. Ich stelle mich nicht auf die Bühne, weil ich mich da präsentieren will. Das Spannende ist, wenn Sie vor einem Saal stehen, wie Sie die Leute mit Sprache begeistern können. Ich bin nicht der extrovertierte Pausenclown.

„Ich bin Karnevalsjeck durch und durch“

Wie weit soll es auf den Bühnen des Kölner Karnevals für Sie noch gehen?

RUNGE: Da mache ich mir eigentlich überhaupt keine Gedanken drüber. Ich will Spaß haben, das ist die allergrößte Prämisse. Und ich glaube, das ist auch Teil des Erfolgs. Menschen merken es, wenn jemand etwas mit Herzblut tut. Im Gürzenich stehen zu dürfen, in diesem Epizentrum des Kölner Karnevals, das sind Sachen, da komme ich mir so ein bisschen vor wie Alice im Wunderland.

Zur Person

Jörg Runge wurde 1972 in Altenkirchen geboren und wuchs  in Engelskirchen auf. Von Beruf ist er Betriebswirt beim Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit in Bergisch Gladbach. Der Büttenredner hat eine  vierjährige Tochter.

13 Jahre leistete er Vorstandsarbeit für die KG „Närrische Oberberger“, vor  zehn Jahren stand er zum  ersten Mal  in der Bütt. (tho)

Was ist in diesem Jahr das Thema, was auf jeden Fall ins Programm gehört?

RUNGE: Was rein muss, sind immer Themen, die lange kochen, wo Sie merken, da beschäftigt sich die Gesellschaft mit. Ein tolles Thema ist beispielsweise eine Schlagzeile aus Köln: Vor ein paar Wochen gab es diese verrückte Idee, eine Steuer fürs Schlange stehen ins Leben zu rufen, dieses Thema ist bei mir gesetzt, weil es einfach so schräg ist. Man müsste eigentlich im Rathaus eine Beklopptensteuer einführen, dann wäre das Haushaltsloch in zwei Stunden weg

„Michael Wendler ist ein dankbares Opfer“

Welche Person ist denn ein besonders dankbares Opfer?

RUNGE: Michael Wendler, auch weil er groß angekündigt hat, in den Kölner Karneval gehen zu wollen. Angela Merkel geht immer, Lance Armstrong habe ich frisch mit rein genommen. Der ist für unsere Zunft ein gefundenes Fressen. Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht auf einen Zug aufspringe, der schon von allen besetzt ist.

Wenn Sie am Programm schreiben – wie kriegen Sie die besten Einfälle?

RUNGE: Ich mache viel Sport. Wenn ich an der frischen Luft bin – irgendwann habe ich Ideen im Kopf. Das kann auch in der Mittagspause sein, wenn man mal abschalte von der Arbeit. Deshalb habe ich immer mein Handy mit Aufzeichnungsfunktion dabei.

Wo Sie gerade von Ihrer Arbeit reden - können Ihre Kollegen Sie noch ernst nehmen?

RUNGE: Ich glaube schon. Auch, weil ich sehr darauf bedacht bin, das, was ich mache, zu trennen. Schnaps ist Schnaps, Bier ist Bier. Was nicht heißt, dass die Kollegen nicht viel mit mir und auch über mich lachen.

Sie haben den Sprung bis in die Fernseh-Übertragungen geschafft – könnten Sie sich vorstellen, als Comedian im TV aufzutreten, ganz ohne Pappnas?

RUNGE: Nein. Ich bin Karnevalsjeck durch und durch, und ich brauche den Karneval. Meine Oma hat immer gesagt: „Schuster, bleib bei deinen Leisten.“ So wie es jetzt ist, ist es genau richtig. Ich brauche die kölsche Mentalität bei der Sache.

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