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Wachkomapatient: Schritt für Schritt zurück ins Leben

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Daniil Safin lebt seit Anfang Februar in Neuenothe. Mutter Larisa Safina und Laura Dölpers unterstützen den jungen Russen.  Foto: Hillenbach
Es wäre für Larisa Safina ein Traum, könnte ihr Sohn seinen Geburtstag am 21. Juni im Kreis von Familie und Freunden feiern. Was selbstverständlich klingt, ist tatsächlich ein ehrgeiziges Ziel. Von
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Neuenothe

Es wäre für Larisa Safina ein Traum, könnte ihr Sohn seinen Geburtstag am 21. Juni im Kreis von Familie und Freunden feiern. Was selbstverständlich klingt, ist tatsächlich ein ehrgeiziges Ziel, denn Daniil Safin wurde am 15. Oktober 2011 das Opfer eines brutalen Angriffs und ist seitdem ein Pflegefall, der seit wenigen Tagen vom Verein „Patienten im Wachkoma“ in Bergneustadt-Neuenothe betreut wird.

Es geschah in seiner russischen Heimatstadt Beresniki: Weil der heute 25-Jährige am Ende einer Disco-Nacht drei Frauen vor fünf betrunkenen Männern beschützen wollte, prügelten diese ihn mit Schlägen und Tritten bis zur Bewusstlosigkeit. Die Täter hatten Stöcke und attackierten ihr Opfer auch noch, als es am Boden lag. Dabei erlitt der junge Mann schwerste Verletzungen am Schädel, sein Gesicht wurde entstellt. Die Ärzte versetzten ihn in ein künstliches Koma.

Behandlung wurde in Bad Godeshöhe fortgesetzt

In diesem Zustand blieb Safin statt der von den Medizinern vorgesehenen 20 Tage über Monate hängen. Weil die Moskauer Ärzte ihrem Patienten nicht helfen konnten, wurde die Behandlung in Bonn in der neurologischen Reha

klinik Godeshöhe fortgesetzt. Entgegen aller pessimistischen Prognosen erwachte der Russe hier im Dezember aus dem Wachkoma.

Seit 2. Februar lebt Daniil Safin im Heim des Bergneustädter Vereins. Nicht von seiner Seite weichen die Eltern. Ziel ist, dass Safin eines Tages ein so eigenständiges Leben wie nur möglich führen könne, betont Hrachya Shaljyan, Geschäftsführer des Vereins. Dies sei nicht nur für ihn, sondern für die ganze Familie wichtig. In Bonn teilten sich Vater, Mutter und Sohn die komplette Zeit ein Zimmer. In Neuenothe ist das nicht mehr erforderlich.

Die Fortschritte, die Daniil Safin seit seiner Ankunft gemacht hat, seien enorm, stellt Shaljyan fest: „Wir haben Zugang zu ihm durch Menschlichkeit gefunden.“ Nun soll der Russe sogar nicht mehr per Sonde ernährt, sondern mit dem Löffel gefüttert werden.

Das ist ein bemerkenswerter Fortschritt für einen Mann, der vor einem Jahr mehr tot als lebendig im Flugzeug von Moskau nach Deutschland gebracht wurde. Bis auf 27 Kilogramm sei er abgemagert gewesen, berichtet Laura Dölpers. Die Bonner Medizinstudentin unterstützt die Familie seit Monaten und hat den Kontakt zur Dominik-Brunner-Stiftung hergestellt, die Menschen und deren Angehörige unterstützt, die wegen ihres selbstlosen Handelns oder aus anderen Gründen unverschuldet gesundheitlich oder finanziell in Not geraten sind. Niemand könne vorhersagen, ob sich die positive Entwicklung fortsetzt, betont Shaljyan. Für einen Aufenthalt, der über die kommenden drei Monate hinausgeht, fehlt es (noch) an Geld.

Sollte der 26. Geburtstag in Beresniki Realität werden, dürfte die Angst die Familie weiter begleiten, vermutet Dölpers. Zwar seien drei der Täter aufgrund des Engagements von Larisa Safina und medialen Drucks schließlich doch noch zu Haftstrafen zwischen sieben und acht Jahren verurteilt worden, berichtet die Bonnerin, doch es bleibe die Angst vor Rache

akten.

Die drei jungen Frauen, die Safin möglicherweise vor einem schlimmen Schicksal bewahrte, hätten sich bei ihrem Retter bis heute nicht bedankt. Der einst sportliche Mann, der ein BWL-Studium abgeschlossen und mit Jura begonnen hatte und aufgrund seiner Courage zum Opfer wurde, bezahlte nicht nur mit seiner Gesundheit: Seine Freundin, mit der er bereits Hochzeitspläne geschmiedet hatte, ergriff zwei Monate nach der Tat die Flucht. „Eines Tages wird eine andere Frau kommen“, sagt seine Mutter dazu nur.

 

Spendenkonto:

Stadtsparkasse München, Bankleitzahl 70 150 000, Konto 88 88 00, Kennwort „Daniil Safin“.

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