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Kölnische Rundschau | Bundespräsident in Afrika: Gauck besucht Nigeria und Mali
06. February 2016
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Bundespräsident in Afrika: Gauck besucht Nigeria und Mali

Die Gewalt der islamistischen Terroristen von Boko Haram wütet im Norden.

Die Gewalt der islamistischen Terroristen von Boko Haram wütet im Norden.

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dpa

Lagos/Berlin -

Als Bundespräsident Horst Köhler im Herbst 2008 Nigeria besuchte, das bevölkerungsreichste Land seines Lieblingskontinents Afrika, da war er vor allem um positive Botschaften bemüht. Er habe die Erkenntnis gewonnen, dass es in dem Land viel Kraft gäbe, nach vorne zu kommen, sagte Köhler damals.

Gut sieben Jahre später wird auch Bundespräsident Joachim Gauck, der Nigeria von Montag bis Donnerstag besucht, Optimismus verbreiten wollen. Und das trotz der unmenschlichen Gewalt der islamistischen Terroristen von Boko Haram im Norden, trotz zwei Millionen Binnenflüchtlingen im Land und trotz der wachsenden wirtschaftlichen Not durch den Verfall des Ölpreises.

Vor allem will Gauck mit seinem Besuch die freien und fairen Wahlen im Mai 2015 würdigen. Nigerias friedlicher Machtwechsel wurde als Triumph der Demokratie in Afrika gefeiert. Der damalige Präsident Goodluck Jonathan bekannte sich ohne Zögern zu seiner Wahlniederlage und gab das höchste Staatsamt an den früheren Militärdiktator Muhammadu Buhari ab.

Platz 136 von 176 Ländern im Korruptionsindex

Am Anfang schien sich der 73-Jährige, der den Wählern ein Ende von Korruption und Terrorismus versprochen hatte, in seiner neuen Rolle schwer zu tun. Er brauchte volle sechs Monate, um seine Minister zu ernennen. Jetzt bescheinigt man ihm aber, dass er ein Kabinett zusammengestellt hat, das sauber ist.

Nigerias Politik und Wirtschaft gelten seit jeher als von Korruption zerfressen. Nach Angaben von Transparency International lag der 180-Millionen-Einwohner-Staat 2014 im weltweiten Korruptionsindex auf Platz 136 von 176 Ländern. Schon als Militärdiktator von 1983 bis 1985 führte Buhari mit harter Hand eine Kampagne gegen Korruption.

Nun muss er aber auch versuchen, die vom Öl abhängige und schwächelnde Wirtschaft wieder anzukurbeln. Dabei wollen deutsche Unternehmen Unterstützung leisten. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag DIHK betont rechtzeitig zur Gauck-Reise: „Das rohstoff- und bevölkerungsreiche Land bietet deutschen Unternehmen interessante Geschäftsmöglichkeiten.“ 2016 wolle der nigerianische Staat 25 Milliarden US-Dollar in Energie und Transport investieren, schreibt DIHK-Afrikaexpertin Rima Al-Tinawi.

Terrorgruppe Boko Haram

Allerdings: In der größten Volkswirtschaft des Kontinents macht Erdöl mindestens 80 Prozent aller Exporteinnahmen aus. Seit dem Preisverfall für den Rohstoff geht es dem einst für sein hohes Wirtschaftswachstum gefeierten Förderland eher schlecht.

Nigeria hat bereits Haushaltskürzungen um 23 Prozent angekündigt. Gestrichen werden ausgerechnet Pläne für Infrastrukturprojekte - inklusive neuer Straßen, Häfen und Flughäfen sowie Krankenhäuser und Schulen.

Für Negativ-Schlagzeilen sorgt auch immer wieder die islamistische Terrorgruppe Boko Haram. Ein Grund für Buharis Sieg bei den Wahlen im März war auch sein Versprechen, die sunnitischen Fundamentalisten zu stoppen.

Seit 2009 sind ihnen mehr als 14 000 Menschen zum Opfer gefallen. Im April 2014 sorgte Boko Haram mit der Entführung von mehr als 200 überwiegend christlichen Schülerinnen aus dem Ort Chibok weltweit für Entsetzen.

Sieben Stunden in Mali

Der Kampf gegen den islamistischen Terror wird auch Gaucks Gespräche in Nigeria bestimmen - mehr noch aber in Mali, dem zweiten Ziel der Reise. Nur knapp sieben Stunden werden Gauck und seine Begleitung am Freitag in Mali verbringen. Auch aus Sicherheitsgründen ist eine Übernachtung nicht vorgesehen.

Aber für den Bundespräsidenten, der immer wieder Deutschlands Verantwortung in der Welt betont, ist ein Treffen mit deutschen Soldaten und zivilen Helfern Pflicht, die hier Unterstützung im Kampf gegen Terroristen und Separatisten leisten.

Starke Bilder sind vor allem aus dem Feldlager bei Bamako zu erwarten, dem German Camp Koulikoro, oder „Camp Gecko“. Gefährlicher als dort ist allerdings der Einsatz der Bundeswehr im Norden Malis, wo Rebellen vor kurzem ein Lager der UN-Truppen überfallen haben. Aber ein Abstecher Gaucks dorthin ist nicht vorgesehen. (dpa)