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Großwildjäger: Grüne nehmen Trophäen-Jäger ins Visier

Die umstrittene private Elefantenjagd bleibt ohne disziplinarrechtliche Folgen.

Die umstrittene private Elefantenjagd bleibt ohne disziplinarrechtliche Folgen.

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dpa

Berlin -

Elefanten und Löwen, Geparden und Leoparden - in den vergangenen zehn Jahren sind in Deutschland mehr als 1600 beantragte Einfuhren von Jagdtrophäen für Großwildjäger genehmigt worden. Seit 2005 lehnte das Bundesamt für Naturschutz (Bonn) nur fünf Anträge ab, wie aus der Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervorgeht.

„Alle diese Arten sind international geschützt, der Handel mit ihnen ist verboten“, kritisierte die Tier- und Artenschutzorganisation Pro Wildlife am Dienstag in München. Vom Bundesamt würden aber großzügige Ausnahmen erteilt. Von der Behörde war bislang keine Stellungnahme zu erhalten.

Import ist völlig legal

Insgesamt wurden 1225 Jagdtrophäen streng geschützter Tierarten nach Deutschland gebracht, darunter 646 Stoßzähne von afrikanischen Elefanten, 417 Trophäen von Leoparden, 195 Felle oder Schädel von Löwen und 4 Hörner von Spitzmaulnashörnern, wie auch die „Passauer Neue Presse“ berichtete. „Es ist völlig absurd, dass Wilderei als Verbrechen geahndet wird und trotzdem ganz legal jede Menge Jagdtrophäen von streng geschützten Tieren nach Deutschland importiert werden dürfen“, kritisierte Steffi Lemke, die naturschutzpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion.

Jäger verteidigen sich

Der Interessen-Verband der Auslandjäger (Suthfeld bei Hannover) verteidigte die Praxis: „Trophäen dürfen nur als Haushaltsmittel eingeführt werden“, sagte der Verbandsvorsitzende Hans-Joachim Schick. Die Jagd werde zu sehr auf die Trophäen reduziert, es gehe schließlich auch und vor allem um das Fleisch. „Bei einer Großwildjagd in Afrika ist es ein Freudenfest für die Einheimischen, wenn ein erlegter Elefant auf dem Boden liegt.“ Außerdem diene die legale Jagd dem Artenschutz. Tierarten würden gehegt, um nicht auszusterben. Großwildjäger Schick ist kein Fall bekannt, in dem ein Antrag auf Einfuhr einer Trophäe nicht genehmigt wurde.

Nach Angaben der Artenschützer von Pro Wildlife kommen zu den genehmigten Einfuhren erlegter bedrohter Tiere noch zahlreiche weitere Arten hinzu, darunter Eisbären, Braunbären, Wölfe, Geparden und Flusspferde. „Angesichts des dramatischen Rückgangs vieler bedrohter Arten ist es absurd, dass Großwildjäger Hunderte Trophäen mit staatlicher Genehmigung nach Deutschland importieren dürfen“, sagte Daniela Freyer von Pro Wildlife. Anträge würden in aller Regel durchgewunken, wenn das Jagdland ein Ausfuhrdokument erstelle und die EU kein explizites Exportverbot erlassen habe. (dpa)


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