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Hilferuf gilt als Schwäche : Viele US-Soldaten begehen Suizid

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Noch rund 68 000 US-Soldaten sind in Afghanistan stationiert. Foto: dpa
Im Durchschnitt nimmt sich fast jeden Tag ein Angehöriger der amerikanischen Streitkräfte das Leben. Gründe sind unter anderem immer mehr Kampfeinsätze, posttraumatischer Stress, persönliche, familiäre und finanzielle Probleme. Von
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Washington

Höchst dramatisch ist die Bilanz, die das US-Verteidigungsministerium bestätigt hat: Im Durchschnitt nimmt sich fast jeden Tag ein Angehöriger der amerikanischen Streitkräfte das Leben. Für den scheidenden Verteidigungsminister Leon Panetta ist die Bilanz verheerend. Trotz verstärkter Anstrengung und Aufmerksamkeit setze sich der tödliche Trend "in einer bestürzenden und tragischen Weise fort", sagte der Pentagon-Chef bereits im vergangenen Sommer. Das "Time"-Magazin hatte dem bis dahin lange vernachlässigten Thema eine Titelgeschichte gewidmet. Fazit: Die Lebensmüdigkeit von Soldaten stelle für Amerika "den ultimativen asymmetrischen Krieg" dar - "und das Pentagon verliert ihn".

Seit durch die Afghanistan- und Irakkriege immer mehr Fälle von posttraumatischen Stress-Erscheinungen bekanntgeworden sind, hat das Ministerium Soldaten ermutigt, Hilfe zu suchen und Probleme nicht wegzudrücken. Heimkehrer von Kriegsschauplätzen werden gezielt befragt, um seelische Verletzungen so schnell wie möglich zu erkennen. Insgesamt gibt das Pentagon zwei Milliarden Dollar pro Jahr für Selbstmord-Prävention aus. Zu wenig, finden die demokratische Kongress-Abgeordneten Jim McDermott und Leonard Boswell. "Um diese Epidemie zu bekämpfen, muss mehr getan werden."

Experten wie Craig Bryan vom Zentrum für Veteranen-Studien an der Universität von Utah warnen vor Aktionismus. Zwar sei einen Vielzahl von Gründen bekannt: immer mehr Kampfeinsätze, posttraumatischer Stress, Missbrauch verschreibungspflichtiger Medikamente, persönliche, familiäre und finanzielle Probleme, Alkohol - und Drogenmissbrauch. Allerdings dürfe man nicht ausblenden, dass die meisten Selbstmörder vorher weder Signale für eine eventuelle Verzweiflungstat ausgesendet haben noch aktenkundig psychisch vorbelastet waren.

Die Statistiken räumten zudem mit dem Vorurteil auf, dass die Selbstmordopfer überwiegend Soldaten seien, die kriegerischen Auseinandersetzungen unmittelbar miterlebt und nach der Rückkehr nicht verkraftet hätten. Mehr als 50 Prozent der Toten waren nie im Ausland stationiert, nur 15 Prozent der Suizide wurden von Soldaten begangen, die im Irak oder in Afghanistan Feindberührung hatten. Kellie Lafave, die für das Selbstmord-Präventionscenter im ländlichen Bundesstaat Montana arbeitet, wo die Suizid-Quote doppelt so hoch ist wie im Landesdurchschnitt, sieht die Ursachen in einem tief sitzenden Missverständnis.

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Unter Soldaten, sagte sie der Zeitung "Independent Record", sei die Meinung noch immer verbreitet, dass jedes Ersuchen um Hilfe letztlich als Zeichen von Schwäche ausgelegt werde und dem Fortkommen in der Armee schade. Dazu kommen erhebliche Hindernisse an der "Heimatfront". Wer sich ohne College-Ausbildung verpflichtet hat und nach der Dienstzeit einen Job sucht, hat es angesichts des schwierigen US-Arbeitmarktes nicht leicht. Knapp 850 000 Veteranen sind arbeitslos gemeldet, heißt es in Veteranenverbänden. In der Alterklasse der 18- bis 24-Jährigen, die bei den Selbstmorden überrepräsentiert ist, liegt die Beschäftigungslosenquote je nach Bundesstaat bei 40, 45 Prozent.

Was das bedeutet, wenn bis Ende 2014 das Gros der zurzeit noch rund 68 000 in Afghanistan stationierten US-Soldaten die Heimreise antreten darf, sei noch nicht absehbar.

Der Eindruck, dass nur untere Dienstränge betroffen sind, ist gleichwohl falsch. Kurz vor Weihnachten nahm sich Job W Price aus Pennsylvania in Afghanistan das Leben. Der 42-Jährige war Kommandeur der Navy Seals. Jener Elitetruppe, die 2011 Osama Bin Laden zur Strecke brachte.

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