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Ins Kirchenbuch eingetragen: Rheinische Kirche ermöglicht Trauung gleichgeschlechtlicher Paare

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Bad Neuenahr -

Homosexuelle Paare können sich in der Evangelischen Kirche im Rheinland künftig trauen lassen. Die gleichgeschlechtliche Ehe wird auch ins Kirchenbuch eingetragen. Die Synode der zweitgrößten evangelischen Kirche beschloss am Freitag in Bad Neuenahr (Rheinland-Pfalz) mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit eine entsprechende Änderung der Kirchenordnung. 211 Delegierten stimmten für die Änderungen im Kirchengesetz bei zwei Gegenstimmen und elf Enthaltungen.

In der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist die Trauung homosexueller Paare nicht einheitlich geregelt. Die evangelische Kirche in Hessen ermöglicht bereits seit längerem Trauungen von schwulen und lesbischen Paaren mit kirchlicher Beurkundung. Die Evangelische Landeskirche Berlin-Brandenburg will die Trauung für gleichgeschlechtliche Paare im Frühjahr 2016 einführen.

Bisher waren in der rheinischen Kirche nur Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare möglich, was nicht als Amtshandlung galt. Die Trauung kann nun auch rückwirkend eingetragen werden. Voraussetzung der kirchlichen Eheschließung ist, dass mindestens einer der Lebenspartner Mitglied der evangelischen Kirche ist. Wenn ein Pfarrer aus Gewissensgründen gleichgeschlechtliche Lebenspartner nicht trauen möchte, dann soll der Superintendent für einen Ersatzpfarrer sorgen.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung begrüßte den Schritt. „Die Rheinische Kirche hat damit für eine hohe Zahl von gleichgeschlechtlichen Paaren die Harmonie zwischen Glauben, Liebe und Institution Kirche hergestellt“, erklärte NRW-Emanzipationsministerin Barbara Steffens (Grüne). Die Kirche eröffne damit auch den Weg, geistige Heimat und Glaubensfamilie auch für gleichgeschlechtliche Paare zu sein.“

Die Kirchenführung unter der Leitung von Präses Manfred Rekowski steht hinter dem Vorschlag. In einer Rede hatte er sich für eine Änderung ausgesprochen, um den „veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen“ bei der Eheschließung Rechnung zu tragen.

Kein einheitliches Bild hatte sich bei der Debatte am Donnerstag abgezeichnet - dort hatte das Thema eine rege Diskussion entfacht. Die Gemeinden hätten bei der Öffnung zu gleichgeschlechtlichen Paaren in den vergangenen Jahren „wenig schlechte und viel gute Erfahrung mit dieser Offenheit gemacht“, sagte Oberkirchenrätin Barbara Rudolph. Seit 16 Jahren wird in der rheinischen Kirche eine „gottesdienstliche Begleitung“ homosexueller Paare ermöglicht. „Es gibt eine Sehnsucht in anderen Kirchen, dass das was wir hier tun, woanders Wirklichkeit wird“, sagte Rudolph.

Andere sahen die Änderung kritisch. Superintendent Thomas Brödenfeld vom Kirchenkreis Wesel sagte: „Mir fehlt das Gespräch in den Gemeinden. Für mich ist das mehr als eine Korrektur von Worten.“

Die Synode ist das oberste Leitungsgremium der zweitgrößten evangelischen Landeskirche. (dpa)