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Kommentar zu Peer Steinbrück: Si tacuisses...

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Deutsche Regierungschefs sind nach Ansicht von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück unterbezahlt. Foto: dpa
Alle, die Peer Steinbrück im Moment so heftig kritisieren, haben Recht. Der Kanzlerkandidat der SPD tut bisher (fast) alles, um seine Wahlchancen zu minimieren. Ein Kommentar zur Debatte um Steinbrück und das liebe Geld von Ulrich Lüke.
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Au backe - das tut weh! Die der Merkel-Freundlichkeiten unverdächtige Tageszeitung "taz" titelt einfach: "Blödmann". Und die "Süddeutsche" legt nach: "Der hat sie doch nicht alle." "Der" ist Peer Steinbrück und die, die ihn so heftig kritisieren, haben Recht. Der Kanzlerkandidat der SPD tut bisher (fast) alles, um seine Wahlchancen zu minimieren.

Dass er es mit Absicht tut, steht nicht zu vermuten. Dann hätte er es ja gleich lassen können und weiter seinem Rentner-Vortrags-Vorteil frönen können. Wenn es aber keine Absicht ist, können es nur Eigenschaften sein, die allesamt Zweifel an seiner Fähigkeit fürs höchste deutsche Regierungsamt nähren: Unachtsamkeit? Ahnungslosigkeit? Beratungsresistenz? Zeitungsinterviews in Deutschlandwerden hin und her gewendet, ehe sie veröffentlicht werden. Der Kandidat hat also alle Gelegenheiten zur Korrektur. Er hat sie ungenutzt verstreichen lassen. Hätte er doch geschwiegen! "Si tacuisses..!" Warum hat er nicht? Weil, er glaubt, Recht zu haben? Das Paradoxe ist: Er hat ja Recht. Natürlich verdient eine Kanzlerin in Deutschland im Vergleich zu - nicht nur nordrhein-westfälischen - Sparkassendirektoren zu wenig, viel zu wenig. Wobei eher ein Schuh daraus wird, wenn man die Sache rumdreht: Vermutlich verdienen Sparkassendirektoren in Deutschland viel zu viel.

Aber auf diese Realität kommt es im heraufziehenden Bundestagswahlkampf gar nicht an. Da geht es um die Steinbrücksche Realität. Und die ist, seit er Kandidat ist, geprägt von Geld. Von viel Geld. Von Vortragsgeld. Klar, meint Steinbrück, verdient ein Kanzler zu wenig, wenn er selbst mit einem Vortrag, sagen wir in Bochum, soviel verdient wie Merkel im ganzen Monat. Aber ein Kanzlerkandidat, noch dazu einer aus der SPD, darf nicht den Eindruck erwecken, er strebe den Job aus finanziellen Gründen an, und eben auch nicht, er würde quasi Gehaltsverhandlungen führen wollen, ehe er bereit wäre, den Job anzutreten. Peer Steinbrück hat ein gesundes Selbstbewusstsein, das ihn gerne die Qualen seiner Partei übersehen lässt. Seine Kandidatur ist für viele Sozialdemokraten ohnehin eine Herausforderung, dabei sollte es doch eigentlich eine für die Amtsinhaberin sein. So wie Steinbrück seine Kandidatur angeht, ruiniert er sie. Man ist versucht, an Norbert Röttgen zu denken, der auch nicht verstand, dass ihn die Anfangsfrage (Kommst Du ganz oder nicht?) nicht mehr loslassen, dass sie die entscheidende der ganzen Auseinandersetzung bleiben würde.

Dabei stünden die Chancen eigentlich nicht schlecht. Das Merkel-Freundlichkeiten durchaus zugetane Institut für Demoskopie in Allensbach hat gerade darauf hingewiesen, wie offen die Auseinandersetzung tatsächlich ist. Auch wenn Steinbrück alles tut, damit es keiner merkt.

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