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Kölnische Rundschau | Mann attackiert Pariser Polizeirevier: Bekennerbrief trug das IS-Symbol
07. January 2016
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Mann attackiert Pariser Polizeirevier: Bekennerbrief trug das IS-Symbol

Französische Polizisten in der Nähe des Tatorts.

Französische Polizisten in der Nähe des Tatorts.

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dpa

Paris -

Es sollte ein Tag des Gedenkens, der Trauer, der Erinnerung werden. Doch noch während Frankreichs Präsident François Hollande die am 7. Januar 2015 von Islamisten getöteten Beamten Franck Brinsolaro, Ahmed Merabet und Clarissa Jean-Philippe würdigte, schreckte Paris erneut auf. Fast auf die Minute genau zwölf Monate nach dem Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" versuchte gestern ein mit einem Schlachterbeil bewaffneter Mann in ein Polizeirevier im Norden der Hauptstadt einzudringen. Laut Sprecher des französischen Innenministeriums, Pierre-Henry Brandet rief er dabei "Allahu Akbar", "Gott ist groß". Die Polizei schoss den Angreifer, angeblich handelt es sich um einen 20-jährigen Mann, der im marokkanischen Casablanca geboren wurde, nieder.

Die Staatsanwaltschaft in Paris gab später bekannt, dass er ein Bekennerschreiben auf Arabisch, auf dem die Fahne der Dschihadistenmiliz IS abgebildet war, sowie ein Mobiltelefon bei sich trug. Sie leitete Ermittlungen wegen Terrorverdachts gegen den Mann ein, der laut Medien aufgrund eines Diebstahls im Jahr 2013 polizeibekannt sein soll.

Zunächst war berichtet worden, der Angreifer habe einen Sprengstoffgürtel getragen, dieser stellte sich später jedoch als Attrappe heraus. Französischen Medien zufolge habe es sich um eine mit Klebeband umhüllte Tasche gehandelt, aus der Kabel herauslugten. Ein Roboter, der den leblosen Körper auf dem Bürgersteig inspizierte, gab jedoch Entwarnung. Das Kommissariat befindet sich im 18. Bezirk in einem Multi-Kulti-Viertel zwischen dem Bahnhof "Gare du Nord" und der bei Touristen so beliebten Kirche Sacré-Coeur auf dem Montmartre.

Der Vorfall ereignete sich ein Jahr, nachdem Paris zum ersten Mal zum Ziel der IS-Extremisten wurde. Es waren diese blutigen Anschläge, die ein Jahr voller Leid und Terror einläuteten. Am 7. Januar 2015 waren die islamistischen Brüder Saïd und Chérif Kouachi schwer bewaffnet in die Redaktionsräume von "Charlie Hebdo" eingedrungen. Neben Chefredakteur Stéphane Charbonnier hatten sie elf weitere Personen, darunter mehrere Mitarbeiter und Polizisten, erschossen.

Seit einem Jahr herrscht in Paris die höchste Terrorwarnstufe, ein neues Anti-Terror-Gesetz wurde beschlossen und das ohnehin erhöhte Polizeiaufgebot zum gestrigen Jahrestag noch einmal aufgestockt. Die ganze Woche werden Veranstaltungen im Gedenken an die Opfer abgehalten, Nervosität legte sich bereits vor Tagen über die ohnehin nervöse Stadt. Gestern standen an fast jeder Ecke bewaffnete Beamte in Alarmbereitschaft. Umso erschrockener reagierten die Menschen, als sie von dem erschossenen Angreifer hörten. "Nicht schon wieder", stand in den Gesichtsausdrücken vieler Menschen geschrieben. (dpa)