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Türkei: Bundestag beschließt „Patriot“-Einsatz

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Beschlossene Sache: Abgeordnete werfen am Freitag im Bundestag in Berlin ihre Stimmkarten bei der Namentlichen Abstimmung zum Bundeswehreinsatz in der Türkei ein. Foto: dpa
Neuer Auslandseinsatz der Bundeswehr: Mit deutschen „Patriot“-Raketen soll der Nato-Partner Türkei vor Angriffen aus Syrien geschützt werden. Mit Ausnahme der Linkspartei sind im Bundestag alle Fraktionen dafür.
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Berlin

Deutschland schickt bis zu 400 Soldaten in die Türkei, um den Nato-Partner vor Angriffen aus dem Bürgerkriegsland Syrien zu schützen. Der Bundestag beschloss am Freitag mit großer Mehrheit die Entsendung von zwei „Patriot“-Raketenabwehrstaffeln der Bundeswehr in den Süden des Landes. Nur die Linksfraktion stimmte geschlossen dagegen.
Die deutschen Raketen sollen in der Nähe der Großstadt Kahramanmaras stationiert werden, etwa 100 Kilometer von der Grenze zu Syrien entfernt. Bei der Nato-Mission sind auch die USA und die Niederlande dabei.
Die neue Auslandseinsatz wurde im Parlament auch von SPD und Grünen getragen. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) bedankte sich anschließend für die „breite Unterstützung“. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) betonte nochmals, dass es sich um eine „rein defensive Maßnahme“ handele. „Für uns ist selbstverständlich, dass wir unserem Partner und Verbündeten Türkei im Nato-Rahmen helfen, sich gegen eine äußere Bedrohung zu schützen.“

„Patriot“

Das amerikanische Waffensystem „Patriot“ dient der Abwehr von Flugzeug- und Raketenangriffen. Von mobilen Abschussrampen starten beim Typ Pac-3 Flugkörper, die maximal fünffache Schallgeschwindigkeit erreichen. Von einem System mehrerer Radargeräte gesteuert, können sie Ziele in einer Entfernung von bis zu 45 Kilometern treffen. Die Bundeswehr verfügt seit 1989 über „Patriot“-Raketen.

Der Einsatz soll Anfang nächsten Jahres beginnen. Die USA und die Niederlande wollen dann ebenfalls je zwei Staffeln im Süden der Türkei stationieren. Mit der Wahl des deutschen Standorts wird sichergestellt, dass die deutschen Raketen nicht bis nach Syrien hineinreichen. Ihre Reichweite liegt bei 68 Kilometern. Auf diese Distanz zur Grenze hatten SPD und Grüne großen Wert gelegt. In dem beschlossenen Mandat ist auch geregelt, dass der Einsatz nicht zum Aufbau einer Flugverbotszone dienen darf.

Vor allem zur Abschreckung gedacht

Die „Patriots“ sollen demnach vor allem der Abschreckung dienen. Bislang gab es aus Syrien noch keinen einzigen Raketen-Angriff auf das Nachbarland. Bei Granaten-Angriffen wurden allerdings mehrere Menschen getötet. Ausdrücklich verweist die Bundesregierung im Mandat aber auch darauf, dass Syriens Machthaber Baschar al-Assad über Chemiewaffen verfügt. Falls das Assad-Regime in seine „Endphase“ komme, könne deren Einsatz auch gegen die Türkei nicht ausgeschlossen werden. Experten halten dies für wenig wahrscheinlich.

Das Mandat umfasst auch den Einsatz von deutschen Soldaten, die bei der Überwachung des türkischen Luftraums mit Awacs-Aufklärungsflugzeugen helfen. Begrenzt ist es zunächst bis Februar 2014. Spekuliert wird darüber, dass die „Patriots“ länger in der Türkei bleiben, um in einem möglichen Konflikt mit dem Iran eingesetzt werden zu können. Die Kosten des Einsatzes beziffert die Bundesregierung auf etwa 25 Millionen Euro. Mit der neuen Mission hat die Bundeswehr künftig annähernd 7000 Soldaten im Ausland.

Mit Ausnahme der Linkspartei wurde der Einsatz von allen Fraktionen als Ausdruck der Bündnissolidarität mit der Türkei gerechtfertigt. Linksfraktionschef Gregor Gysi hielt ihnen vor, Deutschland zur „Kriegspartei“ im Syrien-Konflikt zu machen. An die Adresse der schwarz-gelben Koalition sagte er: „Sie marschieren mit der Bundeswehr in den Nahen Osten ein.“ Bei den anderen Parteien stieß dies auf wütenden Protest.

Die beiden deutschen „Patriot“-Staffeln kommen aus Sanitz und Bad Sülze in Mecklenburg-Vorpommern. Der Marschbefehl ergeht noch vor Weihnachten. Mit der Entsendung soll allerdings gewartet werden, so dass die Soldaten die Feiertage noch zu Hause verbringen können. (dpa)

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