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14. Niederlage in Serie: Verunsicherte Telekom Baskets scheitern wieder an sich selbst

Bonns Eugene Lawrence (Mitte) wird hier von Derek Needham (l.) und Amin Stevens (r.) am Wurf gehindert. Vor allem im ersten Viertel kamen die Baskets im Angriff überhaupt nicht zum Zuge.

Bonns Eugene Lawrence (Mitte) wird hier von Derek Needham (l.) und Amin Stevens (r.) am Wurf gehindert. Vor allem im ersten Viertel kamen die Baskets im Angriff überhaupt nicht zum Zuge.

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(Foto: Sascha Engst)

Bonn -

Es wird immer bitterer: Gestern Abend handelten sich die Telekom Baskets mit dem 74:80 (7:22, 28:11, 20:27, 19:20) gegen die Löwen Braunschweig ihre nun schon 14. Niederlage in Folge ein – bei der sie sich vor 4930 Zuschauern im Telekom Dome letztlich wieder einmal selbst schlugen. Im ersten und dritten Viertel leisteten sie sich zu lange Schwächephasen, nach denen sie sich mühsam wieder heranarbeiteten, um dann in den Schlussminuten doch wieder den Kürzeren zu ziehen.

Als Problempunkt zeichnet sich immer mehr ab, dass sich die Spieler in ihrer aktuellen nervlichen Verfassung selbst im Wege stehen. Ein Punkt, an dem die Baskets intern offenbar schon seit einiger Zeit zu arbeiten versuchen: Chefcoach Mathias Fischer gab in der Pressekonferenz bekannt, dass der frühere Co-Trainer Karsten Schul, der hauptberuflich an der Sporthochschule Köln arbeitet, schon länger in die Arbeit eingebunden ist: „Er führt viele Einzelgespräche, um das Selbstvertrauen der Spieler zu stärken.“

Die sportlichen Knackpunkte der gestrigen Schlappe brachte Fischer auf einen kurzen Nenner: „Wir leisten uns zu viele Ballverluste, die zu direkten Gegenpunkten führen, legen im ersten und dritten Viertel einen schlechten Start hin und lassen am Ende einen ganz entscheidenden Offensivrebound zu.“ Mit Letzterem sprach er an, dass Gästecenter Kenneth Frease sich 45 Sekunden vor Schluss beim Stand von 74:75 einen Abpraller schnappte und daraus mit Bonuswurf die entscheidenden drei Punkte zum 74:78 machte.

Jetzt droht noch der Ausfall von Klimavicius

Der mit Spannung erwartete erste Auftritt von Neuzugang Langston Hall verlief unspektakulär: Er bekam 15 Minuten Spielzeit, in denen er fünf Assists gab, aber ohne Punkt blieb: „Wir dürfen keine Wunder von ihm erwarten“, sagte Fischer.

Schon im ersten Durchgang merkte man den Baskets bei fast jedem Spielzug an, wie sehr ihre Verunsicherung, ja inzwischen Angst ihr Potenzial überlagert. Es war wie in den Spielen zuvor: Im Angriff ohne Mut und Überraschungsmoment, hinten gegen die Fastbreaks von Braunschweig offen wie ein Scheunentor, wuchs der Rückstand schnell in zweistellige Höhe (4:14, 5.) und betrug nach zehn Minuten schon 15 Punkte (7:22). Gerade mal drei Schüsse bei 13 Würfen hatten sie da getroffen und längst erklangen Sprechchöre vom Fan-Stehblock „Wir woll’n euch kämpfen seh’n!“

Fischer, der an der Linie der Verzweiflung nahe schien, fand aber in der Viertelpause offenbar den Schalter, den es umzulegen galt. Wie verwandelt attackierten seine Jungs die Gegenspieler plötzlich mit viel mehr Biss, zwangen auch sie zu Fehlwürfen und Ballverlusten – und bekamen dadurch Chancen in der Offensive.

Mit einem 13:2-Lauf verkürzten die Bonner auf 20:24 und sie ließen sich auch nicht beirren, als Bundesliga-Topscorer Keaton Grant die Gäste mit acht Punkten in Serie wieder 32:23 in Front schoss. Die Baskets gaben weiter Vollgas, trafen fünf Dreier im zweiten Durchgang und gingen mit ihrer ersten Führung (35:33) erhobenen Hauptes in die Kabine.

Umso unverständlicher der krasse Rückfall nach dem Seitenwechsel: Nach einer 38:33-Führung waren die Bonner fünf Minuten lang wieder von allen guten Geistern verlassen, kassierten einen 3:21-Lauf zum 41:54 (27.), nach dem alles verloren schien – und deutliche Pfiffe von den Rängen zu hören waren. Es war Aaron White, der dem Team wieder Leben einhauchte: Mit drei Dreiern in anderthalb Minuten sorgte er für neue Hoffnung (55:60 ).

Im Schlussviertel kämpften sich die Baskets wieder in Schlagdistanz (59:62), konnten aber nicht verhindern, dass die Topscorer der Gäste, Keaton Grant (24 Punkte) und Derek Needham (20) mit Dreiern für Entlastung (61:68, 34.) sorgten.

Unterschiedliche mentale Verfassung

Die 14. Schlappe vor Augen, mobilisierten die Baskets noch mal alle Kräfte, legten einen 11:0-Lauf aufs Parkett – beim 72:68 (37.) durch Andrej Mangolds Dreier glich die Halle einem Tollhaus. Aber Braunschweig konterte – und es folgte der entscheidende Offensivrebound von Frease . . .

„Es war klar zu sehen, dass hier ein Team mit viel Selbstvertrauen gegen ein Team mit wenig Selbstvertrauen gespielt hat“, benannte auch Gästecoach Raoul Korner die mentale Verfassung als entscheidenden Unterschied.

Zu allem Überfluss droht den Baskets der nächste Verletzungsausfall: Topscorer Tadas Klimavicius (19) schied in der Endphase aus, als es im Getümmel einen harten Kontakt Knie gegen Knie gab: „Das Knie ist angeschwollen, Näheres muss morgen eine MRT-Untersuchung ergeben“, hieß es nach dem Spiel. So ist sehr fraglich, ob der Litauer am Mittwoch in Tübingen dabei ist.

Baskets: (Pkte/3er) Mädrich (6/2), McKinney (2), Mangold (3/1), Lawrence (11/1), Klimavicius (19), Koch, White (15/4), Clarke (18/4), Hall;

Rebounds: 36 (White 9);

Assists: 21 (Hall 5, Mangold 5);

Trefferquote Feld: 45 % (26/58);

Dreierquote: 46% (12/26);

Freiwurfquote: 77 % (10/13).

Braunschweig: Gertz (4), Nash (10), Bogdanov, Theis, Needham (20/3), Stevens (7), Grant (24/3), Simon (7/1), Frease (8);

Rebounds: 35 (Nash 9);

Assists: 11;

Trefferquote Feld: 48 % (30/63);

Dreierquote: 39 % (7/18);

Freiwurfquote: 54 % (13/24).