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Arbeit mit dem Nachwuchs ist gefährdet: Jugendzentrum „Am Propsthof“ soll eine halbe Fachkraftstelle verlieren

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dpa

Bonn -

Kontinuierlich entwickelte sich das das Jugendzentrum „Am Propsthof“ zum Anlaufpunkt für den Nachwuchs, so dass 1999 ein zweiten Stockwerk aufgesetzt wurde. Nun gefährdet der neue städtische Freizeitstättenbedarfsplan die Arbeit des JAP. Sollte er wie geplant am 25. Februar vom Rat verabschiedet werden, entfällt ab 1. Januar 2017 eine halbe von derzeit zwei Stellen: „In diesem Fall müssten wir die Öffnungszeiten deutlich reduzieren und die Angebote runterfahren. Zudem hätten wir große Probleme mit möglichen Vertretungen“, sagt Uwe Grieser, Pfarrer der evangelischen Trinitatisgemeinde Bonn, die freier Träger des JAP ist und 70 000 Euro jährlich aus eigener Tasche in die Jugendhilfe investiert. Grieser moniert, dass es im Vorfeld keine Gespräche mit dem Jugendamt gegeben habe, sondern das Presbyterium vor vollendete Tatsachen gestellt worden sei.

Status Quo soll gehalten werden

Laut Stadtverwaltung sei den Trägern aber am 26. November eine E-Mail mit den entsprechenden Infos zugeschickt worden. „Gespräche mit den Trägern können erst nach Freigabe des Planes durch den Oberbürgermeister geführt werden. Am 3. Dezember gab es ein Treffen mit Vertretern der Gemeinde im Jugendamt“, heißt es aus der Pressestelle. Seit mehr als einem Monat überlegen die JAP-Vertreter, wie sie die Politik vom Gegenteil überzeugen können.

Mit dem Status Quo, den sie sich mühsam erarbeitet haben, sind sie zufrieden. Er soll zumindest gehalten werden. Im JAP, das 30 Stunden pro Woche geöffnet hat, können Mädchen und Jungen ihre kreative Ader entdecken, Tischtennis spielen, die Hausaufgabenhilfe in Anspruch nehmen oder kostenfrei essen. Prunkstück der Einrichtung ist der Computerraum mit zwölf Plätzen. Hinzu kommen das wöchentliche Schwimmangebot, Ferienprogramme und Freizeiten: „Dahinter steckt viel ehrenamtliches Engagement, das oftmals unsere Ehemaligen an den Tag legen“, erklärt Einrichtungsleiterin Petra Lücking-Cickovic.

Wirken auf nackte Zahlen reduziert

Sie verwundert das neue Verfahren zur Bedarfsermittlung der Fachkräfte. Ihm liegen die Besuchszahlen aus dem Jahre 2013 zugrunde. Im Zeitraum von Sommer bis Winter musste das JAP schließen, da das Dach saniert werden musste. „Die Schäden waren schlimmer als angenommen, wir wollten viel eher zurückkehren“, sagt Lücking-Cickovic. Das Jugendzentrum zog in Räume der Gemeinde um. Das kostete unter dem Strich einige Besucher. Waren es 2011 und 2012 noch um die 200 „Stammkunden“, brach der Wert während der Sanierung ein und fiel auf gut 150.

Das JAP-Team sieht sein Wirken auf nackte Zahlen reduziert: „Als im April 2014 die ersten Flüchtlinge nach Bonn gekommen sind, haben wir uns sofort um den Nachwuchs gekümmert“, sagt Pfarrer Grieser. Direkter Kontakt besteht zum Paulusheim. Dienstags ist Spielenachmittag, das JAP übernimmt den Transfer. In kindgerechter Umgebung blühen die Mädels und Jungs wieder auf: „Die Anforderungen an unsere Fachkräfte sind enorm, sie leisten qualitativ hochwertige Arbeit. Es darf nicht nur um Quantität gehen“, fordert Stephan Langerbeins, Leiter des evangelischen Jugendreferats der Kirchenkreise An Sieg, Rhein und Bonn. Er und die Kollegen befürchten weitere Einschnitte.