Aktuelle Nachrichten aus Köln, der Region und der ganzen Welt

Das Contra Kreis Theater: „Im Zweifel für die Freiheit“

Robert Seiler (Mitte) spielt den jungen Willy Brandt. (Foto: Contra Kreis Theater)

Robert Seiler (Mitte) spielt den jungen Willy Brandt. (Foto: Contra Kreis Theater)

Bonn -

Gunnar Gaasland hält den Atem an bei der Passkontrolle. Aus gutem Grund, denn seine (norwegischen) Papiere sind gefälscht. Doch die Kontrolleure an der deutschen Grenze bemerken nichts und lassen den 22-jährigen Herbert Frahm alias Willy Brandt alias Gunnar Gaasland 1936 im Jahr der Olympischen Spiele ins deutsche Reich einreisen. Eine gefährliche Mission des jungen deutschen Widerstandskämpfers beginnt.

Wenig ist bisher bekannt über diese Zeit aus dem Leben Willy Brandts, der mit seinem Kniefall am Mahnmal des Warschauer Ghetto-Aufstandes 1970 in die Geschichtsbücher eingehen sollte. 100 Jahre alt wäre die SPD-Ikone im Dezember des vergangenen Jahres geworden. Dies nimmt Regisseur und Schauspieler Johann Jakob Wurster zum Anlass, an dieses Kapitel im Leben von Willy Brandt zu erinnern und konstruierte aus den spärlichen historischen Fakten ein Stück, das berührend und spannend zugleich ist. Im Contra Kreis Theater feierte „Willy 100 – Im Zweifel für die Freiheit“ nun Premiere.

Temporeich mit viel Fingerspitzengefühl und künstlerischem Können setzen die sechs Schauspieler das Bühnenstück in Szene, wechseln in Windeseile die Rollen, binden die Zuschauer mit ein, überzeugen mit Tanz und Gesang und führen zurück in Hitlers braunes Berlin, wo die Angst regiert und die Demokratie vernichtet ist. Willy Brandts Hilflosigkeit und gleichzeitig den Mut des Versuches, Widerstand in Deutschland gegen das Nazi-Regime zu organisiere, zeigt Wurster (an seiner Seite als Koproduzent der Kabarettist Arnulf Rating) ohne falschen Pathos.

Als einen suchenden, unsicheren und doch wild entschlossenen Menschen charakterisiert der Regisseur den späteren Bundeskanzler. Gefährlich holprig imitiert Robert Seiler den norwegischen Akzent von Gunnar Gaasland m, und man kann sich vorstellen, unter welcher Anspannung der junge Brandt tagtäglich in der „feindlichen“ Hauptstadt Berlin gestanden haben muss.

Eifrige Nazis tauchen in den Szenen auf, die durch das richtige Parteibuch schnell vom ewigen Verlierer zum Sieger geworden sind. Kälte macht sich breit, wenn die emsige deutsche Hausfrau lästige Insekten mit Zyklon B vernichtet. Groteske Komik entsteht, wenn Seiler „Mein Kampf“ auf Norwegisch vorliest. Immer enger zieht sich die Schlinge um Gunnar Gaaslands Hals, schraubt sich die Spannung nach oben. Bis am Ende die Freiheit gewinnt.

„Willy 100 – Im Zweifel für die Freiheit“ heute und morgen und vom 2. bis 14. September im Contra Kreis Theater; Am Hof 3-5, Karten unter Rufnummer (0228) 63 55 17.