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Festausschuss Bonner Karneval: Festausschuss erinnert an Proklamationsrede Heinrich Lützelers von 1962

Konrad Beikircher rezitierte die Proklamationsrede und ergänzte sie durch feinsinnige Anekdoten.

Konrad Beikircher rezitierte die Proklamationsrede und ergänzte sie durch feinsinnige Anekdoten.

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Matthias Kehrein

Bonn -

Schon mal was von einem „Mölmpupper“ gehört? Was hat es mit der „Fubbelsmatant“ auf sich? Haben Sie, verehrte Leserin, verehrter Leser, eine „Nüffnas“? Hier die Auflösung dieser drei ur-bönnschen Begriffe: „Mölmpupper“ ist eine scherzhafte Bezeichnung für eine kleine gedrungene Person, deren Blähungen („Pupper“) den Straßenstaub aufwirbeln, „Fubbelsmatant“ ist eine schlampig gekleidete oder aber aufgedonnerte Frau und „Nüffnas“ ist eine Stupsnase, kann aber auch das Riechorgan einer vorwitzigen Person sein.

Für uns Zeitgenossen des frühen 21. Jahrhunderts klingt das so fremd wie die Dialekte am Hindukusch, für den legendären Bonner Kunsthistoriker und Sprachforscher Professor Heinrich Lützeler (1902 bis 1988) waren diese Begriffe noch gelebtes rheinisches Sprachgut. „Mölmpupper“, „Fubbelsmatant“ und „Nüffnas“ tauchten jedenfalls in seiner Proklamationsrede für das Bonner Prinzenpaar Matthias von der Weiden und Bonna Karin Henkes-Klein am Mittwoch, 7. Februar 1962, in der Beethovenhalle auf.

Original erhaltene Proklamationsrede von Heinrich Lützeler

Eine Prinzenproklamation an einem Mittwoch und ohne Oberbürgermeister? Tja, die närrischen Uhren tickten in Bonn vor 54 Jahren noch anders. OB Wilhelm Daniels ließ sich terminlich entschuldigen und sein Stellvertreter hatte – salopp formuliert – keinen Bock auf eine Proklamation. So musste der „hochgelahrte“ Wissenschaftler und Kölsch/Bönnsch-Experte Heinrich Lützeler in die Bütt. Im Nachhinein war das keine schlechte Wahl – ganz im Gegenteil!

Am Dienstag trug Konrad Beikircher, als „Botschafter des Bonner Karnevals“ ebenfalls ein Experte auf dem Gebiet des rheinischen Sprachgutes, die im Original erhaltene Proklamationsrede von Heinrich Lützeler bei einer Veranstaltung des Festausschusses Bonner Karneval in der Gaststätte „Im Stiefel“ vor: Es war eine Büttenrede allererster Güte, unterbrochen von Lachsalven der Gäste – unter ihnen die damalige Bonna Karin I. (Henkes-Klein), die kräftig mitlachte und immer wieder mit dem Kopf nickte. Sweet memories Anno 1962!

Charmeur mit einer gehörigen Portion Schlitzohrigkeit

Der gerade 70 Jahre alt gewordene Konrad Beikircher hat als junger Student noch Vorlesungen des großen Kunsthistorikers Heinrich Lützeler besucht, über den man sagen konnte: „Ganz viel Geist in einem ganz kleinen Körper.“ Lützeler war wirklich kein Adonis, scharte aber zu seinen Vorlesungen immer die hübschesten Studentinnen um sich, wie sich Konrad Beikircher lebhaft erinnert. Der bönnsche Professor verstand sich wie kein Anderer auf das „schwache Geschlecht“ – ein Charmeur mit einer gehörigen Portion Schlitzohrigkeit.

Auch die damals 19-jährige Bonna Karin wurde an jenem 7. Februar 1962 von Lützeler „bönnsch umgarnt“. Hören wir mal in seine Proklamationsrede rein: „Liebliche Bonna Karin! Mamsellche, leev Mädche! Mer han Jlöck mit Dir jehatt, me könne Dich bruche: Mit dinge 1,72 m best Du kein Mölmpupper und kein Föttche an de Ähd. Do hässt ja kein Nüffnas, do häß e Näsche för alles. Do bes molto chic und kein Fubbelsmatant, me könne Dich all jood ligge, so e lecker Mäus’che, du Joldstätzche!“Köstlich!

Heinrich Lützeler schloss Rede mit kölschem Liedklassiker

Dann ging Heinrich Lützeler auf Karins berufliche Aktivitäten ein. „Du bist also in der Versicherungsbranche tätig. Eine Versicherung für Frostschutz braucht Du jedenfalls nicht einzugehen. Denn schon auf Entfernung spüre ich: Du bist warm wie ein Stövchen!“ Hui, hui, für diese Sprüche hätten Sie, werter Herr Professor, im Jahre 2016 einen Social-Correctness-Shitstorm ausgelöst!!

Bei der Vorstellung des Prinzen Matthias I. hielt sich Heinrich Lützeler förmlicher auf. Nun ja, was man so förmlich nennt. Lützeler lobte ausdrücklich den Beruf der Tollität – vornehm Gastronom, in Lützelers Sprachweise „ne Zappjung“: Matthias von der Weiden leitete damals die traditionsreiche Gaststätte „Zum Bären“ in der Acherstraße. Hier ließ sich Lützeler im Vorfeld der Proklamation vom „Prinzen in Lauerstellung“ „karnevalistisch bestechen“, wie es Lützeler formulierte – mit „drei Klore“ (Schnäpse), die er nicht bezahlte . Typisch Lützeler, bemerkte Konrad Beikircher, dem Professor ging der Ruf voraus, „ne „Kniesbüggel“ zu sein.

Es sei ihm, der seit dem 13. Juni 1988 den bönnschen Fastelovend von einer närrischen Wolke aus verfolgt, verziehen. Heinrich Lützeler schloss seine Rede mit dem kölschen Lied-Klassiker von 1923: „Ov krütz oder quer, ov Knäch oder Här – mer loße nit un loße nit vum Fasteleer! Dreimol Alaaf!“