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Freibad-Retter wollen richtig Druck machen: Start der Unterschriftenaktion gegen geplante Schließung des Lemmerzfreibades

Plakate, Sticker, Unterschriftenlisten und Klemmbretter: Die Initiatoren der Freibad-Initiative um Annette Hertner (3.v.r.) wollen bis Mitte März mindestens 3000 Unterschriften gegen die geplante Schließung sammeln.

Plakate, Sticker, Unterschriftenlisten und Klemmbretter: Die Initiatoren der Freibad-Initiative um Annette Hertner (3.v.r.) wollen bis Mitte März mindestens 3000 Unterschriften gegen die geplante Schließung sammeln.

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Ralf Klodt

Königswinter -

Genau 50 Klemmbrettchen lagen auf zwei Tischen bereit, jedes mit zunächst fünf Unterschriftenlisten. „Ja, ich bin gegen die Schließung des Lemmerzfreibades!“ ist der zentrale Satz, den jetzt möglichst viele Menschen aus Königswinter und Umgebung unterschreiben sollen. „Wir müssen drei Wochen richtig Druck machen“, sagte Annette Hertner, die Initiatoren der Aktion, vor mehr als 50 potenziellen Mitstreitern am Mittwochabend im Margarethenhof in Ittenbach zum offiziellen Start der Unterschriftensammlung.

Und Hertner gab sich kämpferisch. Die Unterschriftenlisten – auf jeder ist Platz für 15 Unterstützer – müssten die Stadt „überschwemmen“, forderte sie. „Wir müssen an jeden rankommen, überall. Wir müssen zeigen, dass wir Schwimmer auch eine Lobby sind“, forderte Annette Hertner unter Applaus der Versammlungsteilnehmer. Ziel bis Mitte März seien 3000 Unterschriften.

Diskussion über Zukunft der Bäder dauert schon seit 2006 an

Wie mehrfach berichtet, hat die Verwaltung mit der Einbringung des Haushalts vorgeschlagen, dass Lemmerzfreibad in der Saison 2016 gar nicht erst zu eröffnen. 150 000 Euro soll das in diesem Jahr und je 300 000 in den Folgejahren einsparen.

Die Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP hat noch nicht entschieden, ob sie diesem Vorschlag folgt, sagte CDU-Fraktionschef Josef Griese gestern auf Anfrage der Rundschau (siehe Infotext).

Annette Hertner erinnerte daran, dass das Freibad eine Schenkung von Paul Lemmerz gewesen und erst Mitte der 80er Jahre saniert worden sei. In der seit 2006 andauernden Diskussion über die Zukunft der Bäder (Privatisierungsversuche scheiterten zweimal, zuletzt platzten die umstrittenen ÖPP-Pläne, gegen die ein Bürgerbegehren initiiert worden war, Mitte 2015) sei das Freibad „systematisch aufs Abstellgleis geschoben“ und eher nebensächlich behandelt worden.

„Wir brauchen beide Bäder“, betonte Annette Hertner. Das 28 Grad warme Wasser im Hallenbad sei für Sportschwimmer nicht geeignet. Berufstätige Leute bräuchten zum Schwimmen die 50 Meter-Bahnen im Freibad, dessen Wasser sich auch in heißen Sommern nur langsam erwärme.

Initiatorin mit entwaffnender Offenheit

Gleichzeitig war die Initiatorin der Aktion von geradezu entwaffnender Offenheit: „Viele Schwimmer haben es natürlich genossen, eine Art Privatbad zu haben. Wir wussten aber, dass das nicht so bleibt“, sagte Annette Hertner mit Blick auf die Nutzerzahlen. Manchmal habe es Fälle gegeben, da habe ein Schwimmer das Becken verlassen und es einem anderen überlassen können. In der Saison 2015 hatte das Freibad laut Schwimmtreff GmbH 38 300 Besucher, im Sommer davor rund 22 000.

Aber das liege auch daran, dass viele Menschen in der Region das Bad unterhalb des Drachenfels nicht kennen würden, sagte Annette Hertner. Für das Freibad sei zu wenig Werbung gemacht worden. Investitionen hätte es – bis auf eine Anstrich in den Damenduschen – nicht gegeben.

Der Förderverein „Rettet unsere Lemmerzbäder“, der knapp 6000 Unterschriften gegen die Pläne für ein Öffentlich-Privates Hallenbad in Oberpleis gesammelt hatte und die Freibad-Initiative unterstützt, zweifelt die von Bürgermeister Peter Wirtz genannten Einsparungen von bis zu 300 000 Euro jährlich an. Vorsitzende Inge Heuser-Losch hat im Stadtrat eine Einwohnerfrage eingereicht, um die Zusammensetzung des Betrags zu erfahren, der sich aus dem Haushalt nicht erkennen lasse. In einem Schreiben an Wirtz und alle Ratsmitglieder appelliert sie, das Freibad nicht zu schießen, das mit seiner „großartigen Lage (...) einen hohen Wert für Schwimmsport, Erholung und Freizeitgestaltung“ habe.

lemmerz-freibad-initiative.de