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Gericht: Anwalt fuhr drei Jahre Auto voller Drogen

des hinteren Sitzes waren die elf Pakete mit sieben Kilogramm Rauschgift versteckt. )

des hinteren Sitzes waren die elf Pakete mit sieben Kilogramm Rauschgift versteckt. )

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(Foto: Polizei Bonn

Bonn -

Der Chef einer Autowerkstatt traute seinen Augen nicht: Aus einem alten Renault Clio, der in einen Unfall verwickelt gewesen war, brachten seine Mitarbeiter Erstaunliches zutage. Beim Abnehmen der hinteren linken Sitzverkleidung fielen ihnen mehrere Pakete entgegen, alle säuberlich in Silberfolie gewickelt. Die Werkstatt rief sofort die Polizei: Die Ermittler nahmen das Auto genauer in Augenschein und entdeckten hinter der rechten Sitzverkleidung weitere Pakete: Insgesamt elf mit sieben Kilogramm Marihuana und Cannabis..

Die Halterin des Autos, eine 40-jährige Thailänderin, wurde mit dem Fund konfrontiert: „Oh je“, rief sie aus und schlug die Hände über dem Kopf zusammen, „das ist das Auto einer Drogenbande, das habe ich von meinem Chef Carlo bekommen.“ Die Ermittler glaubten der Aufdeckung eines Rauschgiftrings mit einem Drogenboss „Carlo“ ganz nah zu sein. Aber bei weiterer Recherche der Bonner Staatsanwaltschaft stellte sich heraus, dass „Carlo“ kein Drogenboss ist, sondern ein Rechtsanwalt, bei dem die Thailänderin einen Putzjob hatte und der ihr den alten silbernen Clio im Frühjahr 2013 überschrieben hatte.

Aber auch Rechtsanwalt „Carlo“ fiel aus allen Wolken, als er von dem Fund in dem Auto hörte, mit dem er immerhin fast drei Jahre lang landauf, landab gefahren war. Ob zum Gericht oder zum Brötchenholen – immer war er am Rande der Kriminalität mit sieben Kilo Rauschgift unterwegs gewesen. Aber der Rechtsanwalt, dessen Identität Oberstaatsanwalt Robin Faßbender keinesfalls preisgeben will, konnte den Ermittlern alsbald eine Erklärung für die „Drogenlimousine“ geben.

Im Jahr 2010, so „Carlo“, hatte er einen 29-jährigen Drogenkurier verteidigt, der an der holländischen Grenze mit eben jenem Clio den Fahndern in die Falle ging. Im Motorraum des Autos wurden damals fast fünf Kilogramm Cannabis gefunden. Der gebürtige Italiener wurde wegen Einfuhr von Rauschgift zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt und landete im Gefängnis. Da er pleite war und seinen Anwalt nicht bezahlen konnte, überschrieb er ihm den alten Clio mit einem Wert von rund 1000 Euro. Offenbar ahnte er nicht, dass seine Auftraggeber noch weitere sieben Kilogramm in seinem Auto versteckt hatten – und dass sein Gefährt mit diesem Inhalt mindestens 25 000 Euro Wert hatte.

Folglich ahnte auch Rechtsanwalt „Carlo“ drei Jahre lang nichts von der heißen Ware. Seine thailändische Putzfrau erst recht nicht, als sie den Wagen geschenkt bekam. Aber auch der Italiener, so Fassbender, kann heute nicht mehr belangt werden, weil er für seine Straftat bereits verurteilt worden ist.

Ohne den kleinen Unfall mit der Beule jedenfalls wären die sieben Kilogramm niemals ans Licht gekommen – und der Clio mit seinem Geheimnis eines Tages im Müll zerschreddert und zusammengefaltet worden.