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Havariertes Tankschiff: Meisterleistung der drei Schiffsführer

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Ralf Klodt

Bad Honnef-Rhöndorf -

Als sich am Samstag gegen 11.40 Uhr das erste Mal die Trosse zwischen dem Frachter Dynamica und dem Tanker Fint spannt, ist trotz des Dröhnens der Dieselmotoren ein Rumpeln und das Knirschen von Stahl auf Stein zu hören. Der Bug des seit Heiligabend vor Rhöndorf auf einer Kribbe festsitzenden 110-Meter-Tankers dreht sich ein Stück in Richtung Ufer, bleibt jedoch ansonsten an Ort und Stelle stecken.

Am Ende – nach rund viereinhalb Stunden pausenlosen Ziehens und Drehens – ist die vereinte Motorkraft des Ro-ro-Frachters Dynamica, des Tankers Magnolia und des Schleppers Rheinland mit zusammen rund 6000 bis 7000 Pferdestärken nötig, um die Fint wieder ins Fahrwasser zu ziehen. Rund 600 Tonnen ist das leere Schiff schwer.

„Man kann nur den Hut ziehen vor dem, was die Schiffsführer da geleistet haben“, sagt am Tag danach Markus Müller von der Außenstelle Niederkassel des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Köln gegenüber de Rundschau. „Da waren die richtigen Leute zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle.“ Denn die an der Bergung beteiligten Schiffe – zunächst vor allem die 110 Meter lange und 11 Meter breite Dynamica – haben zwischen den Kribben kaum Platz zum Manövrieren. Ständig steht ein Mann am Bug des mit Pkw und Traktoren beladenen Schiffes um zu gucken, ob man nicht zu nahe ans Land kommt. „Die Schiffsführer sind in Bereiche gefahren, in die sich andere gar nicht trauen“, sagt Müller, der selbst den ganzen Tag vom WSA-Schiff Bonn aus die Bergung verfolgt und zusammen mit der Wasserschutzpolizei die Schifffahrt auf dem Rhein sichert.

Den ersten Versuch, die Fint wieder ins Wasser zu bugsieren, unternehmen gegen 9 Uhr die Schlepper Rheinland und Pilot. Zunächst ohne Erfolg. Dann muss die Pilot abrücken, weil sie laut Müller bei einem Schiffsunfall in Karlsruhe gebraucht wird. Über die Revierzentrale in Duisburg wird bei der in Godorf liegenden Dynamica angefragt, ob sie helfen kann. Wie Müller und ein Sprecher der Wasserschutzpolizei in Bonn erklären, werden für solche Fälle Törnverträge zwischen den Schiffseignern abgeschlossen, die unter anderem die Bezahlung der Bergung regeln. Bis 14.30 Uhr versuchen die Rheinland und die Dynamica, die Fint frei zu schleppen. Dann erklärt der 100-Meter-Tanker Magnolia seine Hilfsbereitschaft und macht auf der Steuerbordseite der Dynamica fest.

Mit hohem Tempo über die Kribbe hinweg

Dass jetzt keine weitere Trosse zur Fint ausgebracht wird – unter den vielen Zuschauern an der Rhöndorfer Rheinpromenade wird im Laufe des Tages nicht nur diese Frage fleißig diskutiert –, begründet Markus Müller mit dem wenigen Platz, der den Schiffen zur Verfügung steht. Dann wäre das Manövrieren noch gefährlicher geworden. Entscheidend sei vor allem die Maschinenleistung. Und natürlich, dass die Trossen halten.

„Wir haben Zentimeter für Zentimeter gezogen“, sagt Müller. Beim „Gieren“ werde das Schiff auf der Stelle hin und her gedreht und so nach und nach freigeschleppt. Entsprechend stehen die Schleppschiffe manchmal quer im Rhein, manchmal mit dem Bug gefährlich nahe an der nächsten Kribbe.

Als die Fint gegen 16.15 Uhr plötzlich freikommt, wird sie erstmal genauer untersucht. Doch sie ist nicht leckgeschlagen. Am Abend fährt sie aus eigener Kraft zur Werft nach Duisburg. Dort steht eine genaue Inspektion an.

Die Unfallursache muss noch ermittelt werden. Doch da die Maschinen einwandfrei funktionieren, vermuten Markus Müller und ein Polizeisprecher einen Fahrfehler. „Eine Havarie an der Stelle ist außergewöhnlich“, sagt der Technische Angestellte des Wasser- und Schifffahrtsamtes. Und weil der leere Tanker mit hoher Geschwindigkeit auf die Kribbe gefahren sei – das Schiff war gut zu zwei Drittel über die künstliche Landzunge hinweggerauscht und saß entsprechend fest – hält er auch einen Sekundenschlaf für möglich.

Viele Zuschauer am Rhöndorfer Rheinufer bekommen im Laufe des Tages immer mehr Zweifel, ob das Freischleppen des festsitzenden Schiffes tatsächlich gelingen könnte. Was sie wohl nicht ahnen: Sie befinden sich damit in guter Gesellschaft. „Wir haben alle gewettet, dass das nicht funktioniert“, sagt Markus Müller am Tag danach. „Die Chancen waren gering, aber einen Versuch war es wert.“ Dass es am Ende geklappt hat, sei allein den „sehr erfahrenen Schiffsführern“ zu verdanken.