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Kritik an Bonner Beethovenhalle: SPD und Grüne sprechen von einem Schaden von 20 bis 30 Millionen Euro

Die Beethovenhalle ist Heimstatt des Beethoven Orchesters – hier beim Konzert am 8. November. Es hätte gern einen Probenraum im Studio; ob es ihn bekommt, scheint nicht sicher. (Fotos: Kehrein/von Hagen/BOB)

Die Beethovenhalle ist Heimstatt des Beethoven Orchesters – hier beim Konzert am 8. November. Es hätte gern einen Probenraum im Studio; ob es ihn bekommt, scheint nicht sicher. (Fotos: Kehrein/von Hagen/BOB)

Bonn -

Wenige Tage vor der Abstimmung des Bonner Stadtrats über die Sanierung der Beethovenhalle haben die Bundestagsabgeordneten Ulrich Kelber (SPD) und Katja Dörner (Grüne) scharfe Kritik an Oberbürgermeister Ashok Sridharan (CDU) und der CDU-Stadtratsfraktion geübt. Sie werfen ihnen vor, für die Stadt einen finanziellen Schaden von „unfassbaren 20 bis 30 Millionen Euro“ verursacht zu haben.

Hintergrund ist der Beschluss des Haushaltsausschusses des Bundestages, das die 2007 vom Bund zugesagten 39 Millionen Euro für das Festspielhaus nicht für die Sanierung der Beethovenhalle verwendet werden dürfen. Nach dem Aus der Konzerthalle hatte sich Kelber in Berlin dafür stark gemacht, den für den Festspielhausbetrieb eingeplanten Bundeszuschuss für die marode Halle umzuwidmen. Voraussetzung: Die Stadt hätte sich mit der gleichen Summe an der Sanierung beteiligen müssen. Dieses Bekenntnis aber gab sie nicht ab.

Kelber und Dörner erklärten dazu am Sonntag: „Im August und auch noch im Oktober haben sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Gilles und Herr Sridharan gegen eine Festlegung auf eine Sanierung der Beethovenhalle ausgesprochen und einen Beschluss des Stadtrates zu diesem Zeitpunkt abgelehnt.

Obwohl wir aus Berlin von einflussreichen Haushaltspolitikern das Angebot hatten, die ursprünglich für das Festspielhaus vorgesehenen 39 Millionen Euro zumindest teilweise für Umbau und Sanierung der Beethovenhalle umzuwidmen.“

Es gebe Beispiele für Bundeshilfe beim Umbau kommunaler Kulturbauten: In Wuppertal beteilige er sich mit 50 Prozent an den geschätzten Kosten von 56 Millionen Euro für die Sanierung des Schauspielhauses und in Hamburg an den 120 Millionen Euro für ein städtisches Museum. Jetzt aber seien die Haushaltsberatungen des Bundestages abgeschlossen, und es gebe kein Geld für die Beethovenhalle.

Die geschätzten Kosten für die Modernisierung des denkmalgeschützten Baus liegen, je nach Variante, bei 40 bis 70 Millionen Euro, die Bonn weitgehend allein schultern muss.

Zwar gab der Haushaltsausschuss auf Initiative der Bonner Abgeordneten der Bundeskulturbeauftragten Monika Grütters den Auftrag, ein Konzept für das Beethovenjubiläum 2020 vorzulegen, dessen Finanzierung „nationale Aufgabe“ sein solle. Aber Dörner und Kelber sind überzeugt, dass Bonn beides hätte haben können, einen Zuschuss für die Beethovenhalle und Geld für ein nationales Programm zum Beethovenjubiläum.

Wahlkampf wichtiger als Bonner Kultur

„Das hat man in Berlin signalisiert, auch gegen den Widerstand der Kulturbeauftragten. Diese Chance hat die Bonner CDU vertan. Scheinbar war Ruhe im Kommunalwahlkampf wichtiger als die Zukunft von Bonner Kultur und Bonner Stadthaushalt“, ärgern sich die beiden Abgeordneten.

Unterdessen hat der Vorstand des Vereins Bürger für Beethoven erneut vor einer aufwendigen Sanierung der Beethovenhalle gewarnt. Selbst hohe zweistellige Millionenbeträge machten aus der Mehrzweckhalle keinen zeitgemäßen und konkurrenzfähigen Konzertsaal. Wichtiger sei es, für 2020 ein Programm zu entwickeln, mit dem sich Bonn als Ort der Beethovenpflege national und international etablieren könne, sagen die Beethovenfreunde