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Kölnische Rundschau | Lebenshilfe Bonn: Die Behinderung im Urlaub vergessen
12. January 2016
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Lebenshilfe Bonn: Die Behinderung im Urlaub vergessen

Die von der Lebenshilfe organisierten Reisen für Behinderte stellten Jana Jadron und Frank Scheider vor.

Die von der Lebenshilfe organisierten Reisen für Behinderte stellten Jana Jadron und Frank Scheider vor.

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Kehrein

Bonn -

Sie segeln vor Rügen, bauen Sandburgen am Strand von Kreta, füttern Tiere auf einem Bauernhof im Dambachtal oder fahren Ski in Norwegen. Was nach einem normalen Urlaub klingt, ist für die Reisenden viel mehr. Auch Menschen mit Handicap wollen in die Ferien fahren, etwas anderes sehen und erleben.

Die Lebenshilfe Bonn ist eine Gesellschaft, die sich in erster Linie um geistig Behinderte kümmert. Dazu zählt auch das Reiseangebot, das offen für alle ist: „Auch Senioren nehmen unsere Offerten wahr, beide Seiten profitieren enorm voneinander“, sagt Frank Scheider, Leiter Koordination Touristik.

Vor fünf Jahren kam er zu der neuen Aufgabe wie die Jungfrau zum Kinde. Beim Flurgespräch mit dem neuen Geschäftsführer Andreas Kimpel erhielt er den Auftrag, im Rahmen einer Neuausrichtung den Reisebereich neu aufzustellen. Kein Wunder, Schader gilt als Mann vom Fach. Um sein Sonderpädagogik-Studium zu finanzieren, arbeitete er als Reiseleiter: „Das hat wunderbar funktioniert, so dass ich 20 Jahre lang zweigleisig gefahren bin“, beschreibt er sein zweites Standbein.

Das touristische Know-how und die langjährige Arbeit für und mit Behinderten brachten das Projekt schnell ans Laufen. Die Lebenshilfe tritt als alleiniger Veranstalter auf und bietet vom Transfer über die Versorgung bis hin zur Freizeitgestaltung alles aus einer Hand. Das Komplettangebot sorgt für transparente Preise. Im Gegensatz zu anderen Anbietern müssen die Urlauber nicht mühsam mehrere Einzelangebote summieren: „Um manche Kataloge zu verstehen, benötigt man einen Doktortitel. Wie soll ein geistig Behinderter da durchblicken?“, fragt Schader.

Reisen in Kleingruppen

Seit zweieinhalb Jahren sitzt Jana Jadron mit im Boot. Auch sie jobbte während des Studiums als Reiseleiterin, besitzt eine pädagogische Ausbildung und ist für die Kundenakquise zuständig. Gemeinsam haben sie das Projekt auf einen Level gehoben, den sie gern halten würden. Das heißt in Zahlen: 30 Reisen pro Jahr mit 400 Gästen plus 250 Betreuern. Obwohl das Projekt mittlerweile ein Selbstläufer geworden ist, schwebt ein Damoklesschwert über ihm. Die Betreuer, grundsätzlich fachlich geschultes Personal, haben ein Anrecht auf den Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Für eine Woche Ostsee wären dann mindestens 1500 Euro fällig. Das würde aber den Kostenrahmen sprengen. Also erhalten die Begleiter eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 90 Euro täglich und die Möglichkeit, ihr soziales Engagement in die Tat umzusetzen: „So können wir noch in den Spiegel schauen“, sagt Schader.

Viele Urlauber stammen aus den Einrichtungen der Lebenshilfe, doch auch Behinderte aus Neuss, Aachen, Erftstadt und Wuppertal buchen in Bonn. In maximal zwei Kleingruppen von je sieben Gästen und zwei Betreuern brechen sie ins Abenteuer auf: „Größer wollen wir nicht werden, die geistig Behinderten dürfen nicht untergehen“, meint Schader. Die überschaubare Anzahl von Reisenden ist der Schlüssel zum Erfolg. In Gruppen mit Nichtbehinderten vergessen die Rollstuhlfahrer und Menschen mit Down-Syndrom ihr Handicap: „Als wir in Kuttenberg bei Prag waren, sind alle von den Einheimischen eindrucksvoll aufgenommen worden. Dort wird die Inklusion jetzt schon gelebt“, sagt Jadron.

Weitere Informationen gibt es bei der Lebenshilfe unter Telefon (02 28) 5 55 84 32−80 und im Internet.


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