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Ludwig van Beethoven: Sonderausstellung im Bonner Beethoven-Haus

Originale Notenblätter, zum Teil mit handschriftlichen Notierungen, zeigt die neue Ausstellung im Beethovenhaus, die das große Interesse des Komponisten an der Kirchenmusik aufgreift.

Originale Notenblätter, zum Teil mit handschriftlichen Notierungen, zeigt die neue Ausstellung im Beethovenhaus, die das große Interesse des Komponisten an der Kirchenmusik aufgreift.

Foto:

Böschemeyer

Bonn -

Ludwig van Beethoven hat nur zwei Messen komponiert, aber das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass er offenbar herzlich gern mehr geschrieben hätte, schon des Renommees wegen. Bis ins 19. Jahrhundert hinein hing der Ruf eines Komponisten sehr an seinen liturgischen Aufträgen. Die wenigsten wissen von Beethovens Bemühungen.

Sie sind auch zu belegen und beginnen bereits in Bonn und Köln in den Diensten der kurfürstlichen Kapelle und als Organist. Das Beethoven-Haus versucht nun mit einer Sonderausstellung heute bis zum 28. August, die offenbar allgemeinen Bildungslücken im Liturgischen zu schließen, wohl auch mit Blick auf den bevorstehenden 250. Geburtstag.

Blick fällt zuerst auf Überbleibsel von Beethovens Bonner Orgelspieltisch

Das erste, worauf in den Ausstellungsräumen der Blick fällt, sind deshalb auch die Überbleibsel von Beethovens Bonner Orgelspieltisch. Eine Reliquie, klar. Auch nach der Übersiedelung nach Wien giert er nach liturgischen Aufgaben. Freilich nur bei allerersten Adressen. Aber er blieb ein unerfüllter Liebhaber. Keine seiner Hoffnungen auf höfische Anstellung erfüllte sich.

Weder in Olmütz (1809 und 1819), noch 1823 beim König von Sachsen. Auch für den Wiener Kaiser hätte er gern was gemacht. Nur mit zwei Messen reüssierte er, mit der C-Dur-Messe von 1807 und der Missa solemnis op. 1823 (entstanden seit 1819). Diese beiden nun allerdings, vor allem der Superlativ Missa Solemnis, begründeten seinen Ruf.

Aber eben auch nur zum umfangsweise bescheidenen Teil, gemessen am Instrumentalmusiker von neun Sinfonien, 32 Klaviersonaten, den Streichquartetten und, und, und. Das Ausstellungsmaterial erklärt dennoch nicht völlig den geringen Umfang des liturgischen Anteils an Beethovens Schaffen. Es sei denn, man nähme Beethovens notorischen Geschäftssinn zu Hilfe.

Beethoven bleibt nur Bekenntnis zu einer einzigen Menschheit verhaftet

Nun kann keiner sagen, dass es sich beim liturgischen Beethoven um den unbekannten Beethoven handele, dem sich die Ausstellung widmet. Den Eindruck vermeidet die Präsentation nämlich sehr nachdrücklich, wo sie indirekte Wege einschlägt und mittelbare Beweise vorführt und Beethovens tiefen liturgischen Neigungen von mittelbaren Zeugnissen nachspüren lässt.

Wenn man so will aus dem rheinischen Katholizismus, bleibt Beethoven keinem Bekenntnis verhaftet außer dem zu einer einzigen Menschheit. Deshalb nimmt er auch alles, wo er es findet. Auch seine Tonlehren. Protestantisch oder katholisch, aus der Beethovenhaussammlung zeigt die Ausstellung starke Beispiele. Sogar eine Welturaufführung spielte Johannes Geffert am gestrigen Eröffnungsabend in der Bonngasse. (ter)

Beethovenhaus,Bonngasse, 24-26, bis 28. August.