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Prozess in Bonn: Raubüberfall auf Perlenschmuckhändler

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Bonn -

Mit einer wertvollen Kollektion von Zuchtperlen und Diamanten war ein Bonner Schmuckhändler tagein, tagaus zwischen Frankfurt und Düsseldorf unterwegs gewesen und im Oktober 2012 ins Visier einer elfköpfigen Räuberbande geraten. Tagelang war der 49-jährige Handlungsreisende ausspioniert und verfolgt worden, bis die Täter sicher waren, dass der Kofferraum voll mit Preziosen war. Am 29. Oktober 2012 schlugen drei Männer vor seinem Haus in Auerberg zu. Der Perlenhändler war gerade ausgestiegen, um sein Garagentor zu öffnen, als er mit einer Pistole bedroht, gefesselt und in die Garage geschleppt wurde. Dann räumten sie das Auto komplett leer. Allein der Schmuck hatte einen Händler-Einkaufswert von 242 000 Euro.

Trotz schnell eingeleiteter Fahndung und des Einsatzes eines Hubschraubers, gelang es den Tätern unterzutauchen. Nur einem der elf mutmaßlichen Räubern kamen die Ermittler später auf die Spur: Ein 49-jähriger Kolumbianer, der in Spanien lebt, soll laut Anklage der Bonner Staatsanwaltschaft zwar nicht an der Front in Auerberg gewesen sein, aber er soll die Mietautos, die für die Observation eingesetzt worden waren, am Flughafen Köln-Bonn auf seinen Namen geordert haben. Seit gestern muss sich der Südamerikaner wegen schweren Raubes vor dem Bonner Landgericht verantworten. Im Januar 2013 war er in Malaga in eine Polizeikontrolle geraten und mit internationalem Haftbefehl festgenommen und ausgeliefert worden.

Der Angeklagte jedoch, der angeblich in Spanien eine Firma für südamerikanische Souvenirs (Sombreros) betreibt, hat die Vorwürfe bestritten. „Ich kann mich allein schon nicht an einem Raub beteiligen, weil mein Vater vor 20 Jahren als Opfer eines Raubüberfalls erschossen worden ist.“ Allerdings räumte der Angeklagte ein, dass er die Mietautos auf seinen Namen und mit seiner Kreditkarte angemietet habe, ohne zu wissen, was später damit passieren sollte. In Holland sei er, so seine Erklärung, zufällig einer Freundin aus Kindertagen in Kolumbien begegnet, die ihn gebeten haben soll, ein Auto für sie und ihre Familie zu mieten, da sie über keine Kreditkarte verfüge. „Ich habe ihr einen Gefallen tun wollen. Ich habe ihr voll vertraut.“ Heute soll sie in Mexiko leben.

„Ich hatte das Gefühl neben mir zu stehen,“ schilderte gestern der Schmuckhändler die Szene, als einer der drei Täter mit der Pistole auf ihn zu kam, die Waffe an die Schläfe hielt und sagte: „Go down, be quiet“ Er habe verschiedene Blitzgedanken gehabt: „Ich werde entführt, oder hingerichtet. Es war schon sehr grausam,“ erzählte der gelernte Industriekaufmann, der darüber schwieg, was er heute macht und wo er wohnt, um keine Wiederholungen zu provozieren. Seit dem Tag gehörten Angstzustände zu seinem Leben, so der Zeuge. „Die Unbefangenheit ist verloren gegangen.“ Der Prozess wird fortgesetzt.