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Spendenkampagne: Bonner sollen Beethovenhalle retten

Die Spendenkampagne stellten (v.l.) Wolfgang Fuchs, Reinhard Rösler, Dr. Wolfgang Illert und Hans Hinterkeuser, Geschäftsführer des Vereins ProBeethovenhalle, vor.

Die Spendenkampagne stellten (v.l.) Wolfgang Fuchs, Reinhard Rösler, Dr. Wolfgang Illert und Hans Hinterkeuser, Geschäftsführer des Vereins ProBeethovenhalle, vor.

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(Foto: Kirfel)

Bonn -

Das Dach ist beschädigt, das Mauerwerk an vielen Stellen brüchig, die Gärten haben ihren Charme verloren und die beleuchteten Brunnen sprudeln nicht mehr: Dass die Beethovenhalle dringend saniert werden muss, ist kein Geheimnis. 60 Millionen Euro sind für die Maßnahme veranschlagt, doch bislang stehen erst rund 55 Millionen Euro zur Verfügung.

Den Rest sollen nun die Bonner beisteuern. Im Restaurant DaCapo fiel am Montag der Startschuss für die Spendenkampagne zur Rettung der Beethovenhalle: Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) und der Verein ProBeethovenhalle rufen dazu auf, die Instandsetzung des Gebäudes finanziell zu unterstützen. Die DSD geht mit gutem Beispiel voran und stellt 100 000 Euro für die Sanierung des Kupferdaches bereit.

„Wir sind auf privates Engagement angewiesen, weil ein Teil der Kosten noch nicht gedeckt ist“, betonte Stadtdirektor Wolfgang Fuchs. Von den 60 Millionen Euro übernimmt die Stadt 50 , weitere fünf Millionen für die Sanierung des Studios stellt die Sparkasse Köln/Bonn zur Verfügung. „Die Sparkasse hat bereits signalisiert, dass sie auch über ein weiteres Engagement nachdenkt“, sagte der Stadtdirektor.

5 Millionen Euro fehlen

Trotzdem benötige man also noch rund fünf Millionen Euro. Fuchs räumte ein, dass es noch Unwägbarkeiten gibt: „Was die Maßnahme letztlich kosten wird, können wir erst im Herbst sagen wenn das Ausschreibungsverfahren beendet ist und die Angebote der Firmen vorliegen.“

Der Vorsitzende des Vereins ProBeethovenhalle, Reinhard Rösler, erinnerte daran, dass die Bonner schon seinerzeit für den Bau eine Million Mark gespendet hatten: „Jetzt können wir wieder spenden, um die gute Stube der Stadt zu erhalten.“

Für den Vorsitzenden der Stiftung Denkmalschutz, Dr. Wolfgang Illert, ist die Beethovenhalle ein „herausragendes Monument in Deutschland“ und eines der „markanten Bauwerke aus den 1950er und -60er Jahren“ in der Bundesstadt. Eine städtebauliche Besonderheit sei der fließende Übergang von draußen nach drinnen.

„Mit der Bereitstellung von 100 000 Euro für das Kupferdach wollen wir ein Zeichen setzen, dass wir von Anfang an dabei sind und uns zum Schluss auch um die Herrichtung der Außenanlagen kümmern werden“, erklärte Dr. Karin Gehrmann, Referentin Denkmalförderung der DSD.

Die Leiterin Marketing der DSD, Eva Masthoff, unterstrich, dass die Stiftung ihre Öffentlichkeitsarbeit auf die Rettung der Halle ausrichten werde. Für das Projekt werde auf der Internetseite, die monatlich 16 000 Besucher habe, sowie in der Märzausgabe der Zeitung Monumente und in Flyern, die mit dem Verein ProBeethovenhalle erstellt worden seien, geworben. Zudem könnten dank der Stadt auch mehrere beleuchtete Großflächenplakate genutzt werden.

Im Herbst wird laut Fuchs die Baustelle eingerichtet, die Arbeiten sollen dann im Januar beginnen und 18 Monate dauern. Hauptspielort des Beethovenfestes 2017 werde das World Conference Center sein.

„Das ist zwar kein Konzertsaal erster Güte, aber damit kann man zurechtkommen“, meinte Fuchs. 2018 soll das Fest dann wieder in der Halle stattfinden. „Es ist ein knappes Zeitfenster, aber der Projektsteuerer und die Architekten sind optimistisch“, sagte der Stadtdirektor. Allerdings müssten für Arbeiten an dem Studio und für ein Technikbauwerk Grabungen durchgeführt werden. „Da wir auf ehemals römischem Gebiet sind, weiß man nie, ob etwas gefunden wird und es zu Bauverzögerungen kommt.“

Kostenabweichung

von 20 Prozent

Da man den Zeitrahmen und das Kostenziel einhalten müsse, werde er während der Maßnahme keiner Änderung zustimmen. Am Donnerstag werde im Beirat das Prüfergebnis für die Kostenschätzung vorgestellt. „Das Risiko für eine Kostenabweichung beträgt 20 Prozent. Größter Einzelposten ist die Haustechnik mit 14 Millionen Euro.“ Während der Arbeiten sollen für die Spender Baustellenführungen angeboten werden.

Zurzeit wird laut Fuchs auch ein Konzept erstellt, um nach der Sparkasse weitere Unternehmen für das Projekt zu gewinnen. Denkbar sei auch, dass Spender einen der 3000 benötigten Stühle finanzieren und dafür ihr Name eingraviert werde. Fuchs forderte auch die Unterstützer des beerdigten Festspielhauses auf, die Kampagne zu unterstützen: „Ich kann verstehen dass sie enttäuscht sind, aber ich kann nicht nachvollziehen, dass sie der vorhandene Spielstätte nicht helfen.“