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Kölnische Rundschau | Suche nach einer „historischen“ Stätte: Gedenkstätte für Bonner NS-Opfer prüft Alternativen zum Standort Viktoriakarree
02. February 2016
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Suche nach einer „historischen“ Stätte: Gedenkstätte für Bonner NS-Opfer prüft Alternativen zum Standort Viktoriakarree

Gedenkstätten-Leiterin Astrid Mehmel (hier im Gedenkraum) sucht zusammen mit dem Trägerverein und mit Unterstützung von OB Sridharan nach einem geeigneteren Standort. (Archivfoto)

Gedenkstätten-Leiterin Astrid Mehmel (hier im Gedenkraum) sucht zusammen mit dem Trägerverein und mit Unterstützung von OB Sridharan nach einem geeigneteren Standort. (Archivfoto)

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Böschemeyer

Bonn -

Vor gut 19 Jahren wurde die erste ständige Dauerausstellung in der Gedenkstätte für die Bonner Opfer des Nationalsozialismus an ihrem Standort im Viktoriakarree an der Franziskanerstraße 9 eröffnet. Der Standort kam im vergangenen Jahr arg ins Wackeln, als im Zuge der Vermarktung der städtischen Liegenschaften im Viktoriakarree an einen Privatinvestor bei der Verwaltung der Gedanke aufkam, die Gedenkstätte in eine „Besenkammer“ im Stadthaus zu verbannen (wir berichteten).

Nun, diese Variante scheint mit dem Scheitern der Vermarktung erstmal vom Tisch. Die rührige Leiterin der Gedenkstätte, Astrid Mehmel, kann aufatmen, die Arbeit kann weitergehen. Wie lange noch an der alten Adresse, steht in den Sternen, Astrid Mehmel und der Trägerverein der Gedenkstätte machen aber kein Hehl daraus, dass man Ausschau nach einem geeigneteren Standort hält. Mit leicht ironischem Unterton sagte Astrid Mehmel im Rundschau-Gespräch: „Die Bonner Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus ist bundesweit ein Unikum. Sie ist die einzige von insgesamt 26 Gedenkstätten in Deutschland, die sich nicht an einem historischen Ort befindet.“

„Licht am Ende des Tunnels“

Zur Erinnerung: Die alte Bonner Synagoge befand sich unmittelbar am Rheinufer und wurde bei der berüchtigten Pogromnacht am 9. November 1938 von den Nazis niedergebrannt. Ein Gedenkstein am Ufer erinnert an ihren Standort. Es gibt aber noch andere „authentische“ Gedenkorte im Stadtgebiet, beispielsweise das ehemalige Kloster „Zur ewigen Anbetung“ in Endenich, wo die jüdischen Bonner Mitbürger vor ihrem Abtransport in die Vernichtungslager untergebracht waren.

Astrid Mehmel sieht bei der Standortsuche nun etwas „Licht am Ende des Tunnels“. Es tut sich was. Oberbürgermeister Ashok Sridharan hatte in seiner Antrittsrede die Bedeutung der Gedenkstätte für die Stadtgeschichte hervorgehoben und will auch bei der Suche nach einem neuen Standort behilflich sein. „Zurzeit prüfen wir mögliche Standorte im Stadtgebiet, sehr viele gibt es nicht, man wird sehen“, meint Astrid Mehmel. Wie die Leiterin der Gedenkstätte mitteilt, habe OB Sridharan das Alte Rathaus ins Gespräch gebracht, schließlich herrschte hier von 1933 bis 1945 der Nazi-OB Ludwig Rickert, was denn auch – von der Täterseite aus betrachtet – eine historische „Authentizität“ besäße.

Astrid Mehmel schaut aber auch auf die andere Rheinseite und hat hier die Gedenkstele für den Standort der alten Synagoge in Beuel im Blickfeld. In der Umgebung der Stele gäbe es noch städtische Liegenschaften, sagt sie. Entschieden ist noch lange nichts.

Arbeitskreis der NS-Gedenkstätten und Erinnerungsorte in NRW unterstützt bei Standortsuche

Die Leiterin der Gedenkstätte sieht auch finanzielle Aspekte bei einem Umzug an eine historische Stätte. „Da gibt es großzügige Mittel aus dem Etat des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und auch das Land NRW öffnet seine Schatullen.“ Auf die muss die Bonner Gedenkstätte – bis auf eine kleine Beteiligung des Landes – bislang verzichten.

Astrid Mehmel erwähnt in diesem Zusammenhang das Beispiel der Dortmunder Mahn- und Gedenkstätte an der Steinwache, wo sich bis 1945 ein berüchtigtes Nazi-Gefängnis befand. Die Gedenkstätte wird derzeit für drei Millionen Euro saniert und umgebaut, wobei die Stadt Dortmund 800 000 Euro beisteuert, der Rest wird mit Bundes- und Landesmitteln finanziert.

Unterstützung bei der Standortsuche leistet auch der Arbeitskreis der NS-Gedenkstätten und Erinnerungsorte in NRW, der kürzlich unter der Leitung von Professor Dr. Alfons Kenkmann zu seiner ersten Sitzung in diesem Jahr in Bonn zusammenkam. Der Arbeitskreis beschloss, sich schriftlich an die Stadt zu wenden, um die Dringlichkeit dieser Entscheidung zu unterstreichen. Professor Kenkmann sagte: „Die Zeit drängt nun auch in Bonn, einen angemessenen und würdigen Standort zu finden. Dabei ist es erfreulich, dass OB Sridharan bei der Suche nach einem geeigneten Standort hilft.“


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