Aktuelle Nachrichten aus Köln, der Region und der ganzen Welt

Theater im Kloster: Was sich schätzt, das hasst sich . . .

Bernd Stelter (l.) und Gerhard Fehn agieren als Al und Will. (Foto: Homey)

Bernd Stelter (l.) und Gerhard Fehn agieren als Al und Will. (Foto: Homey)

Bornheim -

Will Clark ist ein Stinkstiefel: cholerisch, starrköpfig und seine Umgebung piesackend. Er ist ein abgewrackter Comedian, der nicht einsehen will, dass die Züge am Broadway längst abgefahren sind und die TV-Show des legendären Ed Sullivan, in der er und sein Alter Ego Al Lewis einst als die „Sunny Boys“ glänzten, in der Mottenkiste verschwunden ist.

Will muss sich mit kleinen Werberollen, die ihm sein Neffe Ben vermittelt, über Wasser halten: „Ich habe das passende Gesicht für einen verkorksten Magen, deshalb Alka Seltzer!“ Wohl wahr. Und dann, nach elf Jahren Pause, verkuppelt Neffe Ben seinen Onkel Will mit dem von ihm gehassten wie geschätzten Kollegen Al Lewis für ein TV-Remake ihres einst gerühmten Doktor-Sketchs.

Es kommt, wie es kommen muss: Clark und Will verabreichen sich gegenseitig große Dosen an Salzsäure: „Will, Du hat aber argen Blutandrang im Kopf“ – „Al, Du wärst froh, wenn Dein Blut noch in Deine Beine fließen könnte . . .“

Neil Simons Broadway-Klassiker „Sunny Boys“ feierte am Donnerstag Vorpremiere im Bornheimer Theater im Kloster mit dem Hausherrn Gerhard Fehn als Will Clark und dem Wahl-Bornheimer, Büttstar und TV-Talkmaster Bernd Stelter als Al in den Hauptrollen. Um es auf den Punkt zu bringen: Dieses ungleiche Duo fand nach einem kurzen Anlauf bestens zueinander, wobei Bernd Stelter das Handicap meisterte, einen ungleich älteren, gichtkranken Mimen zu verkörpern. Gerhard Fehn, der Senior des Duos, hatte es da leichter, er musste sich – zum großen Vergnügen des Publikums – eigentlich nur selbst spielen.

Dem Handlungsablauf hätte im ersten Akt eine leichte Straffung gut getan, Regisseurin Cécile Kott, die zusammen mit Gerhard Fehn das Theater im Kloster“ seit einem Jahr führt, ließ Al Lewis lange vor der Tür stehen. Aber dann nahm das Stück richtig Fahrt auf. Das war aber auch den beiden Darstellern der Nebenrollen zu verdanken, die ihren Part gut beherrschten. Hagen Range, der den Neffen Ben spielt, gewann der undankbaren Rolle eines Gutmenschen zwischen zwei Egomanen eine eigene Note ab, und Monika Sobetzko glänzte in der Doppelrolle als Krankenschwester. Im besagten Doktor-Sketch wackelt sie hinreißend mit dem Hintern, als Pralinen futternde, übellaunige Krankenschwester pflegt sie Will nach dessen Herzattacke.

Am Ende dieses eigentlich tragikomischen Stücks finden die beiden ungleichen Mimen zueinander. Sie realisieren, dass sie nur noch im Altersheim für gewesene Bühnenstars eine Rolle spielen können. Aber hier werden sie das Heim rocken. Versprochen!

Bornheim, Secundaweg 2-5; die Aufführungen heute und am Sonntag sind ausverkauft; es folgen noch zwei weitere Aufführungen am 9. und 13 Oktober. Kartenbestellungen unter der Rufnummer (022 22) 80 48 148 sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen