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Vorfälle in Bornheim und Alfter: Flüchtling belästigt Passantin

Einsatz für die Polizei. (Symbolfoto)

Einsatz für die Polizei. (Symbolfoto)

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dpa

Bornheim/Alfter -

Nur wenige Tage nach den Gewaltexzessen am Kölner Hauptbahnhof hat es offenbar auch einen sexuellen Übergriff eines Zuwanderers in Bornheim gegeben. Wie die Bonner Polizei gestern auf Anfrage der Rundschau bestätigte, soll ein 18-jähriger registrierter Zuwanderer am 6. Januar um 17.20 Uhr in der Kartäuserstraße eine 54-jährige Spaziergängerin angesprochen und unsittlich berührt haben. Es heißt, er habe sie küssen wollen. Ermittelt wird wegen des Verdachts einer sexuellen Straftat. Ein Passant hatte auf Hilferufe der Frau reagiert und war eingeschritten. Das Opfer blieb unverletzt, der junge Mann wurde festgenommen, erkennungsdienstlich behandelt, und wieder freigelassen.

Im turnusmäßigen Polizeibericht war die Meldung nicht aufgetaucht. Erster Polizeihauptkommissar Robert Scholten sagte der Rundschau auch, warum: „Es war nicht wie in Köln ein Gruppendelikt, außerdem ist die Frau nicht verletzt worden. Und wir wissen, wer der Verdächtige ist.“ Gerade nach den Kölner Übergriffen sei Sensibilität gefragt. Ist die Befürchtung berechtigt, dass die Stimmung von der Willkommenskultur schnurstracks ins Gegenteil kippt?

Nach Rundschau-Informationen hat es noch zwei weitere Übergriffe in Bornheim gegeben, inner- und außerhalb von Flüchtlingseinrichtungen. Eine Frau soll im Schwimmbad belästigt worden sein.

Keine leichte Zeit auch für den Bornheimer Sozialdezernenten Markus Schnapka. „Wir möchten nicht, dass mögliche Straftäter wieder in die Einrichtungen zurückkehren“, sagte Schnapka der Rundschau auf Anfrage. Erste Maßnahmen greifen bereits: Seit Montag ist der Wachdienst an den Flüchtlingsunterkünften verstärkt worden, die Stadt arbeitet intensiv mit der Polizei „bei allen sicherheitsrelevanten Themen zusammen“, so Schnapka, und sie unterstützt den Opferschutz und die Betreuung. Es soll Informationen für Flüchtlinge in deren Muttersprachen geben, weiterhin Informationen für Schulen und Betreuer. Schnapka: „Wir wollen uns die Willkommenskultur nicht kaputt machen lassen.“

Für Monika Rudeloff, ehrenamtliche Koordinatorin der ökumenischen Flüchtlingsarbeit in Alfter, haben die Bilder aus der Silvesternacht in Köln zu so heftiger Erschütterung geführt, dass sie ihre Arbeit in der Helfergruppe mit sofortiger Wirkung eingestellt hat. „Ich konnte mir nicht im Entferntesten vorstellen, dass sich vor dem Hintergrund der überall geleisteten aufopfernden ehrenamtlichen Hilfe und unserer Willkommensgesellschaft insgesamt eine derartige Undankbarkeit, Respektlosigkeit und Gesetzlosigkeit auch durch Schutzsuchende offenbart“, schrieb sie auf der Facebook-Seite des „Asylkompass Alfter“. Und weiter: „Die vage Möglichkeit, dass nur ein einziger Schutzsuchender in Alfter ähnlich denken und handeln könnte, macht mir Angst und lässt mich zutiefst daran zweifeln, ob mein Engagement bei Asylkompass richtig ist. Rückblickend muss ich mir leider auch eingestehen, dass ich viele persönliche Erfahrungen während meiner bisherigen Flüchtlingsarbeit optimistisch verdrängt habe.“

Hinzu komme, und das beeinträchtige die praktische Arbeit am meisten, dass auch die Zusammenarbeit mit Bürgermeister Rolf Schumacher (CDU) alles andere als motivierend, transparent und vertrauensvoll gewesen sei, erklärte Rudeloff, die auch stellvertretende Vorsitzende der Alfterer FDP-Ratsfraktion ist. Inzwischen sei sie aufgrund der „belasteten Gesamtsituation“ gesundheitlich angeschlagen. Zahlreiche Kommentatoren auf der Facebookseite bedauerten den Schritt und wünschten ihr eine baldige Genesung. Der Rückzug der engagierten Helferin zeige, dass so eine umfassende Koordinationsaufgabe kaum ehrenamtlich geleistet werden könne. Es sei mehr Absicherung durch eine „amtliche“ Einbindung nötig.

Rolf Schumacher äußerte sich gestern auf Anfrage nicht zu dem Schritt von Monika Rudeloff . Er wolle mit den Verantwortlichen der Kirchen in dieser Woche besprechen, wie die tolle ehrenamtliche Arbeit gut weitergehen könne.

Für große Unstimmigkeiten zwischen der ehrenamtlichen Koordinatorin der Alfterer Flüchtlingsarbeit und dem Bürgermeister hatten offenbar Pläne gesorgt, in Oedekoven an der Ecke Waldstraße/Am Herkenbusch eine Unterkunft für circa 60 Flüchtlinge zu errichten. Weder politische Fraktionen noch Anwohner seien vorher beteiligt worden, kritisierte am Wochenende Monika Rudeloffs Ehemann Roger in einem Brief an Schumacher. Vor dem Hintergrund der geplanten Beschlussfassung bereits in der nächsten Woche gleiche dies einer bewussten Überrumplungstaktik.

Bürger seien bereit, bei Rat und Verwaltung vehement zu protestieren.