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Kölnische Rundschau | Warnung nicht überall zu hören: Stadt Königswinter hat Lücken im Sirenennetz
08. January 2016
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Warnung nicht überall zu hören: Stadt Königswinter hat Lücken im Sirenennetz

Drei solcher Mastsirenen sollen in Königswinter aufgestellt werden.

Drei solcher Mastsirenen sollen in Königswinter aufgestellt werden.

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(Quelle: Firma Hörmann/Stadt Königswinter)

Königswinter -

Im April 2014 stieg eine Chlorgaswolke über dem Chemiebetrieb Evonik in Niederkassel auf. Durch den einminütigen auf- und abschwellenden Heulton wurden Menschen im Siebengebirge aufgefordert, Fenster und Türen zu schließen und das Radio einzuschalten.

Allerdings dürften in Königswinter nicht alle Bürger die Warnung gehört haben. „Im östlichen Stadtgebiet bestehen nämlich derzeit noch Warnlücken, sodass die Bevölkerung mehrerer Stadtteile nicht mit dem Warnsignal erreicht werden kann.“ Das teilte die Stadtverwaltung in der jüngsten Sitzung des Bau- und Verkehrsausschusses mit.

43.000 Euro im Haushalt eingeplant

Der stimmte deshalb einstimmig dafür, in den betroffenen Stadtteilen Oberpleis, Berghausen und Rauschendorf sogenannte Mastsirenen aufzustellen. Rund 43 000 Euro hat die Stadt dafür eingeplant, davon kommen rund 22 000 Euro über den Rhein-Sieg-Kreis als Landeszuschuss in die städtische Kasse. Geschlossen werden sollen die Lücken in diesem Jahr.

Dass die drei und weitere Stadtteile warntechnisch unterversorgt sind im Falle von großen Schadens- und Gefahrenlagen wie extremen Unwettern oder beim Freiwerden gefährlicher Stoffe, das ist laut Stadt schon seit dem Jahr 2005 bekannt. Damals habe es eine entsprechende Untersuchung gegeben und deshalb bestehe Handlungsbedarf. Warum ist gut zehn Jahre nichts passiert? Stadtsprecher Ulrich Berres wies auf Anfrage der Rundschau auf zahlreiche andere Projekte in diesem Bereich wie die komplette Neuorganisation des Rettungsdienstes und den Brandschutzbedarfsplan hin, die Zeit und Personal gefordert haben. Daher sei das Thema Sirenen in den Hintergrund gerückt.

16 Meter hohe Mastsirene geplant

Nach den Plänen, die jetzt umgesetzt werden sollen, wird ein etwa 16 Meter hoher Mast auf der Rückseite des Rathauses in Oberpleis aufgestellt. Er müsse so hoch sein weil die Ortsmitte sonst durch das Altenheim St. Konstantia abgeschirmt werde. In Rauschendorf soll die Mastsirene am Kindergarten voraussichtlich 14 Meter hoch werden. In Berghausen werden laut Ulrich Berres derzeit noch Gespräche mit dem Bürgerverein wegen des genauen Standortes geführt. Da gebe es „unterschiedliche Auffassungen“. Ursprünglich wollte die Stadt die zusätzlichen Sirenen auf städtische Gebäude setzen, doch diese Pläne scheiterten an der Nachbarbebauung, der Topographie oder der Statik der Dächer. Deshalb die Lösung mit dem Masten.

Berres stellte auf Nachfrage auch klar, dass die Katastrophenschutzsirenen nichts zu tun haben mit der Alarmierung der Feuerwehr. Das passiere in der Regel über Melder (sogenannter stiller Alarm), und nur bei großen Einsätzen kommen zusätzlich über Feuerschutzsirenen hinzu. Allerdings müssten alle Sirenen im Stadtgebiet umgerüstet werden, weil die Funkempfänger den Entwarnton derzeit nicht verbreiten könnten. Dass der in der Region ausblieb, hatte auch nach der Chlorgaspanne bei Evonik für Diskussionen gesorgt.

Trotz modernster Kommunikationsmittel will der Rhein-Sieg-Kreis auf die Warnung per Sirene nicht verzichten, wie er im August 2014 den Städten mitteilte. Diese Art der Warnung der Bevölkerung sei, so die Stadtverwaltung, „das schnellste und wirksamste Mittel“ Vorausgesetzt natürlich, man kann sie hören.