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Kölnische Rundschau | Feuer ausgebrochen: Chemikalien-Tank bei Shell explodiert
09. January 2014
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Feuer ausgebrochen: Chemikalien-Tank bei Shell explodiert

Feuer auf dem Werksgelände in Godorf.

Feuer auf dem Werksgelände in Godorf.

Foto:

Costa Belibasakis

Köln -

Nach dem Brand eines Chemikalientanks in einer Kölner Raffinerie hat die Feuerwehr auch in der Nacht weiter nach Schadstoffen in der Luft geforscht. Mit Messwagen wurde das Gebiet um die Shell-Raffinerie immer wieder weiträumig abgefahren. Ergebnis: in der Atemluft fand sich weiterhin keine Belastung. Nun sucht die Feuerwehr nach Ruß, der herunterfällt und sich ablagert.

Es war 14.55 Uhr am Donnerstag, als bei der Kölner Polizei und der Feuerwehr die Telefone heißliefen. Aufgeregte Anwohner berichteten von einer "Explosion", einem "lauten Knall" und einer "riesigen Rauchsäule" im Kölner Süden. Schnell wurde klar: Auf dem Shell-Werksgelände im Stadtteil Godorf war ein Großbrand ausgebrochen - mit anfangs ungeahntem Ausmaß. Der dunkle Rauchpilz prägte am späten Nachmittag das Stadtbild der Domstadt - auch in den umliegenden Städten war der Brand noch deutlich sichtbar.

Die Feuerwehr löste Großalarm aus und erwog eine sofortige Evakuierung von Hunderten Häusern rund um die Raffinerie. Die Schulen wurden gegen 16 Uhr geschlossen und die Bürger aufgefordert, Türen und Fenster zu schließen.

"Wir können eine Gefährdung für die Bevölkerung nicht ausschließen. Es ist noch unklar, ob von der Rauchwolke eine Gefahr ausgeht", sagte Stadtdirektor Guido Kahlen der Rundschau kurz nach dem Ausbruch des Feuers.

Dann wurde klar: Gebrannt hat die gefährliche Chemikalie Toluol, die in einem sogenannten Schwimmdachtank gelagert war. Nach Informationen der Rundschau waren mehrere 10 000 Liter der Chemikalie in dem Tank. Beim direkten Einatmen des ausgetretenen Stoffes können Hautreizungen und Atemprobleme auftreten. Bei schweren Verläufen kann es auch zu Erbrechen, Schwindel oder starken Kreislaufproblemen kommen. Eine Unternehmenssprecherin nannte den Stoff giftig, aber nicht krebserregend.

"Am Unfallort gab es nach bisherigen Erkenntnissen keine Verletzten", sagte ein Polizeisprecher gestern Abend . Auch von Bürgern aus Godorf oder anderen Stadtteilen, die sich wegen gesundheitlicher Probleme an Krankenhäuser oder Ärzte gewandt haben, wusste die Kölner Polizei nichts. Die Berufsfeuerwehr war mit mehreren Messwagen im Kölner Süden unterwegs. Bis zum frühen Abend lagen die gemessenen Werte "deutlich unterhalb aller gesundheitsrelevanten Grundwerte", teilte die Stadt Köln mit.

Bei der Bewältigung des Großbrandes hatten die Einsatzkräfte große Mühe. Zuerst hieß es um 16 Uhr "Feuer aus", doch die Flammen loderten immer wieder auf, wie aus Behördenkreisen zu hören war. "Der Brand kommt nicht zur Ruhe", sagte ein Polizist. Von einer Evakuierung von Teilen von Godorf wurde gegen 16.30 Uhr abgesehen, wie die Polizei mitteilte. Um 17.30 Uhr war das Feuer nach Behördenangaben unter Kontrolle.

Der Großbrand führte besonders im Süden der Stadt zu Verkehrsbehinderungen. Die Stadtbahnlinie 16 fuhr nicht nach Bonn und stoppte ihre Fahrten im Stadtteil Sürth. Aus Bonn kommend hielt die Bahn in Wesseling-Süd. Mehrere hundert Fahrgäste waren von den Störungen betroffen. Die vielbefahrene Autobahn 555 wurde nicht gesperrt, auch wenn dies anfangs von den Behörden angedacht wurde.

Offenbar aus Sorge um die Mitarbeiter schlossen in Godorf am Nachmittag mehrere Firmen ihre Pforten und schickten ihre Mitarbeiter nach Hause. Über die Ursache für den Großbrand machten die Behörden keine Angaben. Brandermittler der Kölner Kriminalpolizei sollen sich vermutlich heute den Unglücksort anschauen. Möglicherweise wird es eine Begehung an dem explodierten Tank jedoch wegen der entstandenen Hitze erst am Wochenende geben.

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisierte nach dem Großbrand die Geschäftspolitik und das Krisenmanagement des Unternehmens. Das Bürger- und Informationstelefon von Shell für den Notfall sei nicht zu erreichen gewesen.

Einige Bürger im Kölner Süden beschwerten sich bei den Behörden, dass die Sirenen als Warnung erst eine halbe Stunde nach dem Vorfall ertönt seien. Auch das Umwelttelefon von Shell soll nicht zu erreichen gewesen sein.

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