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Hooligan-Demo: „Eine solche Eskalation gab es lange nicht“

Vermummte Demonstranten in Köln

Vermummte Demonstranten in Köln

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dpa

Köln -

Wasserwerfer, Schlagstöcke und Reizgas: Die Polizei hat am Sonntag mit einem massiven Einsatz auf Ausschreitungen bei einer Hooligan-Kundgebung gegen Salafisten in Köln reagiert. Beamte seien mit Flaschen, Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen worden, sagte ein Polizeisprecher. „Dagegen sind wir vorgegangen.“ Ein Einsatzfahrzeug der Polizei wurde von den Demonstranten auf die Seite geworfen.

13 Polizisten wurden bei den Krawallen verletzt. Ein Polizist erlitt schwere Verletzungen und musste am Abend in eine Kölner Klinik gebracht werden. Eine solche Eskalation der Gewalt habe es in NRW lange nicht gegeben, meinte ein Beamter. „Sowas kennt man aus Berlin oder Hamburg - aber eigentlich nicht aus Nordrhein-Westfalen.“

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in NRW hat sich entsetzt über das Ausmaß der Gewalt bei der Hooligan-Demonstration in Köln gezeigt. „Gruppen, die sich sonst spinnefeind waren, haben gemeinsam Einsatzkräfte und Pressevertreter mit Flaschen und Feuerwerkskörpern angegriffen, Einsatzfahrzeuge demoliert und sogar Fahrräder auf meine Kolleginnen und Kollegen geworfen“, sagte GdP-Landeschef Arnold Plickert am Sonntag. „Hier geht es um Gewalt und sonst nichts.“ Die Hooligans hätten einfach einen Grund für eine Auseinandersetzung mit der Polizei gesucht.

Mindestens 2500 als gewaltbereit geltende Hooligans hatten sich am Sonntagnachmittag versammelt, um gegen Islamisten zu demonstrieren. Die Teilnehmer waren nach Angaben der Bundespolizei teilweise von weither angereist. Schon vor Beginn der offiziell angemeldeten Demonstration wurden am Kölner Hauptbahnhof „Ausländer-raus“-Rufe angestimmt. Zugleich kamen rund 500 Teilnehmer zu einer Gegendemonstration - unter ihnen war die Kölschband Brings. Die Polizei war unbestätigten Angaben zufolge mit rund 1000 Einsatzkräften vor Ort.

Als die Hooligans durch die Stadt zogen, kam es zu den heftigen Ausschreitungen am Ebertplatz. „Wir haben jetzt im Moment Pfefferspray, Schlagstöcke und Wasserwerfer im Einsatz und versuchen, die Lage etwas unter Kontrolle zu kriegen“, sagte ein Sprecher der Polizei. Mindestens eine Person wurde schwer verletzt. Laut Augenzeugenberichten ist sie von einer Flasche am Kopf getroffen worden.

Wenig später eskalierte die Lage auch am Hauptbahnhof. Weil Demonstranten versuchten, das abgesperrte Bahnhofsgebäude zu stürmen, setze die Polizei auch dort Wasserwerfer ein.

Als sich die Lage etwas beruhigt hatte, eskortierte die Polizei die Demonstranten in kleinen Gruppen durch den Bahnhof zu ihren Zügen, damit sie aus Köln abreisen konnten. Auch dabei kam es immer wieder zu kleineren Rangeleien mit den Einsatzkräften.

Zu Festnahmen konnte ein Polizeisprecher zunächst keine Angaben machen. Ein Hubschrauber habe aber auch Bilder aus der Luft gemacht. Diese würden nun von szenekundigen Beamten ausgewertet, um die Angreifer auch nachträglich zur Rechenschaft ziehen zu können.

Die „Hooligans gegen Salafisten“ sind eine Bewegung, die sich im Internet gebildet hat und sich über soziale Netzwerke organisiert. Neben gewaltbereiten Fußballfans werden auch Rechtsextreme der Bewegung zugerechnet. Das Bundesinnenministerium beobachtet sie nach eigenen Angaben wegen der hohen Gewaltbereitschaft unter den Sympathisanten seit einiger Zeit verstärkt. Die Kundgebung in Köln war von einem Funktionär der Anti-Islam-Partei Pro NRW angemeldet worden, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. (ta, kr, dpa)


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