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„Karneval! – Wir sind positiv bekloppt“: Dokumentarfilm sorgt für Gänsehaut

Museum Ludwig

Museum Ludwig

Köln -

Den ersten Szenenapplaus gab es schon, da war der Film noch gar nicht richtig gestartet. Eine Bildcollage aus dem Rosenmontagszug wird von Johann Strauss’ „Frühlingsstimmen“ untermalt. Die Komposition der Bilder mit der klassischen Musik ist atemberaubend. Bei den rund 300 geladenen Gästen, darunter viele Experten aus Karnevalsgesellschaften, sorgte sie für Gänsehaut, die sich direkt in begeistertem Applaus Bahn brach.

Bei der Vorpremiere des Dokumentarfilms „Karneval! – Wir sind positiv bekloppt“ im Filmforum NRW im Museum Ludwig war das gesamte Team von Regisseur Claus Wischmann anwesend. Man spürte förmlich, wie ihnen die Steine vom Herzen fielen. Nach der Vorführung gestand Wischmann, dass er die letzte Woche sehr schlecht geschlafen habe, „vor lauter Aufregung, der Film könnte vielleicht beim Publikum durchfallen“. Doch davon konnte keine Rede sein. „Karneval! – Wir sind positiv bekloppt“ wurde begeistert vom Test-Publikum aufgenommen.

Positiv bekloppt

Der 90-minütige Film erzählt, wie viel Blut, Schweiß und Tränen das närrische Treiben das ganze Jahr über kostet. Da ist die Tanzgruppe „Schlebuscher“, die immer schon im März mit den Vorbereitungen für die nächste Session beginnt. Oder der junge Tobias Eschweiler, der gerne als Büttenredner durchstarten will, dem aber Probleme in der Familie und die hohen Anforderungen der Auswahlkommissionen im Karneval sichtlich zu schaffen machen. Von Tobias Vater stammt auch der Filmtitel. Als er erklärt, was Karnevalisten ausmacht, bringt er es auf den Punkt: „Wir sind positiv bekloppt!“

Positiv bekloppt, das ist auch Biggi Fahnenschreiber. Die mittlerweile 82-Jährige, liebevoll „Mutter der Mariechen“ genannt, bringt sowohl die Tanzgruppe „Schlebuscher“ als auch das Männerballett „Crèmeschnittchen“ mit freundlicher Strenge zu Bestleistungen. Dabei kämpft sie selbst immer wieder mit Kassettenrekorder und Bandsalat – ja, richtig gelesen, Biggi Fahnenschreiber greift noch auf Kassetten zurück! – oder kommentiert beißend in die Kamera, dass ihr noch zu viele „Dicke“ in der Truppe sind.

In die Kinos kommen soll die Dokumentation „Karneval! – Wir sind positiv bekloppt“ Anfang Februar. Je früher, desto besser, kann man da nur sagen. Denn Claus Wischmanns Film macht unheimlich Lust auf die Tollen Tagen. Dass dieses Kunststück ausgerechnet einem gebürtigen Westfalen gelingt, macht die Stärke der Dokumentation aus. Frei von peinlicher Kölschtümelei oder bräsiger Selbstverliebtheit wirft Wischmann, einen neutralen, leicht distanzierten Blick auf das karnevalistische Treiben.

Und trotzdem ist der Streifen voller Sympathie für seine Protagonisten und den kölschen Fastelovend. Ein purer, wahrhafter und ergreifender Blick auf ein ganzes Jahr und eine ganze Stadt im Zeichen des Karnevals.