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Rautenstrauch-Joest-Museum: Dann eben ohne Sprinkler

Problemmuseum: Vor nicht einmal vier Jahren wurde das Rautenstrauch-Joest-Museum eröffnet – die Liste der Baumängel ist lang. (Foto: Schmülgen)

Problemmuseum: Vor nicht einmal vier Jahren wurde das Rautenstrauch-Joest-Museum eröffnet – die Liste der Baumängel ist lang. (Foto: Schmülgen)

Köln -

Aufgrund „dringender Bauarbeiten“ bleibt die Abteilung Rituale bis auf weiteres geschlossen. So steht es an der Tür im Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM). Die Dringlichkeit besteht schon seit Anfang des Jahres, nur die Arbeiten stehen noch aus. Seitdem im Januar bekannt wurde, dass die Sprinkleranlage im Haus stark fehlerhaft ist, suchen Stadt und Arbeitsgemeinschaft (Arge) einen Ausweg aus dem Dilemma.

Nach Informationen der Rundschau ist die angestrebte Sanierung des Sprinklersystems vom Tisch. Weil aber ein Neubau der Anlage eine längere Schließung des Hauses zur Folge hätte, prüft die Stadt nun ein Brandschutzkonzept ganz ohne Sprinkleranlage. Eine Entscheidung soll spätestens bis Ende des Jahres fallen.

„Wir warten dringend auf eine Entscheidung“

Ein Gutachten hatte nach einem Wasserschaden ausführlich dargelegt, dass in dem Rohrsystem nicht nur minderwertiges Material verbaut, sondern die Anlage auch in sich falsch konstruiert worden war. Seitdem müssen zwei Brandwachen rund um die Uhr an sieben Tagen der Woche über das Museum wachen. Zusätzliche Kosten: 35 000 Euro pro Monat, über 300 000 Euro seit Beginn des Jahres.

Im März hatte die Arge einen Sanierungsvorschlag eingebracht, der von der Stadt eingehend geprüft wurde. Vereinfacht gesagt sah die Idee vor, die Anlage mit einer speziellen Emulsion zu reinigen und so vom Rost zu befreien. Diese Variante gilt im Rathaus inzwischen als kaum akzeptabel. Ohne Änderung der Anlage und der falschen Neigungen seien die gleichen Schädigungen erneut zu befürchten. Das trocken geführte System muss schließlich im Probebetrieb regelmäßig geflutet werden.

Bliebe der Austausch der kompletten Anlage – diese Variante gilt im Rathaus als Horrorszenario. Denn dann müsste das Museum für mindestens zwei Jahre komplett geschlossen werden – oder einzelne Abschnitte für insgesamt doppelt so lange. Nicht gerade das, was sich ein Museumsdirektor wünscht. Ohnehin leidet das Haus nicht unter einem Besucheransturm. „Wir warten dringend auf eine Entscheidung“, sagt Professor Klaus Schneider, Chef des RJM.

Und die könnte nun ein ganz neues Brandschutzsystem vorsehen – ohne Sprinkleranlage. Für diesen Lösungsweg werden derzeit Raumgrößen und Rauchentwicklungen in Computersimulationen durchgespielt. „Wir prüfen weiter alle Varianten“, teilt die Stadt offiziell mit. Aber es gebe auch Museen, die ohne Sprinkleranlage geführt werden. Genauer gesagt haben beispielsweise weder das Ludwig, noch das Wallraf, noch das Museum für Angewandte Kunst eine.

Warum dann überhaupt im RJM? Im Genehmigungsverfahren sind laut Stadt aufgrund der großflächigen Ausstellungsbereiche Abweichungen vom engen Brandschutzkonzept vorgenommen worden. Diese seien durch die Sprinkleranlage kompensiert worden. Allerdings seien heute, zehn Jahre nach dem damaligen Wettbewerbsverfahren, deutlich präzisere Simulationen möglich. Soll heißen: Die Kompensation durch Sprinkler ist möglicherweise nicht mehr zwingend. „Viele Museen werden ohne Sprinkleranlage geplant“, sagte der Brandschutzexperte Professor Jochen Zehfuß von der Technischen Universität Braunschweig. Schon, weil bei einem Schaden der Anlage oder Fehlarm die Schäden durch Wasser extrem sein könnten.

„Die Sprinkleranlage ist sowieso immer das letzte Glied in der Kette“, sagt Michael Lohaus aus der Kulturverwaltung der Stadt. Voraussetzung für ein neues Brandschutzkonzept wären geschlossene Brandabschnittsbereiche, die durch automatisch zu schließende Türen oder Tore zu begrenzen wären. Das Brandmeldesystem müsste entsprechend nachjustiert werden. Ebenso würden Flucht- und Rettungswege noch einmal neu bewertet.

Da die Arge in der Gewährleistungspflicht steht, müsste sie auch bei einem Verzicht auf eine Sprinkleranlage wohl Schadenersatz zahlen. Die Brandwachen wird die Stadt in jedem Fall in Rechnung stellen. Die Zeit drängt allmählich, denn die Ausnahmegenehmigung für die Brandwachen gilt nur noch bis zum Frühjahr. Die Stadt kündigte eine Entscheidung bis Ende des Jahres an.