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Abschied und Neubeginn: Evangelische Kreuzkapelle in Köln-Riehl zur Synagoge umgewidmet

Blumen der Versöhnung: Am Ende des Umwidmungsgottesdienstes verteilten Kinder der Jüdischen Liberalen Gemeinde Blumen an die Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde Köln-Riehl.

Blumen der Versöhnung: Am Ende des Umwidmungsgottesdienstes verteilten Kinder der Jüdischen Liberalen Gemeinde Blumen an die Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde Köln-Riehl.

Foto:

Hanano

Köln -

Am Ende war es nur noch ein leichter Puster. Indem er die zwei Kerzen auf dem Altar ausblies, beendete Superintendent Rolf Domning mit einem symbolischen Akt die Umwidmung der Kreuzkapelle. Zuvor hatte die evangelische Kirchengemeinde Köln-Riehl gestern die Kapelle an der Stammheimer Straße bei einem Gottesdienst an die Jüdische Liberale Gemeinde der Stadt übergeben, die fortan dort eine Synagoge betreiben wird. Es ist das erste Kirchengebäude der Evangelischen Kirche im Rheinland das eine solche Umwidmung erfahren hat.

Dabei ist die Vorgeschichte dieser Kapelle von besonderer Bedeutung. In der Zeit des Nationalsozialismus hatte die Kreuzkapelle nämlich keine rühmliche Rolle gespielt, so wurden von dort zahllose zum Christentum konvertierte Juden mit einem Gottesdienst zu den Fahrten in die Konzentrationslager verabschiedet.

Ein Abschied und ein Neubeginn

Präses Manfred Rekowski erinnerte während seiner Predigt im Entwidmungsgottesdienst an die bleibende Erwählung Israels. Er sprach sich gegen eine Mission unter Juden aus, da Gott, so der Leitende Geistliche der rheinischen Kirche, seine Verheißung für das israelische Volk nie zurückgenommen habe. Die Umwidmung der Kreuzkapelle sei ein „wichtiger Schritt in unserem Prozess der Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden“, sagte der Präses. Zudem bezog Rekowski sich auf den zuvor verlesenen Bibeltext über die „Fußwaschung“. In diesem sehe er die Rolle der Kirche als „dienende Kirche“. Es stünde den Christen zudem gut an, „den Juden dienend entgegenzutreten und nicht hochmütig“.

Die Umwidmung sieht Rekowski nicht bloß als einen Abschied, sondern auch als Neubeginn. Es bleibe ein Ort, an dem Gott gelobt werde, begrüßte er die Weitergabe der Kapelle an die liberale jüdische Gemeinde. (roe)