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Abweisung von Vergewaltigungsopfer: Täuschungsaktionen beeinflussten die Kliniken

Auch das St. Vinzenz-Hospital in Köln soll ein Vergewaltigungsopfer abgewiesen haben.

Auch das St. Vinzenz-Hospital in Köln soll ein Vergewaltigungsopfer abgewiesen haben.

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dpa

Köln -

Täuschungsaktionen ultrakonservativer Abtreibungsgegner könnten mit dazu beigetragen haben, dass Ärzte zweier katholischer Krankenhäuser in Köln das Opfer einer Vergewaltigung abgewiesen haben. Christoph Leiden, Sprecher der Stiftung der Cellitinnen zur Heiligen Maria, die Trägerin der Kliniken ist, bestätigte, dass es vor gut einem Jahr mehrere solcher Täuschungsversuche an Kölner Krankenhäusern und anderen in Deutschland gegeben habe. Einen direkten Zusammenhang mit der ethischen Richtlinie für den Umgang mit Opfern von Sexualdelikten, die später für die Krankenhäuser der Cellitinnen erarbeitet worden sei, sieht Leiden zwar nicht. "Allerdings hat uns das vielleicht noch einmal sensibilisiert."

Die Abtreibungsgegner sind bei ihren "Tests", wie auch einem Bericht des ultrakonservativ-katholischen Senders "Gloria TV" zu entnehmen ist, immer nach derselben Methode vorgegangen: Eine junge Frau wendet sich an Krankenhäuser in katholischer Trägerschaft (in Köln waren es das Severinsklösterchen, St. Antonius-Krankenhaus, St. Franziskus-Hospital und St. Vinzenz-Hospital). Sie gibt vor, nach ungeschütztem Sex schwanger zu sein, und verlangt die "Pille danach". Die "Patientin" wird dann an die Notfallambulanz der Kassenärztlichen Vereinigung verwiesen, die ihre Praxisräume ebenfalls auf dem Krankenhausgelände hat. Dort erhält die Frau ihr Rezept. Für die Abtreibungsgegner ist das der Beweis: Die katholische Kirche ist an der Verschreibung der "Pille danach" beteiligt.

Test-Methode ist "perfide"

Cellitinnen-Sprecher Leiden nennt die "Test"-Methode der Abtreibungsgegner "perfide". Als man davon Kenntnis erlangte, habe man die Information auch an das Erzbistum weitergegeben, allerdings nicht an den Kardinal, sondern an einen Moraltheologen. Ein Sprecher des Erzbistums konnte gestern nicht sagen, wie man dort weiter mit dem Fall umgegangen sei.

Unterdessen ist die Stiftung der Cellitinnen zur Heiligen Maria immer noch bemüht, Details der Abweisung einer 25-Jährigen zu klären, die vor einigen Tagen für deutschlandweite Aufregung gesorgt hatte. Wie berichtet, war die junge Frau vermutlich mit K.O.-Tropfen betäubt und dann vergewaltigt worden. Sie hatte sich an die Notfallambulanz des Vinzenz-Hospitals gewandt und war dort zunächst erstversorgt und dann beraten worden. Der telefonische Versuch der Notfall-Ärztin, die Patientin zur anonymen Spurensicherung und Weiterbehandlung ins Vinzenz- und später ins ebenfalls von den Cellitinnen getragene Heilig-Geist-Krankenhaus zu überweisen, soll dann an der Ablehnung der dortigen Gynäkologen gescheitert sein.

Leiden nahm auch Stellung zu einem anderen Fall: Im St. Franziskus-Hospital sei, bestätigte er, am Karsamstag 2012 ein Paar in Begleitung einer jungen Frau erschienen, die offenbar ebenfalls vergewaltigt worden war. Weil das Krankenhaus keine gynäkologische Abteilung habe, habe man der Frau geraten, sich an die Uni-Klinik oder das Vinzenz-Hospital zu wenden. Im Vinzenz-Hospital sei sie dann behandelt worden. Der Umgangston des Paares, das sich um die Frau gekümmert habe, sei "ruppig" gewesen.


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