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Altkleider: Ein klassisches Eigentor

Die grauen Altkleidercontainer der AWB stehen in allen Stadtbezirken.

Die grauen Altkleidercontainer der AWB stehen in allen Stadtbezirken.

Foto:

Meisenberg

Köln -

Im Zusammenhang mit der Aufstellung von Altkleidercontainern haben die Wohlfahrtsverbände ein klassisches Eigentor geschossen. Das bringt sie ab 2015 jährlich um geschätzte 185 000 Euro. Grund: Die Stadt hatte ihnen zugesichert, mit der Sammlung durch die Abfallwirtschaftsbetriebe werde die Hälfte des Erlöses an die Verbände abgeführt. Statt sich mit einer Regelung in der Grauzone zufriedenzugeben, bestanden die Verbände darauf, klären zu lassen, ob sie den Anspruch auf Dauer haben. Die rechtliche Prüfung ergab: Die Gebührenzahler allein müssen in den Genuss der Erlöse kommen. Jetzt bekommen die Wohlfahrtsverbände nur noch für dieses Jahr den versprochenen Anteil.

Das teilte die Stadtverwaltung auf Anfrage der CDU-Fraktion im vorigen Sozialausschuss mit. Die Christdemokraten sind in Rage. „Wir fühlen uns von der Verwaltung über den Tisch gezogen“, schimpft CDU-Ratsfrau Ursula Gärtner, „die hat uns gesagt: ,Das machen wir schon.’ Nur deshalb haben wir der Neuordnung zugestimmt.“

Peter Winkels, Betriebsleiter der Abfallwirtschaftsbetriebe, schildert die Lage aus seiner Sicht. Danach war die versprochene Hälfte für die Verbände ein Entgegenkommen. „Für uns gab es zwei Gründe für die Aufstellung der AWB-Container und die Entfernung illegal aufgestellter Container“, sagt er. Zum einen sei 2008 bei einer Haus- und Geschäftsmüllanalyse festgestellt worden, dass sich im Kölner Hausmüll etwa 6000 Tonnen Altkleider befanden. Nach einer europäischen Vorgabe müsse dafür gesorgt werden, dass 2020 bestimmte Mengen an Wertstoffen aus dem Hausmüll verschwinden. Zweiter Grund: Die illegalen Container verschandeln das Stadtbild. Deshalb wurden bisher 454 entfernt, weitere 100 Standorte werden laut Verwaltung noch geprüft. Nach ihrer Kalkulation werden im Jahr 5000 Tonnen eingesammelt. Abzüglich der Logistikkosten und des Abbaus der illegalen bleibt vermutlich der Gegenwert von 3000 Tonnen, das sind 370 000 Euro. Die Verbände hatten gebeten, die Hälfte davon in Kleidern zu bekommen. Winkels: „Die AWB stellen nur 75 Prozent der Container auf, die früher dort waren. Das machen wir mit Rücksicht auf die Verbände.“