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Altkleider: Karitative Sammler kritisieren Stadt

(Foto: Gauger)

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Köln -

Die Pläne der Verwaltung, die städtische Altkleidersammlung 2014 auf das gesamte Stadtgebiet auszuweiten, stoßen bei Wohlfahrtsorganisationen auf Kritik. „Es wäre uns lieber, die Stadt würde davon Abstand nehmen“, sagt Uli Lange, Leiter der Kontakt- und Beratungsstelle für Wohnungslose, die der Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) in der Bartholomäus-Schink-Straße in Ehrenfeld betreibt. Bedürftige erhalten hier gratis gut erhaltene Kleidung. Doch seit die Stadt im August eigene Altkleidercontainer im Bezirk Ehrenfeld aufgestellt hat, wird der Nachschub knapp.

„Wir spüren das sehr deutlich. Früher haben die Leute jede Woche 20 bis 40 Säcke mit gebrauchter Kleidung bei uns abgegeben. Seit es die städtischen Container gibt, sind es maximal zehn pro Woche“, sagt Lange. Diese Entwicklung bereite ihm Sorgen, da die Nachfrage nach Kleidung steige. „Es gibt immer mehr Bedürftige.“

Die Stadt hatte im August einen sechsmonatigen Pilotversuch mit 45 eigenen Containern gestartet, die von den Abfallwirtschaftsbetrieben geleert werden. Keine drei Monate später legte die Verwaltung nun einen Bericht vor, wonach das Projekt erfolgreich sei und auf die ganze Stadt ausgedehnt werden solle. Stimme die Politik am Dienstag zu, könnten die restlichen Container im ersten Halbjahr 2014 aufgestellt werden (wir berichteten).

Die Verwaltung argumentiert, dass es rund 1000 illegale Container in Köln gebe, die das Stadtbild verschandeln. Mit städtischen Behältern, um die sich die AWB kümmern, sorge man für mehr Sauberkeit. Zudem könne die Stadt gewerblichen Sammlern die Aufstellung neuer Container auf privatem Grund nur untersagen, wenn die Kommune selbst flächendeckend sammle. Nicht zuletzt sollen weniger alte Kleider und Schuhe im Hausmüll landen – das Kreislaufwirtschaftsgesetz schreibt ab 2020 eine höhere Recyclingquote von 65 Prozent vor.

Kritiker argwöhnen, es gehe der Stadt vor allem ums Geld. Denn Altkleider sind ein lukratives Geschäft. Pro Tonne würden im Schnitt 325 Euro gezahlt; pro Jahr könne man 370 000 Euro erlösen, wenn man 800 Container aufstelle, sagt die Verwaltung. Sie will 50 Prozent der Erlöse zur Senkung der Müllgebühren nutzen und 50 Prozent karitativen Sammlern überlassen. Doch die wollen meist lieber selbst sammeln wie bisher. „Wir brauchen Kleidung, die wir an Bedürftige abgeben können. Seit die Stadt Container aufgestellt hat, sind Menge und Qualität bei uns schlechter geworden“, so Marita Bosbach vom Deutschen Roten Kreuz. Es sei „keine gute Idee, wenn die Stadt ihre Sammlung ausweitet“.

Auch Britta Schwecht von der Diakonie ist besorgt: „Wir sortieren selbst und vermarkten gebrauchte Kleidung zu geringen Preisen in unseren Sozialkaufhäusern. So schaffen wir Arbeitsplätze für Menschen mit Einschränkungen, die sonst keine Arbeit finden würden. Ohne Nachschub an hochwertigen Altkleidern wäre dieses Modell in Gefahr.“

Die Verwaltung plant zwar, weniger Container aufzustellen, als vorher da waren. Und mit Aufklebern will sie auf karitative Sammler hinweisen. Doch die fürchten zum Teil, dass bald immer weniger tragbare Kleidung bei ihnen ankommt. Eine finanzielle Kompensation löse das Problem nicht, sagt Uli Lange vom SKM. „Wir müssten mit dem Geld ja neue Kleidung kaufen, und die ist teuer.“ Anders sieht das Andreas Schmitz von den Maltesern, die in Köln mit 21 Containern sammeln und aus dem Erlös Jugend- und Sozialarbeit finanzieren: „Wir brauchen das Geld, nicht die Kleider.“

Die FDP übt ebenfalls Kritik. „Obwohl bisher keine Auswertung des Pilotversuchs im zugesagten Umfang vorliegt, will die Verwaltung die Verstaatlichung der Altkleidersammlung mit Hochdruck durch die politischen Gremien peitschen“, so FDP-Ratsherr Dr. Rolf Albach. „Eine Senkung der Müllgebühren um monatlich 2 Cent pro Bürger rechtfertigt es nicht, privaten Unternehmen das Sammeln auf privatem Grund zu verbieten.“


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