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Angriffe in Kölner Silvesternacht : 516 Strafanzeigen bei der Polizei eingegangen

Ein Streifenwagen der Polizei fährt am Hauptbahnhof vorbei.

Ein Streifenwagen der Polizei fährt am Hauptbahnhof vorbei.

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dpa

Köln -

Die Zahl der Anzeigen nach den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln ist auf 516 angestiegen. Rund 40 Prozent gehen auf sexuelle Belästigung zurück, hieß es gestern bei der Kölner Polizei. Diese erklärte den enormen Anstieg mit der Erweiterung der Ermittlungsgruppe und damit, dass Anzeigen, die in anderen Dienststellen gestellt worden sind, nun eingingen. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) geht davon aus, dass die Taten organisiert worden sein müssen. "Wenn sich eine solche Horde trifft, um Straftaten zu begehen, scheint das in irgendeiner Form geplant worden zu sein", sagte er der "Bild am Sonntag". Das Bundeskriminalamt (BKA) will ein bundesweites Lagebild erstellen, um das Vorgehen gegen die Tätergruppen besser abstimmen zu können.

Aus den Übergriffen will die Koalition in dieser Woche Konsequenzen ziehen. Die Union kündigte auf ihrer Klausurtagung in Mainz an, eine Verschärfung des Strafmaßes für Sexualdelikte zu prüfen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach sich für schärfere Asylgesetze aus. "Das, was in der Silvesternacht passiert ist, das sind widerwärtige kriminelle Taten, die auch nach entschiedenen Antworten verlangen, sagte die CDU-Chefin.

Debatte über schnellere Abschiebung

Schon am Montag will die Unionsfraktion mit dem Koalitionspartner SPD über Konsequenzen aus den Vorgängen in der Silvesternacht sprechen. Debattiert werden soll auch über schnellere Abschiebungen. Er sei zuversichtlich, dass die Forderungen seiner Partei nach mehr Personal und mehr Videoüberwachung schnell entschieden werden können, sagte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann. Die Grünen warnten vor Schnellschüssen. Der Bundestag wird sich in dieser Woche mit den Schlussfolgerungen aus den Vorgängen befassen. Heute wird sich der Innenausschuss des Landtags mit den Ausschreitungen beschäftigen.

In Köln ist es am Samstag bei einer Demonstration von Pegida NRW zu massiven Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Rund 1700 Demonstranten wollten vom Hauptbahnhof über die Straßen ziehen. 1400 Gegendemonstranten hatten sich zum Bahnhof aufgemacht. Gewaltbereite Hooligans warfen Flaschen und Blumenkübel in Richtung Polizei. Die Beamten setzten Wasserwerfer ein und stoppten den Demonstrationszug. Journalisten wurden massiv bedrängt. Vier Polizisten und ein Journalist wurden verletzt, 15 Demonstranten vorübergehend festgenommen. Zuvor hatten mehrere hundert Frauen in einem Flashmob am Dom gegen sexuelle Gewalt protestiert.

Der Vorsitzende der Kölner Gewerkschaft der Polizei (GdP), Andreas Pein, wehrte sich gegen eine Pauschalverurteilung der Kölner Polizei. "Alle stehen geschlossen hinter den Kollegen, die in der Silvesternacht am Kölner Bahnhof eingesetzt waren."