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Anschlag auf der Keupstraße: Aus der Perspektive der Betroffenen

Opfer des „NSU“ und ihre Angehörigen lässt die Wanderausstellung zu Wort kommen.

Opfer des „NSU“ und ihre Angehörigen lässt die Wanderausstellung zu Wort kommen.

Foto:

Hanano

Köln -

Über zehn Jahre her ist der Nagelbombenanschlag in der Keupstraße, bei dem 22 Menschen teilweise schwer verletzt wurden und wie durch ein Wunder niemand ums Leben kam. Um dieses und weitere Attentate in ganz Deutschland, für die der „Nationalsozialistische Untergrund“ verantwortlich sein soll, geht es in der Wanderausstellung „Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen“. Sie ist bis 8. Februar im Hauptgebäude der Universität zu sehen.

Lange Zeit gingen die Ermittlungen in die falsche Richtung, Opfer des Anschlags wurden verdächtigt, bei ihren Angehörigen wurden kriminelle Verwicklungen vermutet. Erst Jahre später wurden der Anschlag und die Morde an Migranten mit dem NSU in Verbindung gebracht. In der Ausstellung, die Birgit Mair im Auftrag des Nürnberger Instituts für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung (ISFBB) konzipiert hat, geht es neben der Aufarbeitung der Verbrechen auch gezielt um die Opfer. „Über die Täter wissen wir bisher viel, über die Opfer kaum etwas“, erklärt Mair. „Ich habe in der Ausstellung bewusst die Perspektive der Betroffenen aufgezeigt, die zu Unrecht verurteilt und stigmatisiert wurden.“ Über jedes Mordopfer hat sie in Absprache mit den Angehörigen eine Biografie erstellt. Zudem werden die Verbindungen im Netzwerk des NSU aufgezeigt.

Die Opfer des Attentats in der Keupstraße haben auch nach so langer Zeit noch keine Erklärung für die Beweggründe der Täter. In der nächsten Woche sollen die Kölner Opfer im Münchner NSU-Prozess zu Wort kommen. Die Initiative „Keupstraße ist überall“ wird die Betroffenen dorthin begleiten. „Wir haben erkannt, dass Demonstrationen und Veranstaltungen in der Keupstraße allein nicht reichen, um den Opfern des schrecklichen Anschlags zu helfen“, berichtet Reiner Schmidt. „Deshalb zeigen wir nun Solidarität, indem wir die Nebenkläger und die Betroffenen begleiten, wenn sie beim Prozess in München aussagen.“ Vor dem Gerichtsgebäude ist eine Kundgebung geplant, auch soll es einen Demonstrationszug durch die Münchner Innenstadt geben.

www.opfer-des-nsu.de