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Kölnische Rundschau | AWB: Stadt sammelt Altkleider jetzt selbst
14. August 2013
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AWB: Stadt sammelt Altkleider jetzt selbst

Für viele
Bürger eine Form aktiver Stadtbildverschandelung und  wegen des daneben abgelagerten Mülls ein Ärgernis: illegale Altkleider-Container.
(Foto: Gauger)

Für viele

Bürger eine Form aktiver Stadtbildverschandelung und  wegen des daneben abgelagerten Mülls ein Ärgernis: illegale Altkleider-Container.

(Foto: Gauger)

Köln -

Die Stadt Köln startet ab kommender Woche in Ehrenfeld einen sechsmonatigen Pilotversuch, um die Sammlung von Altkleidern neu zu organisieren. Wie berichtet sollen diese fortan durch die Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) eingesammelt und in ihrem Auftrag von zwei Subunternehmen vermarktet werden. Verläuft der Testlauf erfolgreich, soll das kommunale Sammelsystem auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet werden.

Ab Montag platzieren AWB-Mitarbeiter die ersten kommunalen Altkleidercontainer an bereits bestehenden Sammelstellen für Altglas. „Wir hoffen dadurch die Hausmüllmengen zu reduzieren und das illegale, wilde Aufstellen von Containern einzudämmen“, erklärt Carla Stüwe von der Koordinationsstelle für Abfallwirtschaft. Pro Jahr landeten in Köln noch immer rund 6000 Tonnen Altkleider im Hausmüll.

Die Erlöse aus der künftig zentralen Vermarktung sollen einerseits die Abfallgebühren stabil halten, zum anderen auch karitativen Altkleidersammlern zufließen.

Zurzeit stehen im Stadtgebiet noch schätzungsweise 500 ungenehmigte Altkleidercontainer auf öffentlichem Grund; viele davon gehören gewerblichen Sammlern. „Die Nachfrage nach Altkleidern auf dem Weltmarkt ist sehr hoch und wächst noch“, sagt Andreas Voget, Geschäftsführer vom Branchen-Dachverband Fairwertung in Essen. „Man kann in etwa sagen, dass hierzulande pro Kopf und Jahr acht bis neun Kilogramm Altkleider anfallen“, rechnet er vor. Der Verband schätzt, dass in Deutschland pro Jahr etwa 750 000 Tonnen Altkleider eingesammelt werden. Mitte der 1990er Jahre waren es noch 300 000 Tonnen gewesen. Etwa zehn Prozent davon landen im Müll, 50 Prozent werden recycelt. „Durch die zu erzielenden hohen Gewinne hat die Zahl illegaler Container gewerblicher Händler vielerorts drastisch zugenommen.“

Das hat in Köln immer wieder zu Ärger geführt, weil an den Sammelplätzen auch anderer Müll abgelagert wird, der dann von den AWB auf Kosten der Gebührenzahler beseitigt werden muss. „Für die Bürger sind die illegalen Container ein echtes Ärgernis“, berichtet Carla Stüwe von der Stadt. „Ich bekomme gut zehn Anrufe pro Woche, bei denen Anwohner den sofortigen Abtransport fordern.“

Nach dem neugefassten Kreislaufwirtschaftsgesetz aus dem vergangenen Jahr können die Kommunen gewerbliche Sammlungen jetzt untersagen, wenn der öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger – in Köln die AWB – ein eigenes Sammelsystem anbietet. Bereits in dieser Woche haben deren Mitarbeiter damit begonnen, illegale Container mit Aufklebern und der Aufforderung zu versehen, die Behälter binnen fünf Tagen zu entfernen. Kommen die Eigentümer dem nicht nach, werden die Sammelbehälter sechs Wochen eingelagert und dann kostenpflichtig verschrottet.

Gewerbliche Sammler dürfen ihre Container nur noch auf privatem Gelände aufstellen und müssen sie dort so platzieren, dass der Einwurfschacht nicht von öffentlichem Grund aus zugänglich ist. Wer entgegen der Neureglung versucht, neue Behälter aufzustellen, muss mit Bußgeldern zwischen 200 und 10 000 Euro pro Standort rechnen. Schlimmstenfalls riskiert er, dass ihm das Gewerbe wegen Unzuverlässigkeit untersagt wird. Letztlich entscheidend, so heißt es beim Verband, sei, zu welchen Bedingungen eine Kommune die Vermarktung ausschreibe und wo die Altkleider am Ende sortiert würden. Davon hängt der Erlös entscheidend ab. „Zertifizierte Betriebe mit vernünftigen Sozialstandards zahlen etwa 350 bis 400 Euro pro Tonne“, sagt Andreas Voget. Die Stadt will für die Pilotphase bei der Sortierung auf regionale Verwerter setzen. Ob und wie die Vermarktung am Ende ausgeschrieben wird, ist noch offen.