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Brandanschlag von Solingen: „Migranten sind Plus-Deutsche“

Köln -

Deutschland – ein Land des verständnisvollen multikulturellen Miteinanders? Es ist wohl noch ein weiter Weg, auch 20 Jahre nach dem Brandanschlag von Solingen, bei dem am 29. Mai 1993 fünf Menschen starben. Zum Gedenken daran fand am Mittwoch im Rathaus ein Diskussionsabend statt, bei dem deutlich wurde, dass viele Migranten und ihre Nachkommen sich immer noch nicht in Deutschland zuhause fühlen, obwohl sie längst Deutsche sind.

Der Integrationsrat hatte gemeinsam mit dem Dezernat für Integration und Umwelt in die voll besetzte Piazzetta eingeladen. Türkischstämmige Besucher waren deutlich in der Mehrzahl. Für viele ist der Anschlag ein prägendes Ereignis, das die Frage aufwarf, ob man in Deutschland noch leben könne. Der Kabarettist Fatih Cevikkollu betonte: „Eigentlich war immer klar: Wir bleiben hier, das ist unser Land.“ Zu Beginn hatte OB Jürgen Roters die über 100 Gäste begrüßt und lobte die zahlreichen Initiativen, die sich seit den Anschlägen in Köln gebildet hatten. „Vor allem sind die AG Arsch Huh und die Initiative 'Köln stellt sich quer' zu nennen. Sie zeigen, dass Rassismus und Islamophobie in Köln keinen Platz haben.“ Der SPD-Politiker Tayfun Keltek als Vorsitzender des Integrationsrates warnte dennoch vor der Verwurzelung des Rassismus in der Gesellschaft: „Rund zehn Prozent der Bevölkerung haben ein rechtsextremes Weltbild, rund ein Viertel hat fremdenfeindliche Ansichten. Das ist alarmierend.“ Keltek warf den Entscheidungsträgern vor, soziale Probleme zu ethnisieren. „Immer wieder werden gerade junge Migranten als kriminell dargestellt. Viel wichtiger wäre es, mehr Menschen mit Migrationshintergrund an Schulen und öffentliche Ämter zu bringen. Wir brauchen Vorbilder.“

Dies unterstützte auch Professor Hacı-Halil Uslucan von der Uni Duisburg-Essen. Der Leiter des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung betonte: „Mit Diskriminierung machen wir uns das Leben einfacher: Hauptsache, anderen geht es noch schlechter. Vorurteile kann man nur abbauen, wenn wir persönliche Kontakte pflegen und nicht nur über andere reden.“ Zum Abschluss diskutierten prominente Kölner wie Polizeipräsident Wolfgang Albers („Auch die Kölner Polizei Fehler hat bei der Aufklärung von rassistisch motivierten Taten gemacht.“) und WDR-Moderatorin Aslı Sevindim über Lösungsansätze für die Probleme.