Aktuelle Nachrichten aus Köln, der Region und der ganzen Welt

Clouth-Quartier in Nippes: „Vergabeverfahren war eine Farce“

Begehrt: Auf dem ehemaligen Gelände der Firma Clouth entstehen Einfamilienhäuser und Wohnungen. (Foto: Belibasakis)

Begehrt: Auf dem ehemaligen Gelände der Firma Clouth entstehen Einfamilienhäuser und Wohnungen. (Foto: Belibasakis)

Köln -

Es macht den Eindruck, als hätte er damit gerechnet. „Dass sich Baugruppen, die nicht berücksichtigt wurden, jetzt ärgern, ist nachvollziehbar und menschlich“, sagt Bernd Streitberger, Geschäftsführer der „modernen stadt“. Doch die Vorwürfe bezeichnet er zum Teil als sehr perfide.

Anfang November 2013 hatte die „moderne stadt“ – Gesellschaft zur Förderung des Städtebaus und der Gemeindeentwicklung mbH ein Vergabeverfahren gestartet, um Grundstücke im Clouth-Quartier in Nippes an Baugruppen zu veräußern. Die bestehen aus Menschen, die sich zusammengetan haben, um gemeinsam Wohnraum zu schaffen und zu nutzen. 20 Projekte hatten sich beworben, und in einem mehrstufigen Prozess erhielten inzwischen acht einen Zuschlag, vier weitere sind Nachrücker.

Doch gegen dieses Verfahren gibt es nun massive Kritik. „Leider wurde in keiner Weise die zuvor vorgestellte Vergabestruktur eingehalten“, sagt ein Mitglied einer Baugruppe, die nicht zum Zuge kommt. Zudem seien die Grundstücke für manche Baugruppen zu klein, so dass sie ihre Projekte trotz Zuschlags gar nicht umsetzen könnten. „Dadurch, dass die ,moderne stadt‘ Grundstücke aufgrund des Wohnkonzepts vergibt, dann die Grundstücke aber so klein sind, dass diese nicht umsetzbar sind, empfinde ich das gesamte Vergabeverfahren als eine Farce“, sagt das Baugruppen-Mitglied.

Für Bernd Streitberger sind die Vorwürfe unhaltbar. „Wir sind mit dem Verfahren sehr zufrieden“, sagt der Geschäftsführer. Ein unabhängiger Beirat habe die Projekte bewertet. Mangelnde Transparenz lasse er als Vorwurf nicht gelten. „Die Mitglieder haben zum Schluss eine gute Entscheidung getroffen“, sagt Streitberger.

Auf die habe die „moderne stadt“ keinen Einfluss genommen, versichert er: „Der unabhängige Beirat war für uns die beste Versicherung gegen Vorwürfe, wie sie jetzt aufkommen.“ Dass die zwei Grundstücke für je vier Gruppen ein wenig zu klein seien, räumt Streitberger ein. Doch die Baugruppen befänden sich nun in einem Prozess, um diese Probleme zu lösen. „Aus vier Tiefgaragen könnte zum Beispiel eine werden – das spart drei Zufahrten und womöglich auch Geld.“

Das Thema Geld ist ein weiterer Kritikpunkt. Das Baugruppen-Mitglied wirft den Geschäftsführern der „modernen stadt“ vor, sie hätten ein Interesse daran, Grundstücke im Clouth-Quartier nicht an Baugruppen, sondern vor allem zu Höchstpreisen zu veräußern, weil dadurch die Tantiemen ansteigen würden. In der 2012er Bilanz würden für drei Geschäftsführer für die Jahre 2011 und 2012 eine Festvergütung von insgesamt 714 000 Euro und Tantiemen in Höhe von 965 000 Euro ausgewiesen, führt der Kritiker als Beleg für seine These an.

„An solch einem Zusammenhang ist absolut nichts dran“, sagt Bernd Streitberger. Es werde immer darauf geachtet, eine stetige Balance zu erreichen. Dazu zählten öffentlich geförderter Wohnungsbau ebenso wie Baugruppen und Projekte anderer Marktteilnehmer. In seinem Fall seien die Tantiemen sogar auf 40 000 Euro pro Jahr gedeckelt.

Dass nach Rundschau-Informationen Baugruppen mit dem Gedanken spielen, gegen die Vergabe zu klagen, bereitet Streitberger keine schlaflosen Nächte. Im Vorfeld sei der Rechtsweg ausgeschlossen worden. „Wenn eine Gruppe vor Gericht ziehen will, soll sie es machen.“