Aktuelle Nachrichten aus Köln, der Region und der ganzen Welt

Clusterhaus: Netzwerken auf dem Flur oder am Kicker

Ein beliebter Treffpunkt im Clusterhaus: der Kicker.

Ein beliebter Treffpunkt im Clusterhaus: der Kicker.

Foto:

Meisenberg

Köln -

Schon am Eingang wird klar: Dieses Haus ist kein normales Büro-Gebäude. Statt mit edlen Emaille-Schildern sind die Namen der hier ansässigen Firmen auf unterschiedlich gearteten Zetteln vermerkt. Auch die Klingeln wirken provisorisch. Aber das stört hier nicht.

Denn das Clusterhaus, Im Klapperhof 7-23, bietet vor allem Start-up-Unternehmen Räumlichkeiten. Sie heißen Contilla, KochAbo.de, Betterdoc oder Treycon. Wo einst Teile der Gerling-Versicherung ihren Sitz hatten, arbeiten nun junge Menschen mit kreativen Geschäftsideen. Der Komplex gehört der Wiener „Immofinanz Group“. An den ehemaligen Versicherungs-Büros, verteilt auf lange Flure mit blauem Teppich, ist nichts verändert oder renoviert worden. Wer sich hier einmietet, muss alles selbst herrichten.

Flexible Konditionen und niedrige Mietpreise

Aber das gehört zum Konzept: Flexible Konditionen mit einer relativ kurzen Befristung auf sechs Monate sowie günstige Mietpreise (rund 8,50 Euro pro Quadratmeter) in zentraler Lage sollen Jung-Unternehmern die Möglichkeit geben, ihre Geschäftsideen zu testen und sich untereinander auszutauschen. „Viele beziehen hier zum allerersten Mal ein Büro“, sagt Eva Kersting, die sich um die Verwaltung und Event-Planung kümmert. Für kleine Teams sei der Einzug ins Clusterhaus der Schritt raus aus der „heimischen Garage“, in der schon so manche große Firmenidee entstanden sein soll.

Und dafür gibt es in Köln Bedarf. „Wir hatten eine sehr, sehr hohe Nachfrage, mit der wir selbst gar nicht so gerechnet hatten“, sagt Karin Rothgänger, die sich um die PR kümmert. Im Juni 2012 gestartet, liegt die Auslastung der mehr als 6000 Quadratmeter umfassenden acht Etagen inzwischen bei 75 Prozent. Zurzeit sind es 45 Firmen, bis März kommen noch zehn dazu; fast alles Unternehmen der digitalen Wirtschaft, die sich beispielsweise dem Online-Handel oder dem Entwickeln von Internet-Plattformen widmen.
Cluster, zu deutsch Bündelung oder Schwarm, beinhaltet aber auch den Austausch untereinander.

In der internen Facebook-Gruppe werden Tipps und Ratschläge gegeben, Mitarbeiter und Kontakte gesucht. Abends gibt es Veranstaltungen zu Steuer- oder Rechts-Themen, im Sommer wird im Garten gegrillt. Der obligatorische Kicker darf natürlich auch nicht fehlen und rund um die Tischtennis-Platte in einem der Gemeinschaftsräume hat sich eine eigene Liga gebildet. „Für März planen wir ein Speed-Dating, damit sich alle Mitarbeiter im Haus mal kennenlernen“, sagt Kersting.

Mit dem Rennrad Richtung Aufzug

In der Praxis aber funktioniert das schon von ganz alleine: Der eine bringt seinen Hund mit, der andere fährt mit dem Rennrad Richtung Aufzug. In der dritten Etage sitzt zum Beispiel die Firma „Shams“, die unter dem Slogan „Miteinander genießen“ mobile Kaffeestationen als Franchise vertreibt. Mo Shams (29) verkaufte zunächst Kaffee an der Universität. Zusammen mit Micha Schildmann (27) etabliert er derzeit seinen Stand, wie an der WiSo-Fakultät, an anderen deutschen Hochschulen. Ein Americano kostet 1, ein Cappuccino 1,50 Euro. Aber es geht nicht nur um günstigen, sondern auch um hochwertigen Kaffee, um „Nachhaltigkeit, Fair-Trade, Bio und vielleicht auch mal eigene Plantagen“, so Schildmann. Mit der Station in ihrem Büro versorgen sie zurzeit die ganze Etage.

Gerade kommt Alex Strieder rein, um seinen Kaffeebecher nachzufüllen. Der 28-Jährige betreibt in einem Büro nebenan mit Thomas Hoffmann (34) die Firma „Qdega“. Mit QR-Code und Gratis-App bieten sie kleinen und mittelständischen Unternehmen digitale Stempelkarten an, um Kundentreue zu belohnen. „Wir haben hier unheimlich spannende Nachbarn“, lobt Strieder das Konzept des Clusterhauses. Hoffmann ergänzt: „Wir tauschen uns überall aus – auf dem Flur oder beim Mittagessen.“ Wenn sie ein Problem hätten, gebe es immer jemanden – einen Stock tiefer oder höher –, der Rat wisse.

Das Konzept ist auch für die Besitzer ein Experiment, sagt Kersting: „In Wien wird derzeit ein Pendant aufgebaut.“ Wie sich alles entwickelt, ist noch nicht abzusehen. Aber in der Start-up-Szene tue sich einiges. Rund zweieinhalb Etagen sind im Kölner Clusterhaus noch frei. Dazu zählt auch die achte – einst Chef-Etage –, natürlich inklusive Dom-Blick.